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Internet of Things

Savedroid: Kamikaze-PR und ein Bärendienst für die Fintech-Szene

Savedroid ist wieder da – und alle sprechen darüber. Doch das ist auch schon das einzig Positive, weil das Unternehmen nun in doppelter Hinsicht das Vertrauen in der Fintech-Szene verspielt hat.

14.05.2018 Quelle: t3n Tobias Weidemann
Quelle: Savedroid
Quelle: Savedroid

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Savedroid-Gründer Yassin Hankir wollte mit dem Verschwinden seiner Unternehmenswebsite und dem Rätselraten rund um den Verbleib des Unternehmens zeigen, wie selbst ein reguliertes, deutsches Unternehmen einfach abtauchen könne.

Der PR-Stunt ist in einer Hinsicht gelungen: Die gesamte Fintech-Welt (inklusive Wirtschaftswoche und dem amerikanischen Dienst Bloomberg) redet über Savedroid. Doch redet man jetzt auch über deren ICO-Beratung und die ICO-Checkliste, mit der das Startup sich ein zweites Standbein aufbauen will oder vielmehr nur über das zwischenzeitliche Verschwinden der gesamten Präsenz und dem damit verbundenen Vertrauensverlust?

Savedroid hat das Vertrauen verspielt, auch und gerade als Regulierungsberater

Es gibt nicht nur Win-win-Situationen, sondern auch solche, bei denen alle verlieren, wie etwa in diesem Spiel um Aufmerksamkeit: Yassin Hankir und sein Unternehmen Savedroid wird uns, egal wie sich deren Geschäft in den nächsten Monaten entwickelt, in Erinnerung bleiben als "die, die mal einen Tag verschwunden waren" und als Unternehmen mit einem bemerkenswerten Geschäftsmodell – so wie die Ü40 unter uns sich noch heute an einige Geschäftsideen der New Economy in den späten 90ern lachend zurückerinnern.

Das Vertrauen in seinem eigentlichen Kerngeschäft – dem Geldanlage-Startup Savedroid – hat das Unternehmen aber nun verspielt (und im Nachhinein sogar die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen) und auch einen solchen Berater mag man sich für etwas so Seriöses wie das Buhlen um Vertrauen bei Investoren eher nicht an Bord holen.

Kritik am Unternehmen und am ICO, insbesondere an den teils verzögerten Gutschriften der erworbenen Tokens, gab es bereits seit längerer Zeit und so standen diejenigen, die Unregelmäßigkeiten vermuteten und davon ausgingen, dass sich das Gründerteam mit eingesammelten 40 Millionen Euro vom Acker gemacht haben könnte, schnell parat. Und auch wenn Hankir sich entschuldigt für die drastische Maßnahme, mit der er nur zeigen wollte, wieviel Gier, Leichtgläubigkeit und Betrug in der Krypto-Welt zu finden ist, wird es schwer werden zu zeigen, dass gerade er der Gute ist, der die Branche und den ICO-Markt zivilisieren kann. Denn gerade die Regulierungsbehörden im Bankenbereich sind weder für übermäßige Lockerheit bekannt noch dafür, für schräge Marketing-Kampagnen empfänglich zu sein. Abgesehen davon: Auch in der Krypto-Szene selbst hat sich Hankir nicht beliebter gemacht mit seiner Abgrenzung und Diskreditierung von Teilen der Community.

Initiatoren von ICO werden in Zukunft deutlich misstrauischer beäugt werden (obwohl – vielleicht ist das ja sogar was Gutes) und die gesamte Fintech-Branche wird mal wieder dastehen als diese Hoodie-Typen mit den windigen Geschäftsmodellen, denen man im Gegensatz zu den Banken ja eh nicht trauen kann. Bestenfalls kann man die Geschichte als eines dieser reinigenden Gewitter sehen, die dazu beitragen, dass ein Hype etwas weniger euphorisch bewertet wird.