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Artificial Intelligence

HPE rückt Datacenter-Problemen mit KI zu Leibe

Die Komplexität von Infrastrukturen wächst, der Support-Aufwand ebenso. Mit KI-Analysen von Rechenzentrumsdaten will HPE gegensteuern und langfristig sogar ein sich autonom verwaltendes und reparierendes Rechenzentrum schaffen.

03.05.2018 Quelle: CRN Daniel Dubsky
Quelle: HPE
Quelle: HPE

Für mehr als eine Milliarde Dollar übernahm Hewlett Packard Enterprise im März des vergangenen Jahres den Flash-Spezialisten Nimble Storage und war damals nicht nur an dessen Speicherarchitektur, sondern auch an der Analytics-Plattform »Infosight« interessiert. Mit der werden zahlreiche Betriebsdaten der Arrays und der darauf laufenden Anwendungen gesammelt und ausgewertet, um unter anderem Performance-Probleme, Fehlkonfigurationen oder drohende Hardware-Ausfälle zu erkennen. Nimble sei daher ohne First-Level-Support ausgekommen, berichtet Till Stimberg, Director der Hybrid IT Business Unit von HPE in der DACH-Region und in Russland, im Gespräch mit CRN. Der Hersteller konnte die meisten Support-Fälle schlicht vorab beheben, und das meist sogar ohne Zutun des Kunden.

Unternehmen und ihre Systemhäuser erhalten über Infosight darüber hinaus wertvolle Informationen für die Performance- und Kapazitätsplanung: Beide wissen frühzeitig, wo nachgerüstet werden muss, bevor Workloads an Leistungs- und Speicherplatzgrenzen stoßen. Und wo vielleicht schon eine Konfigurationsänderung ausreicht, um die Performance zu optimieren. "Kunden erschlagen Performance-Probleme meist mit mehr Hardware«, sagt Stimberg, »dabei ist das oft gar nicht notwendig."

Die Vision von HPE ist es nun, mithilfe von Infosight das gesamte Rechenzentrum zu überwachen und seine Verwaltung möglichst weitgehend zu automatisieren. Bis zum wirklich autonomen Datacenter ist es aber noch ein weiter Weg – derzeit werden nur einige, wenige Aktionen von der Plattform selbst angestoßen, etwa der Stopp eines Firmware-Rollouts, wenn die Aktualisierung zu Problemen führt. Heute geht es vor allem noch darum, mithilfe von Big Data und KI frühzeitig Probleme zu erkennen und die Verantwortlichen mit Handlungsempfehlungen zu unterstützen. Oder wie Stimberg es ausdrückt: "Weniger Zeit und Schweiß in das klassische Troubleshooting zu stecken."

HPE hat dafür die Predictive-Analytics-Plattform um eine KI-basierte Recommendation Engine erweitert, die dem Manager zufolge "weit über Kapazitäts- und Performance-Planung hinausgeht". Sie macht beispielsweise konkrete Vorschläge zur Konfiguration der QoS-Funktionen, um alle Workloads mit optimaler Leistung zu versorgen. Oder empfiehlt eine Anpassung von Netzwerkeinstellungen, um einen sauberen Fail-Over im Ernstfall sicherzustellen. Und sie legt dem Admin auch mal nahe, eine virtuelle Maschine umzuziehen, um die Ressourcenauslastung des Gesamtsystems zu verbessern.

"Grafiken zur Performance oder Kapazitätsauslastung kann mittlerweile fast jeder anzeigen«, sagt Stimberg. »Aber entscheiden, ob es wirklich ein Problem gibt, das kann nicht jeder. Das ist die Stärke der KI."

Seit Januar steht Infosight neben den Nimble-Arrays auch für die "3Par"-Systeme von HPE bereit – kostenlos. Damit profitieren nicht nur weitere Kunden des Herstellers von der Plattform, sondern diese kann auch einen viel größeren Datenpool auswerten. Weitere HPE-Lösungen sollen folgen, schließlich geht es HPE um ein autonomes Rechenzentrum und nicht nur autonomen Storage. Wobei Stimberg betont, dass schon jetzt weit mehr als der reine Storage abgedeckt wird. So sammelt Infosight auch Daten aus dem Hypervisor, vor allem die Integration in VMware ist sehr tief. "Da hören wir von Kunden oft, dass wir eine bessere Sicht als VMware selbst bieten", sagt der Manager.

Über den bei den Arrays eintreffenden Netzwerktraffic kann Infosight auch Rückschlüsse auf die Netzwerkinfrastruktur ziehen und Tipps geben. "Die Hälfte der Probleme, die wir finden, haben nichts mit dem Storage zu tun", resümiert Stimberg und verweist etwa auf einen Kunden aus dem E-Commerce, der annahm, SAP bremse seine Systeme aus. Letztlich sei es aber ein Newsfeed-Server gewesen, "den niemand im Verdacht hatte". Manchmal lassen sich die Bugs aber auch nur in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern lösen wie im Falle süddeutscher Stadtwerke, bei denen sich das Queueing einer Datenbankanwendung als Bremse herausstellte.

Für HPE-Partner ist Infosight ein zusätzliches Verkaufsargument, aber es hilft ihnen auch im Service-Bereich, wo sie bei Planung, Verwaltung und Fehlersuche unterstützt werden und sich auf höherwertige Dienstleistungen konzentrieren können. "Infosight hilft den Partnern dabei zu erfahren, was beim Kunden überhaupt passiert – da hat der Kunde selbst oft gar keinen Einblick", unterstreicht Stimberg. Er hebt auch die Vorteile für MSPs hervor, die mit der Plattform das Leistungsmaximum aus ihren Systemen herausholen sowie eine bessere Auslastung und höhere Verfügbarkeiten erreichen können.

Allerdings weiß er auch, dass für ein wirklich autonomes Rechenzentrum nicht nur die Technologie weiterentwickelt werden muss. Ebenso geht es darum, Vertrauen in diese Technologie aufzubauen. Denn: "Nicht jeder ist schon bereit, die Kontrolle abzugeben."