Cookies

Die Deutsche Messe verwendet Cookies, um die Website bestmöglich an die Bedürfnisse unserer Besucher anpassen zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Infos zum Datenschutz

OK
d!talk

„Wir befinden uns am Tipping Point zur Data Economy“

Für Martina Koederitz befinden wir uns gerade in der spannendsten Phase der Digitalisierung. In ihrem Pre-CEBIT-Interview wünscht sich die erfolgreiche IBM-Managerin und Schirmherrin des CEBIT-Summit "Women in Digital Business" dabei auch eine aktivere Rolle von Frauen – und nennt nicht nur Beispiele dafür, wie moderne IT mit künstlicher Intelligenz, Big Data und Blockchain gerade die Welt verändert, sondern erklärt auch, wie sich IBM selbst in den vergangenen Jahren gewandelt hat.

24.05.2018
CeBIT, Interview, Martina Koederitz
Martina Koederitz, IBM Global Industry Managing Director

Frau Koederitz, IBM und die CEBIT – das ist eine lange gemeinsame Geschichte. Wie empfinden Sie nun den Neustart mit neuem Konzept?

Wir waren die letzten Jahrzehnte begeisterte Austeller und Mitträger der CEBIT und sind auch beim neuen Konzept mit großem Engagement dabei. Wir sehen die CEBIT als Plattform, die viele unterschiedliche Menschen zusammenbringt und wo wir uns darüber austauschen, wie wir mit neuen Technologien wie IoT, KI und Watson unsere Zukunft gestalten werden, privat und im Business.

Das soll in diesem Jahr anfassbarer werden …

Ja, getreu unserem Motto "Let’s put smart to work", wird sich jeder Besucher ein eigenes Bild von den neuen Technologien machen können und vor allem welchen Nutzen diese für unser Leben haben.

Bei IBM denkt man zunächst an B2B, weniger an eine Endkunden-Zielgruppe. Wandelt sich dies auch mit der neuen CEBIT?

Natürlich haben wir als IBM die Grundausrichtung Business-to-Business. Doch egal ob wir über Startups oder Developer, oder das Business von heute sprechen, es bringt sich jeder einzelne als Mensch mit seinem Wissen und Know-how ein. Unser Ziel ist es, die Menschen zu aktivieren und dazu zu bringen, an der technologischen Entwicklung teilzuhaben, egal wo man sich gerade befindet – in der Schule, beim Studium, in den Unternehmen, öffentlichen Organisationen oder tatsächlich in der Programmierung und Entwicklung neuer Technologien.

Wie wollen Sie die Menschen mitnehmen?

Wir werden mit Kunden und Partnern konkrete Ansätze und Lösungen zeigen, wie wir unsere Welt mit Internet of Things (IoT), Blockchain, Cloud oder Quantum Computing neugestalten. Zum Beispiel zeigen wir mit dem Port of Rotterdam, wie der erste voll digitalisierte und damit intelligenteste Hafen der Welt funktioniert, und mit Ask Mercedes, wie intelligente Interaktion, via IBM Watson Technologie und der IBM Cloud, mit dem Auto aussieht.

Was hat dies mit Ihrem Engagement beim Women Summit der CEBIT zu tun?

Wir diskutieren schon seit vielen Jahren, wie wir die Vielfalt vorantreiben können. In Deutschland meint dies oft vor allem die Förderung von Frauen in technischen Berufen. Ich finde, gerade jetzt ist ein hervorragender Zeitpunkt, dies erneut anzugehen. Wir befinden uns am Tipping Point zur Data Economy.

Was meinen Sie damit?

Es wird anderes programmiert, es wird vernetzter gearbeitet und interdisziplinärer. Technologie hat heute einen ganz anderen Herzschlag. Das bietet Frauen große berufliche Chancen, ist abwechslungsreich und hochspannend. Für mich ist jetzt die perfekte Zeit, Frauen verstärkt anzusprechen und für die neuen Technologien zu gewinnen.

Warum ist das so wichtig?

Frauen stellen die Hälfte der Gesellschaft. Warum sollen sie also nicht in gleichem Maße an der Entwicklung der Zukunft partizipieren? Frauen sollten jetzt Verantwortung übernehmen und Weichen stellen. Wir bekommen die Zukunft, die wir selbst mitgestalten. Ein Großteil des Wissens, aus dem KI lernt, ist in einer männlich dominierten Kultur entstanden. Wenn Frauen sich nicht in die Berufsfelder einbringen, die diese Entwicklungen prägen, dann bleibt unsere Welt männlich geprägt.

In welchen Berufsbildern werden Frauen und Männer Weichen für die Zukunft stellen?

Wir werden einen Riesenbedarf an Menschen haben, die sich mit den neuen Möglichkeiten von Robotics bis hin zur künstlichen Intelligenz auseinandersetzen. Wir brauchen Data Scientists, Data Designer, Business Designer und viele weitere Berufe, die uns helfen, AI zu nutzen.

Wir glauben, dass AI als "Augmented Intelligence" künftig in vielen Berufen als modernes Handwerkszeug zur Optimierung von Prozessen und in Assistenz Systemen eingesetzt wird. Ich hoffe, dass die CEBIT den Impuls geben kann, dass sich junge Menschen entsprechend orientieren. Darunter idealerweise auch viele Frauen.

Sie würden also einem jungen Menschen – egal ob männlich oder weiblich – heute raten, einen technologisch geprägten Beruf zu ergreifen?

Erst einmal sollte die Person in sich hineinhören, was sie interessiert. Arbeit soll ja letztendlich auch begeistern und Spaß machen. Aber dazu muss der junge Mensch auch Möglichkeiten und Freiräume haben, zu erfahren, was Spaß machen kann. Auf der CEBIT versuchen wir auch, den Horizont zu erweitern und zu zeigen, was zum Beispiel Coding bedeutet und mit IoT und Blockchain machbar ist.

Müsste Coden an den Schulen gelehrt werden?

Es gibt etliche berühmte Menschen, die gesagt haben, dass heute neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch das Coden zum Grundlehrplan gehören muss. Wir verknüpfen gerade die physische Welt mit der digitalen Welt. Ohne ein bisschen Coding wird das schwer. Aktuell geben wir den jungen Menschen in unserem Schulsystem ein echtes Wissensdefizit mit.

Nicht nur in den Schulen, auch in den Unternehmen ändert sich gerade viel. Wie geht IBM mit der eigenen Transformation um?

Wir sind seit mehr als 100 Jahren im Business und haben uns mit einem sehr diversen Team von heute rund 350.000 Mitarbeitern rund um den Globus immer wieder neu erfunden. Innovation voranzutreiben liegt quasi in der DNA von IBM. Vor rund drei Jahren haben wir neue Arbeitsmethoden wie Design Thinking, davor das Prinzip der Agilität und auch eine neue Führungskultur etabliert. Wir betrachten eine Führungskraft heute eher als Coach und Weichensteller, jemand, der die Richtung vorgibt und den Teams den Raum gibt, Dinge auszuprobieren.

Mal provokativ nachgefragt: Das funktioniert wirklich in einem so großen, historisch gewachsenen Unternehmen wie IBM?

Natürlich. Der Maßstab aller Dinge ist ja, kauft unser Kunde oder kauft er nicht? Wir haben uns auch deshalb verändert, weil es der Kunde erwartet hat. Unsere Kunden wollten anders mit uns interagieren – und wir haben darauf reagiert.

Eine letzte Frage: Welchen Rat haben Sie jedem, der sich gerade fragt, was die Zukunft bringen wird?

Machen Sie keinen Bogen um IT, Big Data oder AI. Gestaltungswille, Risikobereitschaft, Lust auf Neues, sich ständig weiterentwickeln ... das sind Empfehlungen für alle, die etwas bewegen wollen und ihre Karriere voranbringen wollen. Nur wer sich jetzt mit den Möglichkeiten auseinandersetzt, wird dabei sein, wenn wir die Welt von morgen gestalten.

Martina Koederitz spricht am Mittwoch, 13. Juni 2018 im Rahmen der Konferenz "Women in Digital Business".

Sprecherprofil IBM auf der CEBIT