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Digitale Transformation

Interview mit Bitkom-Präsident Achim Berg

"Wir sind in Deutschland weniger technikgläubig als andere Länder". Bitkom-Präsident Achim Berg hat uns im Interview verraten, was er über Investitionen in die Digitalisierung und zeitgemäße Messekonzepte denkt.

11.06.2018
Quelle: Nick Neufeld
Quelle: Nick Neufeld
"Die CEBIT hat sich ganz neu erfunden"

Bitkom-Präsident Achim Berg über zeitgemäße Messekonzepte und Investitionen in die Digitalisierung.

Werden Messen in Zeiten des digitalen Informationsaustausches weiterhin gebraucht?

Unbedingt! Zwar gewinnen im Arbeitsleben das Home Office oder Videokonferenzen an Bedeutung, dennoch bleiben Face-to-Face-Meetings unverzichtbar. Wenn es um wichtige Themen geht, wollen wir uns persönlich austauschen, denn das ermöglicht eine andere Qualität der Kommunikation und der Interaktion. Deshalb sind Messen auch in Zukunft extrem wichtig.

Ist die CEBIT noch zeitgemäß?

Die CEBIT hat sich ganz neu erfunden. Denn eine moderne Messe muss mehr bieten als die Stände der Aussteller. Sie ist ein Ort, um sich zu begegnen, auszutauschen und zu debattieren – in offenenDiskussionsforen oder auf Veranstaltungen mit Festivalcharakter. Deshalb ist das neue Konzept der CEBIT von der IT-Branche sehr positiv aufgenommen worden: Es ist die richtige Veränderung zur rechten Zeit!

Welche Chancen haben deutsche Unternehmen bei der nächsten Stufe der Digitalisierung an der Weltspitze mitzuspielen?

Bei Innovationsthemen wie der Blockchain, Künstlicher Intelligenz, der Mobilität von morgen, aber auch dem auch 3-D-Druck ist die deutsche Industrie weltweit in der Spitzengruppe. Nun geht es darum, aus innovativen Ideen auch marktfähige Produkte zu machen. Dazu muss allerdings investiert werden. Laut einer aktuellen Umfrage des Bitkom gehört für zwei Drittel aller Unternehmen die Digitalisierung inzwischen zur Kernstrategie. Aber nur jedes fünfte Unternehmen investiert auch in digitale Geschäftsmodelle. Da gib es noch eine große Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung, die die deutsche Wirtschaft jetzt dringend schließen muss.

Welche Risiken sehen Sie?

Die Digitalisierung entwickelt sich exponentiell. Deshalb wird der Anstieg sehr steil, wenn man später startet – und man läuft hinterher. Also ist es wichtig, rechtzeitig zu investieren, ein Verständnis für neue Technologien und Plattformen zu entwickeln und diese Erkenntnisse in marktfähige Produkte umzusetzen. Auch wenn es der deutschen Industrie derzeit sehr gut geht, muss sie jetzt an die Zukunft denken.

Ist die neue Datenschutzgrundverordnung ein Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen – oder eher ein Hindernis?

Wir begrüßen grundsätzlich sehr, dass wir jetzt eine einheitliche Datenschutzgrundverordnung in Europa haben. Das macht es für Unternehmen viel einfacher, die in Europa expandieren wollen. Datenschutz sollten wir als Chance betrachten, denn der Schutz der Privatsphäre wird weltweit immer wichtiger. Dass wir hier jetzt klare Regeln haben, könnte Europa zum Vorreiter machen. Es darf aber durch einen über sein Ziel hinaus schießenden Datenschutz nicht verhindert werden, Daten zu nutzen, die wir etwa für den Einsatz der Künstlichen Intelligenz brauchen. Das wäre wie ein Schwimmbad ohne Wasser. Deswegen sollten wir uns auch die Freiheit nehmen, das Gesetz nachzujustieren, wenn wir feststellen, dass damit Innovationen behindert werden.

Für die Bundesregierung steht die Digitalisierung in dieser Legislaturperiode ganz oben auf der Agenda. Reichen die Bekenntnisse und die bislang beschlossenen Maßnahmen aus, um Deutschland fit für den internationalen Wettbewerb zu machen?

Die deutsche Politik ist viele Jahre gescholten worden, weil sie die Digitalisierung nicht angemessen zum Thema gemacht hat. Dass das im neuen Koalitionsvertrag erkannt und geändert wurde, dass eine Staatsministerin eingesetzt und Mittel bereitgestellt wurden, begrüßen wir. Jetzt geht es aber darum, die Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Wir hoffen, dass das mit gleichem Elan passiert!

Welche Rahmenbedingungen braucht es dafür und welche Investitionen haben jetzt Vorrang?

Uns sind drei Aspekte besonders wichtig: Wir müssen vor allem die digitale Bildung fördern und ausbauen, in der Schule ebenso wie beim der lebenslangen, berufsbegleitenden Lernen. Zweitens gilt es den Umbau zur digitalen Verwaltung nun endlich anzupacken – weiter jahrelang und ohne Ergebnis über Themen wie die Gesundheitskarte zu diskutieren, können wir uns nicht mehr erlauben. Drittens muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Dabei geht es aber nicht allein um breitbandige Datennetze, sondern ebenso um Smart Grids bei der Energieversorgung oder die intelligente Verkehrsführung.

Warum hat sich Deutschland bislang bei Thema Digitalisierung so schwer getan?

Ich finde, wir machen uns manchmal schlechter als wir sind. Aber richtig ist: Wir sind in Deutschland weniger technikgläubig als andere Länder. Das verlangsamt die Einführung neuer Technologien und deshalb fällt es uns schwer, Vorreiter zu sein. Oftmals werden vor allem die Risiken von Innovationen öffentlich diskutiert, während die Chancen weitgehend unbeachtet bleiben – wie etwa bei der Gesundheitskarte. Deshalb würde ich mir wünschen, dass wir das Thema Digitalisierung positiver angehen und die vielen Vorteile erkennen und ergreifen.

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