Cookies

Die Deutsche Messe verwendet Cookies, um die Website bestmöglich an die Bedürfnisse unserer Besucher anpassen zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Infos zum Datenschutz

OK
Virtual & Augmented Reality

PC-Hersteller entdecken AR/VR-Anwendungen

Längst haben auch die klassischen PC-Hersteller das Thema AR/VR für sich entdeckt. Angesichts sinkender Margen im PC-Hardware-Geschäft setzen Volumenhersteller wie Acer, Asus und Lenovo auf die neuen Möglichkeiten, die VR-Anwendungen beispielsweise im lukrativen Gaming-Segment bieten.

18.06.2018 Quelle: CRN Michaela Wurm
Quelle: Toshiba
Quelle: Toshiba

Anfangs wurden VR-Brillen von Partnern wie HTC oder Oculus unterstützt, um Gaming-PCs für VR-Spiele nutzbar und damit attraktiver zu machen. Mit Microsofts "Windows Mixed Reality" steht seit kurzem eine standardisierte Plattform für eine Vielzahl unterschiedlicher Gerätetypen zur Verfügung. Bis dahin war das Einrichten von VR-Headsets mit externen Kameras auch für die Nutzer recht aufwändig. Dafür musste meist externe Marker installiert werden, so dass ein Raumsetup oft mehrere Stunden dauerte. Mit der Microsoft-Plattform sind Mixed-Reality-Anwendungen jetzt per Plug and Play verfügbar. Kein Wunder, dass fast alle großen PC-Hersteller die Windows-Plattform für die Entwicklung eigener Headsets nutzen.

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2017 waren die ersten Mixed-Reality-Bundles verfügbar. So bietet Acer sein "Windows Mixed Reality Headset" im Bundle mit zwei Motion Controllern zum Preis von 449 Euro an. Zum gleichen Preis ist das Lenovo-Gerät mit den Motion Controllern erhältlich.

Von Gaming zum Showroom

Auch Asus vermarktet sein erst vor kurzem vorgestelltes Windows Mixed Reality Headset zunächst in Kombination mit seinen performanten Gaming-Notebooks für die Spielerszene. Der Hersteller hat sich mit dem Einstieg in das Segment Zeit gelassen – auch weil lange keine standardisierte Plattform für AR/VR etabliert war, wie Jan Schneider, Country Head Asus, im Gespräch mit CRN erläutert. Mit Microsofts Mixed-Reality-Plattform sei jetzt ein übergreifender Standard etabliert. Seit dem Jahreswechsel gebe es endlich auch ausreichend Content dafür im Microsoft Store. Auch auf der Steem-Plattform sei eine große Auswahl an VR-Games verfügbar

Die VR-Brille läuft jedoch bewusst nicht unter dem Gaming-Brand "Republic of Gamers" (ROG), sondern unter der Marke Asus, weil sich der Hersteller damit nicht auf private Endkunden beschränken will. Schneider sieht für das Produkt in Zukunft vor allem B2B-Einsatzmöglichkeiten, etwa in Verkaufsräumen. Asus sei bereits mit einigen Autoherstellern im Gespräch, die die Brille in ihren Showrooms einsetzen könnten.

Mehr als nur ein Trend

Gaming ist für die PC-Hersteller derzeit also nur ein, wenn auch ein äußerst lukratives Segment für Mixed Realitity-Produkte. Für einige ist es auch ein Einstieg in neue Geschäftsbereiche, wie beispielsweise für den Gaming-Notebook-Spezialisten Schenker Technologies. Über das Kerngeschäft mit Gaming habe sich seit einigen Jahren das Geschäft in Richtung AR/VR weiterentwickelt. Das sei mittlerweile ein echtes zweites Standbein, berichtet Unternehmensgründer Robert Schenker im CRN-Gespräch. "Seit zwei Jahren erschließen wir den Markt für VR-Anwendungen mit Computern wie dem Backpack. Der hat uns viel Aufmerksamkeit gebracht". Weil Schenkers Kunden oft nicht nur den PC, sondern gleich ein Komplettpaket kaufen wollten, wurden Partnerschaft mit Herstellern von VR-Brillen wie HTC eingegangen. Schenker will den Bereich mit Brillen, Zubehör, Software und Beratungsleistungen aber noch weiter ausbauen und ist dafür ständig auf der Suche nach neuen Partnern.

"Der Markt ist speziell für AR noch in den Kinderschuhen, aber das Ökosystem bietet vielfältige Möglichkeiten", erklärt der Firmenchef. "Für uns ist AR/VR längst mehr als nur ein Trend, sondern richtiges Geschäft. Wir haben im letzten Jahre schon gut Geld damit verdient und zwar vor allem im Commercial Umfeld und nicht wie ursprünglich gedacht mit Consumern. Das werden wir weiterentwickeln, gehen stärker ins Lösungsgeschäft. Dafür brauchen wir ein breiteres Portfoliobei der Hardware, um unseren Kunden die bestmögliche Lösung anzubieten."

Mit dem europaweiten B2B-Vertrieb des "Meta 2 Augmented Reality Development Kits" sowie der Business Edition des "TPCast Wireless Adapters« baut Schenker aktuell das Engagement bei professionellen VR- und AR-Lösungen aus. Die AR-Lösung Meta 2 richtet sich an Entwickler aus dem AEC-Sektor (Architecture, Engineering, Construction), die ihre virtuellen, dreidimensionalen Produkt-Designs und Modelle in einer realen Umgebung bearbeiten möchten. Die Business Edition des TPCast Wireless Adapters erlaubt den kabellosen Parallelbetrieb mehrerer VR-Brillen von HTC. Auf diese Weise erleichtert sie die Zusammenarbeit mehrerer Anwender, die in einem Raum am selben Projekt tätig sind.

Bereits im vergangenen Jahr hat Schenker zudem eine eigene Full-Service-XR-Agenturnamens OVRLAB gegründet, um Kunden bei der ganzheitlichen Umsetzung kreativer wie gewerblicher AR- und VR-Projekte zu unterstützen.

Assisted Reality für Service-Techniker

Auch Toshiba erweitert derzeit das PC-Kerngeschäft in Richtung Edge-Computing und AR. Der Anfang des Jahres vorgestellte Windows-10-Pro/ Windows-10-IoT-basierte mobile-Edge-PC "dyna Edge DE-100" soll in Kombination mit der smarten Datenbrille "Assisted Reality AR100 Viewer" neue Zielgruppen erschließen. Jörg Schmidt, Chef von Toshibas PC-Sparte in der DACH-Region, erhofft sich davon jede Menge neue Geschäftschancen. Mit dem Standard-Notebook-Portfolio erreiche man nur rund 20 Prozent aller Unternehmensmitarbeiter, die am PC arbeiten, so Schmidt im CRN-Interview.

Rund 80 Prozent aller Mitarbeiter würden derzeit aber nicht an einem PC-Arbeitsplatz, sondern in der Produktion, im Service oder beim Kunden vor Ort arbeiten. "Das ist ein riesiger Markt, den man jetzt noch gar nicht richtig überschauen kann", so Schmidt. Und dieser Bereich würde bereits mittelfristig einen großen Teil des Geschäfts ausmachen. Er erwartet, dass innovative IoT-Lösungen, Wearables, Datenbrillen und vieles mehr schon in wenigen Jahren rund 50 Prozent zu Toshibas PC-Geschäft beitragen werden.

Toshibas Edge-Computing-Lösung lässt sich freihändig bedienen und ermöglicht so gerade mobilen Mitarbeitern flexiblere sowie effizientere Arbeitsabläufe. Die smarte Datenbrille verfügt über Wi-Fi-, Bluetooth- sowie GPS-Technologien, um sich mit dem Unternehmensnetzwerk zu verbinden und Daten auszutauschen, Live-Videos zu übertragen oder Güter nachzuverfolgen. Per Skype for Business kann der Außendienstmitarbeiter mit Experten in der Firma kommunizieren. So lassen sich nicht nur Dokumente austauschen, sondern auch aus erster Hand Bilder oder Live-Videos übertragen, um Probleme sofort vor Ort zu lösen.

Toshiba empfiehlt die Lösung als idealen PC für die Remote Wartung, die Produktion und Logistik sowie für weitere Industrielösungen. Zusammen mit Partner Ubimax, einem Anbieter industrieller Wearable-Computing- und Augmented-Reality-Lösungen will Toshiba zusätzliche Funktionalitäten und weitere branchenspezifische Lösungen entwickeln.