Cookies

Die Deutsche Messe verwendet Cookies, um die Website bestmöglich an die Bedürfnisse unserer Besucher anpassen zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Infos zum Datenschutz

OK
Artificial Intelligence

KI geht Kunstfälschern gegen den Strich!

Forscher der Rutgers University in New Jersey und des Atelier for Restoration & Research of Paintings in den Niederlanden zeigen mit einer aktuellen Studie, dass KI einzelne Pinsel- und Stiftstriche auf einem Bild so umfassend analysiert, dass sie daraus auf dessen Erschaffer schließen kann.

13.12.2017
Rutgers_AI_Art
Rutgers AI Art

Wir alle konnten es erst vor kurzem ungläubig beobachten: Nach einem nicht einmal 20 Minuten währenden Bieterstreit bei Christie's in New York wurde das Gemälde "Salvator Mundi", dessen Schöpfer Leonardo da Vinci sein soll, für satte 450 Millionen Dollar versteigert - auch wenn die Summe bereits alle Gebühren enthält, wahrlich kein Schnäppchen. Oder vielleicht doch? Welche Entwicklung der überhitzte Kunstmarkt nehmen wird, kann niemand vorhersagen – auch die Künstliche Intelligenz, kurz KI, kann bestenfalls Prognosen abgeben. Doch wenn es darum geht, Kunstfälschern auf die Schliche zu kommen, könnte KI schon bald eine sehr wirkungsvolle Alternative zu den bislang von Kunstexperten eingesetzten Methoden wie Infrarotspektroskopie, Gaschromatografie oder radiometrische Datierung sein.

Denn Forscher des Department of Computer Science der Rutgers University und des Atelier for Restoration & Research of Paintings haben jetzt ein KI-System entwickelt, das bereits 80 000 individuelle Striche berühmter Künstler, unter anderem Picasso, Matisse und Modigliani, unterscheidet. Ihre Kenntnisse zog die KI aus rund 300 analysierten Strichzeichnungen, indem sie mit Hilfe eines so genannten tiefen Recurrent Neural Networks (RNN) lernte, anhand welcher Eigenschaften eines Striches ein Künstler zu identifizieren ist.

Um ganz sicher zu gehen, modifizierten die Forscher zudem einen Algorithmus aus dem Bereich des maschinellen Lernens (ML), um bestimmte Bildeigenschaften wie die Linienform eines Striches untersuchen zu können. Die Kombination dieser beiden Analysetechniken, die Künstler in rund 80 Prozent der Fälle korrekt identifizieren konnte, brachte dabei Erstaunliches zu Tage: Das RNN entdeckt offensichtlich Charakteristika in einem Original, die einem Fälscher entgehen beziehungsweise Charakteristika in einer Fälschung, die bei bereits verifizierten Originalen eines Künstlers nicht vorhanden sind.

Derzeit ist das in der Kunstfälscherszene sicher mit Sorge beobachtete KI-System nur für Zeichnungen zu nutzen, in denen Linien sichtbar sind. Doch die Forscher planen bereits den nächsten Schritt, sie wollen ihre Ergebnisse mit der Untersuchung impressionistischer Bilder und anderer Werke aus dem 19. Jahrhundert, in denen lediglich einzelne Striche zu identifizieren sind, weiter validieren. Somit dürfte die CEBIT 2018, auf der KI einen Schwerpunkt bildet, auch für Kunsthistoriker und Kunstwissenschaftler sehr interessant werden.

Video

Department of Computer Science, Rutgers, The State University of New Jersey (Piscataway, NJ 08854-8019, USA)
Website: https://www.cs.rutgers.edu/

Weitere Beiträge zum Thema