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Future Mobility

Zukunftstechnologie ohne Zukunft

Indem die meisten der klassischen Automobilhersteller Tesla nacheifern, um ihren Rückstand bei der E-Mobilität aufzuholen, fahren sie sehenden Auges in die nächste Sackgasse. Die Zukunft wird einstweilen andernorts geschrieben.

09.02.2018 Quelle: CRN Lars Bube
Quelle: Nanoflowcell
Quelle: Nanoflowcell

Wenn die alteingesessene Automobilindustrie, wie kürzlich wieder in Detroit, über ihre Pläne für die Antriebe der Zukunft spricht, dann geht es dabei meist um die auf klassischen Akkus basierende Elektromobilität. Zu verdanken ist dieses Phänomen vor allem dem bislang nur auf Image und Hoffnungen basierenden »Erfolg« von Tesla Motors. Dessen Nimbus basiert ausschließlich darauf, dass es das Unternehmen mit der Vorstellung seines Roadsters vor zehn Jahren geschafft hat, erstmals auch die automobile Spaßgesellschaft ernsthaft für das Thema der Elektromobilität zu begeistern. Der schicke und agile Roadster holte Elektroautos aus der Ecke der spartanischen Weltverbesserer und sprach direkt den seit jeher eng mit den Karossen verbundenen Hang zur Selbstdarstellung an.

Diesem Erfolg nacheifernd, versuchen nun viele der etablierten Hersteller Teslas Konzept zu kopieren oder adaptieren. Allerdings wird dabei nur zu gerne der Fehler gemacht, das alte Konzept des »höher, schneller, weiter« nun einfach auf die Akku-Boliden zu übertragen. Dabei ist längst absehbar, dass dieser Weg in eine Sackgasse führt. Alle noch so blumig beworbenen Vergrößerungen der Akku-Kapazitäten und Beschleunigungen des Ladevorgangs werden diesen Elektroautos am Ende nichts helfen. Denn unsere Stromnetze sind schlichtweg nicht darauf ausgelegt, in der Breite entsprechende Ladeanschlüsse zur Verfügung zu stellen, weshalb das Konzept für die Masse nicht geeignet ist.

Selbst auf den ersten Blick vielversprechende Ansätze wie Feststoff-Akkus können diese strukturelle Hürde nicht aus der Welt schaffen. Insofern ist auch der Innovationstreiber Tesla selbst ein Gefangener der alten Automobilwelt und ihrer Denkmuster.

Tankstelle 2.0

Weit weniger sexy, aber deutlich erfolgversprechender und nachhaltiger, ist hier etwa der Ansatz von Toyota. Nachdem man erfolgreich den Hybrid als Brückentechnologie etabliert hat, setzt das Unternehmen jetzt voll auf die alte neue Idee der Brennstoffzelle. Neben dem Wegfall der teuren und umweltschädlichen Batterien und der deutlich schnelleren Betankung ist daran besonders ein Vorteil charmant: Die Fahrzeuge können theoretisch mit vergleichsweise geringen Investitionen die bestehende automobile Infrastruktur des Tankstellennetzes nutzen.

Dieser Gedanke steht auch im Zentrum anderer Entwicklungen, die derzeit vor allem noch von kaum bekannten kleinen Pionieren getrieben werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Schweizer Hersteller NanoFlowcell. Er setzt bei seinen Fahrzeugen auf die Weiterentwicklung von Flusszellen-Batterien samt hocheffizientem Elektrolyt und Niedervolt-Antriebsarchitektur. Damit werden sowohl die Nachteile der üblichen Akkus als auch die technischen Hürden und Gefahren der Wasserstoffspeicherung gelöst. Die Fahrzeuge lassen sich sekundenschnell mit einem günstigen Kraftstoff betanken, der umweltschonend und kaum gefährlicher als Wasser ist. An den bestehenden Tankstellen wären dafür lediglich leichte Modifikationen der Zapfsäule und des Zapfhahns nötig.

Schon heute von den Versuchsfahrzeugen im realen Straßenverkehr erzielte Reichweiten von über 1.000 Kilometern selbst bei typischem Autobahntempo lassen sowohl Benziner als auch Elektroautos reichlich alt aussehen. Die klassische Automobilindustrie, inklusive der großen deutschen Hersteller, droht solche echten Innovationen jedoch einstweilen auf der Suche nach einer Zukunft in Teslas Windschatten zu verpassen.