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Digitale Transformation

Interview mit Vanessa Schmoranzer

C-Level-Beraterin für Business Innovation, Digitale Strategie und Transformation

23.03.2018
Vanessa Schmoranzer
Vanessa Schmoranzer, Futurice

Frau Schmoranzer, Sie werden auf der CEBIT über "Neo-Stability: A Crisis Concept In The Digital Age" sprechen. Was verbirgt sich hinter Neo-Stability?

"Neo-Stability" beschreibt ein Konzept, das hilft die digitale Transformation erfolgreich zu meistern. Im digitalen Zeitalter und im Kontext neuer Technologien kommt eine neue Dynamik der Veränderung und Erneuerung auf uns zu - gleichzeitig steigt die Sehnsucht nach Stabilität. Menschen wie Organisationen streben nach einer Balance aus beidem, um sich erfolgreich weiter zu entwickeln. Heute werden die Zyklen zwischen Stabilität und Erneuerung jedoch immer kürzer. Das verursacht permanent neue Krisen. Diese Herausforderungen gilt es zu bewältigen, aber auch so zu nutzen, dass sie einen bei der Weiterentwicklung unterstützen. Diese Krisen entstehen gleichzeitig auf der Business-, Organisations- und auf der persönlichen Ebene. Das macht Veränderung und Weiterentwicklung herausfordernd und komplex. Die meisten Unternehmen sind sich nicht bewusst, dass eine Art "doppeltes Spannungsfeld" entsteht. In meinem Vortrag beschreibe ich dieses Phänomen und gebe Handlungsempfehlungen, wie man damit umgehen und "neo-stabil" werden kann, um eine neue Art dynamischer Stabilität zu erlangen.

Auf welche Krisen müssen sich Unternehmen im digitalen Zeitalter Ihrer Meinung nach vorbereiten und wie gelingt das am Besten?

Für Unternehmen geht es darum, Krisen als notwendigen Prozess zu verstehen. Krisen dürfen nicht weiter als Bedrohung angesehen werden, sondern vielmehr als logischer Bestandteil für Weiterentwicklung und Wachstum. Ohne Herausforderung keine Veränderung. Entscheidend ist, eine Haltung zu entwickeln mit der man in der Lage ist Krisen zu nutzen bzw. sie vielleicht sogar selbst zu kreieren. Ich beschreibe es gern so: wenn man in einer Krise im Fahrersitz sitzt, kann man auch die Richtung bestimmen. Der Designer Karl Lagerfeld hat das Wort Unzufriedenheit einmal geschickt aus der Negativkonnotation befreit. Er spricht von kreativer Unzufriedenheit – einem Zustand, der als Motor dienen kann, um Neues zu schaffen. Das ist ein schönes Beispiel, das zeigt, wie man in Krisen nicht nur etwas Negatives sehen kann.

Futurice ist ein finnisches Unternehmen. Gehen die Finnen anders mit der Digitalisierung um?

Finnland gehört laut Rankings des World Economic Forums oder dem aktuellen Innovationsindikator des BDI zu den führenden Nationen in Innovation und Digitalisierung. Das hat mehrere Gründe. Beispielsweise die sehr gute technologische Infrastruktur, eine grundlegende Offenheit für Innovationen und damit hohe Innovationskraft und -Geschwindigkeit. Finnland hat aber auch weniger Einwohner, eine andere Geschichte und Kultur als wir und ist ein zentralisiertes Land. Die staatlichen Institutionen sind viel weiter in der Digitalisierung als wir. Das sind alles Faktoren, die dazu beitragen, dass das Land weit vorne ist. Deutschland hat eine starke industrielle Kompetenz und hängt an seinen Errungenschaften. Da ist es sogar ein wenig nachvollziehbar, dass man sich hier so schwer tut, risikobereiter zu sein und neue Wege zu gehen, wo die alten doch so schön stabil sind (oder waren). Womit wir wieder bei meiner Theorie um NEO-Stability angekommen wären. Deutschland muss das Thema Innovation dringend mit einem erweiterten Horizont angehen – und nicht nur aus der Infrastruktur- oder "Industrie 4.0"-Brille draufgucken, sondern an seiner gesamten digitalen Innovationsfähigkeit arbeiten.

Sie waren Feldhockey-Spielerin in der Deutschen Frauen-Nationalmannschaft und haben 1996 sogar an den Olympischen Spielen teilgenommen. Können Sie Parallelen zu Ihrer jetzigen Tätigkeit ziehen?

Ich bin bei Futurice für Business Innovation, die Entwicklung von digitalen Strategien und Unternehmenstransformation verantwortlich, arbeite aber auch als Leadership Coach und Key Note-Speakerin. Zu der Rolle beim Hockey gibt es sicher einige Parallelen. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Gemischte Teams mit unterschiedlichen Experten sind besser als wenn alle dieselben Fähigkeiten haben – wenn alle nur stürmen, kann man das Spiel nicht gewinnen, wenn man nur Verteidiger hat, auch nicht. Man braucht an der richtigen Position die passenden Spieler, die auch im Zusammenspiel gut funktionieren.
  • Systeme und Regeln sind gut, aber im entscheidenden Moment kommt es auf die Genialität der Spieler an, außerhalb des Systems zu spielen. Du musst beides können und ein Gefühl dafür haben, wann was Sinn macht. Heute im digitalen Zeitalter geht es darum, Menschen und Teams mehr Autonomie und Verantwortung zu geben, neue Dinge zu testen, Entscheidungen zu treffen, scheitern zu dürfen, permanent Neues zu Lernen und damit erfolgreich zu sein.
  • Der Anspruch ist ähnlich: die Ambition der Beste zu sein, toll zu spielen, Spaß und Freude an dem zu haben, was man tut - und etwas erreichen zu wollen.

Dabei muss man heute für sich allerdings neu definieren, was man unter Erfolg versteht. Während es beim Sport auch um archaisches Kräftemessen und dem Sieg über den anderen geht, muss ich heute Erfolg auch kritisch reflektieren und im Kontext von Nachhaltigkeit und Ethik definieren - und man darf nicht vergessen die Menschen bei den neuen, komplexen Themen mitzunehmen.

Über Vanessa Schmoranzer:
Vanessa ist C-Level-Beraterin für Business Innovation, Digitale Strategie und Transformation. Mit ihren 18 Jahren Berufserfahrung als Management-Consultant und Game-Changer in Unternehmen entwickelt und transformiert sie Geschäftsmodelle, Marken, Organisationen und Teams. Sie hat für Start-Ups, Mittelständler und Konzerne in über 20 Branchen auf internationalem Level gearbeitet. Vanessa ist Leadership Coach und Key Note Speakerin, sie ist mehrsprachig und bereits vielfach ausgezeichnet worden. In ihrer ersten Karriere hat sie als Bundesliga-Hockeyspielerin und mehrfache Deutsche Meisterin Deutschland viele Jahre in der Nationalmannschaft, unter anderem bei den Olympischen Spielen, vertreten. Sie ist leidenschaftliche Golferin und liebt Urban Street-Art.

Über Futurice:
Das 2000 in Finnland gegründete Unternehmen hat heute über 400 Mitarbeiter in Helsinki, Tampere, Stockholm, London, Berlin und München. Futurice entwickelt im Auftrag von Kunden innovative digitale Lösungen und unterstützt Unternehmen und Organisationen dabei, die Digitale Transformation mit Erfolg zu bewältigen.