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Research & Innovation

Interview mit VW-Digitalchef Johann Jungwirth

Wann sind selbstfahrende Autos reif für den Massenmarkt? Welche Stärken brauchen etablierte Autohersteller, um sich in einer digitalisierten Welt zu behaupten? Und was können die traditionellen Autobauer vom Silicon Valley lernen? Wir haben VW-Digitalchef Johann Jungwirth zum Interview getroffen.

13.06.2018
Quelle: Volkswagen AG
Quelle: Volkswagen AG

Wann sind selbstfahrende Autos reif für den Massenmarkt?

Meine Prognose ist, dass es bereits Anfang des nächsten Jahrzehnts die ersten vollautonomen Elektro-Fahrzeuge in großen Flotten als Mobilität auf Abruf geben wird. 2021 in den ersten Städten – zum Beispiel auf dem US-Markt. Dubai, Doha und Singapur sind zudem Städte, von denen ich auch schnelle Impulse erwarte. Es wird eine exponentielle Entwicklung sein, die global stattfindet über viele Regionen hinweg.

Viele Menschen trauen der neuen Technik noch nicht. Wie kann man sie überzeugen?

Da gibt es viele Gründe. Drei sind mir besonders wichtig. Erstens: Sicherheit. Unser Benchmark ist der aufmerksame menschliche Fahrer. Mehr als 90 Prozent der Unfälle entstehen durch menschliche Fehler, die autonome Fahrzeuge natürlich nicht machen. Das selbstfahrende System schläft nicht ein, trinkt keinen Alkohol, ist nicht aufgebracht oder abgelenkt, kennt keine Schrecksekunde, fährt nicht über rote Ampeln, hat kein eingeschränktes Sichtfeld – das sind die sehr menschlichen Gründe für 91 Prozent der Unfälle heute. Zweitens: Mit autonomen Fahrzeugen ohne Lenkrad machen wir Mobilität demokratisch und sozial. So können wir auch den Schwächsten in der Gesellschaft, Alten, Kranken und Blinden, sowie Kindern individuelle Fortbewegung bieten – dank einer Mobilität auf Knopfdruck oder Sprachbefehl. Drittens: Wir schenken den Menschen Zeit. Im Laufe seines Lebens verbringt jeder durchschnittlich 37.668 Stunden im Automobil. In einem Fahrzeug, das selber fährt, können wir diese Zeit sinnvoll nutzen – weil es uns als Büro, Kino, Konzertsaal oder mobiles Fitnessstudio dient.

Quelle: Volkswagen AG
Quelle: Volkswagen AG

Welche Stärken brauchen etablierte Autohersteller, um sich in einer digitalisierten Welt zu behaupten?

Die große Herausforderung ist die tiefgreifende Transformation hin zu einem vertikal integrierten Hardware-, Software- und Service-Unternehmen. Die Hardware – und dazu zählen für mich Qualität, bestes Design, Emotionalität, Zuverlässigkeit und Präzision in der Umsetzung – beherrschen wir perfekt. Das haben wir über Jahrzehnte optimiert, und jetzt agieren wir bei der Software mit genau der gleichen Liebe zum Detail und gehen mit dem gleichen Fokus ran. Um es ganz klar zu sagen: Wir dürfen bei der Hardware nicht nachlassen, müssen jetzt allerdings die Bereiche Software und personalisierte Services auf das gleich hohe Niveau bringen wie die Hardware in den vergangenen 100 Jahren. Mit unserem Zukunftsprogramm Strategie 2025 haben wir einen der größten Veränderungsprozesse in der Geschichte des Volkswagen Konzerns auf den Weg gebracht, um die individuelle Mobilität von morgen an führender Stelle mitzugestalten.

Was können die traditionellen Autobauer vom Silicon Valley lernen?

Wir haben neue Einheiten aufgebaut wie zum Beispiel die Future Center sowie IT-Labs und Digital Units im Konzern und in den Marken. Gerade haben wir in Tel Aviv, dem neuen globalen Start-up Hot-spot, unseren Innovation-Campus KONNECT eröffnet. In diesen Kompetenzzentren leben wir schon die Kultur des Silicon Valley und arbeiten nach modernsten agilen Arbeitsmethoden.

Welche Rolle spielt China (Markt und Hersteller) bei der Entwicklung der Mobilitätskonzepte von morgen?

Sowohl der Markt als auch neue Technologien entwickeln sich in China mit atemberaubendem Tempo. Die chinesische Mentalität, Ideen rasch umzusetzen, sowie das hohe Tempo, mit dem unsere chinesischen Kunden die Digitalisierung annehmen, nutzen wir in unserem Future Center Asia in Peking. Dort entwickeln wir visionäre Produkte und Dienstleistungen mit einem Kundenerlebnis, das die Erwartungen unserer asiatischen Kunden erfüllt. Hier sind wir nah am asiatischen Markt, hier spüren wir den Puls der Zeit. Würden wir alles – User Experience, Interfaces und den gesamten Funktionsumfang – sowohl technisch als auch ästhetisch aus einer europäischen Perspektive denken und entwickeln, dann könnten wir in China langfristig nicht erfolgreich sein.

Was wird VW auf der CEBIT präsentieren?

Die Bandbreite der Themen ist groß. Sie reicht von vernetzten Fahrzeugen über autonomes Fahren bis hin zu Projekten mit Blockchain-Technologie, Quantencomputing und digitalem Automobildesign. Auf dem Messestand geben wir einen umfassenden Ein- und Ausblick in die Zukunft der urbanen Mobilität.

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