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Digitale Transformation

Künstliche Intelligenz - wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Polizeiroboter in Dubai, KI-gestützte Diagnosen in der Medizin und Verkaufsroboter − das sind keine Zukunftsvisionen mehr, sondern Realität. Doch welche Gefahren bringt dieser Trend mit sich? Wie sieht der richtige Umgang mit KI aus? Die Bitkom-Studie vom November 2017 gibt Antworten.

06.02.2018 Quelle: funkschau Robin Schurz

Bei der Frage "Ist Künstliche Intelligenz Fluch oder Segen?" scheiden sich die Geister. Laut der Bitkom-Studie sind 47 Prozent der Befragten der Meinung, dass Künstliche Intelligenz eine Gefahr darstellt, wohingegen immerhin 48 Prozent KI als Chance sehen. Vorteile erhoffen sich die Befragten in fast allen Lebensbereichen. So erwarten 83 Prozent eine Verbesserung im Straßenverkehr, vor allem die Reduzierung des Stauaufkommens. Fast genauso viele erwarten eine Übertragung körperlich belastender Tätigkeiten an Maschinen (82 Prozent). 54 Prozent gehen davon aus, dass die Weiterentwicklung der KI zu einer schnelleren Aufklärung von Verbrechen beiträgt. In Dubai sind beispielsweise seit Ende 2017 autonome Polizeiroboter unterwegs. Diese sind mit einer Gesichtserkennungssoftware aus gestattet, mit der sie nach Kriminellen Ausschau halten und diese verfolgen sollen. Mehr als die Hälfte erwarten durch KI-gestützte Diagnosen eine Verbesserung im Gesundheitswesen (57 Prozent). So können KI-Systeme die Ärzte bei der Diagnose von Krebs und seltenen Krankheiten unterstützen. "Es geht nicht darum, dass ein KI-System den Polizisten oder den Arzt ersetzt. Es geht darum, dass intelligente Systeme ihm zuarbeiten", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

"Große Dinge sind oft mit großen Gefahren verknüpft"

Künstliche Intelligenz schürt allerdings auch viele Ängste. Der britische Physiker Stephen Hawking warnt in einem Blogeintrag vor der Vernichtung zahlreicher Arbeitsplätze im Zuge der Künstlichen Intelligenz und Automatisierung. Bei Media Markt und Saturn werden zum Beispiel Verkaufsroboter getestet, die die Kunden beraten und zur Ware führen sollen. Ein Pizzalieferdienst erprobt derzeit schon die Auslieferung von Pizzen durch Drohnen und in Dubai fahren Bahnen schon gänzlich fahrerlos.

Dabei stellt sich die Frage, wie soll man mit den Personen umgehen, die ihren Job im Zuge dieser Entwicklung verlieren? Oder konkret, was wird aus Zugführern, Lkw-Fahrern und Schiffskapitänen in einer zukünftig autonomen Welt? Zudem erwarten laut der Bitkom-Studie 78 Prozent der Befragten, dass durch den Einsatz von KI die Tür für Machtmissbrauch und Manipulation geöffnet wird. Als Beispiel ist die Entwicklung von autonomen Waffensystemen zu nennen: IT- und Robotik-Experten befürchten, dass jene in die Hände von Terroristen gelangen und Mittel von Terroranschlägen werden könnten. Weitere zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass sich Vorurteile der Programmierer in Künstlicher Intelligenz widerspiegeln könnten. Hinzu kommt die ethische Herausforderung: Handeln intelligente Systeme wertorientiert und humangerecht? Ein Beispiel für ein intelligentes System, das sich nicht an menschliche Ideale gehalten hat, ist der von Microsoft im März 2016 online gegangene Chatbot namens Tay. Dieser sollte sich mit jungen Erwachsenen unterhalten und dazulernen. Innerhalb eines Tages entwickelte sich Tay jedoch zu einem Rassisten. Der Grund dafür war, dass Tay die Inhalte der User ungefiltert verarbeitete und unter anderem auch hasserfüllte sowie menschenverachtende Inhalte aufnahm.

Zuallerletzt sind knapp mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Befragten der Meinung, dass sich KI gegen die Menschen richten könnte, wiederum 57 Prozent sind der Ansicht, man müsse der Angst vor KI entgegenwirken. "Wir müssen besser und breiter darüber aufklären, was Künstliche Intelligenz kann, und was sie aber auch nicht kann", so Achim Berg. Doch wie soll diese Aufklärung aussehen und wie müssen wir mit dem Thema umgehen, damit die Vorteile Künstlicher Intelligenz überwiegen?

Umgang mit Künstlicher Intelligenz

Der Bitkom veröffentlichte dazu in Kooperation mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) ein Positions-papier, das sich mit der wirtschaftlichen Bedeutung, den gesellschaftlichen Herausforderungen und der menschlichen Verantwortung von Künstlicher Intelligenz befasst. Teil dieser Publikation war der von den Herausgebern empfohlene Umgang mit zukunftsweisender Technologien wie Künstlicher Intelligenz, um das Potenzial und den Mehrwert dieser Technik in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik größtmöglich zu gestalten.

Für die deutsche Wirtschaft muss es laut Bitkom und der DFKI, zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Ziel sein, vorhandenes KI-Potenzial zu mobilisieren und die Technologie aktiv mitzubestimmen. Dazu gilt es, fördernde Rahmenbedingungen für die Entwicklung zu schaffen. Außerdem ist es notwendig, die Gesellschaft auf organisatorische Veränderungen durch KI vorzubereiten. Die Weiterentwicklung von KI wird einen tiefgreifenden Wandel im Arbeitsmarkt mit sich bringen, der dazu führen wird, dass Routinetätigkeiten an Bedeutung verlieren. Berufe hingegen, in denen die Künstliche Intelligenz (noch) nichts ersetzen kann, wie zum Beispiel in Kunst und Kultur, werden an Bedeutung gewinnen. Ziel der Politik muss es nach Meinung des Bitkom sein, die mit dieser gesellschaftlichen Transformation in Verbindung stehenden Prozesse aktiv voranzutreiben. Auch Investitionsförderungen spielen in den Überlegungen des Bitkom und des DFKI eine große Rolle. Ein Investitionsschub in allen Bereichen der Forschung, Entwicklung und Bildung sei genauso von Nöten wie die Förderung von KI-Forschungsprojekten und Anreize für Unternehmensgründungen, zum Beispiel in Form von Steuererleichterungen, zu schaffen. Zudem ist eine Vernetzung des KI-Wissens mit anderem domänenspezifischem Wissen aus Bereichen wie Recht, Medizin, Logistik, Fertigungstechnik oder Finanzdienstleistungen laut Bitkom notwendig. Es müsse Ziel sein, Deutschland durch die Etablierung einer weitergehenden Forschungs- und Vernetzungsinitiative langfristig als Standort für KI-Technologie zu empfehlen und für internationale Unternehmen attraktiver zu machen.

Digitale Kompetenzen

Als zentralen Faktor für die erfolgreiche Digitale Transformation in Deutschland sieht die Bitkom den Erwerb digitaler Kompetenzen. In der neu geprägten Arbeitswelt werden auf die Menschen neue Aufgaben zukommen. Es gilt, menschliche Intelligenz, vor allem Kreativität und Kommunikation, soziale Interaktion und Problemlösung weiter zu fördern, also jene Fähigkeiten, die sich nicht auf reine Wissensvermittelung konzentrieren und damit (noch) außerhalb der Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz liegen. Auch die Qualitätssicherung muss nach Bitkom und DFKI gewährleistet sein. Bei KI-gestützten Entscheidungen muss für diese gesorgt werden und bei kritischen Fällen sollte die Entscheidungsgewalt weiterhin bei den Menschen liegen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, eine Verständigung über ethische Standards zu erzielen. Dafür wird eine Ethik-Agenda benötigt, sodass auf Künstlicher Intelligenz basierende Technologien humangerecht sowie wertorientiert gestaltet sind und zudem Grundrechte und Autonomie wahren. Die Entwicklung von Handlungsempfehlungen sowie Leitlinien im Umgang mit Künstlicher Intelligenz sollte Teil der Agenda sein.

Datenschutz

Auch den Datenschutz muss Europa nach dem Positionspapier mit Blick auf KI weiterwickeln. Dazu sollte die EU mögliche Einschränkungen und Behinderungen in Bezug auf die Weiterentwicklung der KI aus dem Weg räumen. Außerdem ist die Weiterentwicklung politischer Rahmenbedingungen für intelligente Technologien wie Künstliche Intelligenz empfohlen. Dazu gehört vor allem die Potenzial- und Risikobeurteilung von KI im Zusammenhang mit Wirtschaft und Gesellschaft, um KI optimal nutzen zu können. Dafür sollte die EU auch klären, welche KI-Einsatzbereiche sie in Zukunft nicht zulässt. Die Entwicklung von KI ist mit tiefgreifenden Veränderungen verbunden und als politische Herausforderung zu verstehen. Es ist zu beachten, dass Menschen die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sowohl zum Positiven als auch zum Negativen nutzen können. Es gilt nach Bitkom und DFKI, trotz der Fortschritte im KI-Bereich zukünftig unser Verantwortungsbewusstsein beizubehalten und die Verantwortung als Herausforderung zu verstehen. Denn: Entscheidungen bleiben menschlich und werden so schnell nicht von Robotern abgenommen.

Beispiel: KI im Straßenverkehr

In Deutschland gab es laut der ADAC-Staubilanz 2016 rund 694.000 Staus. Mit der zukünftigen Einführung autonomen Fahrens erhofft man sich diese Zahl zu senken. Dem Statistischen Bundesamt zufolge gab es im Jahre 2016 zudem rund 2,6 Millionen Straßenverkehrsunfälle. Gründe für Unfälle sind zumeist menschliches Fehlverhalten, sei es durch zu dichtes Auffahren oder Handynutzung. Durch autonomes Fahren soll in Zukunft das Sicherheitsrisiko gesenkt und somit die Verkehrssicherheit erhöht werden.