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Digitale Transformation

Deutschland schöpft 88 Milliarden Euro an Datenwert nicht aus

Der Data Economy Report von Digital Realty zeigt ausführlich, welchen wirtschaftlichen Beitrag Daten für die deutsche Wirtschaft leisten. Denn Deutschland erschließt gerade mal etwas mehr als die Hälfte des potenziellen Wertes seiner Daten.

14.05.2018 Quelle: funkschau Axel Pomper
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Der von Digital Realty in Auftrag gegebene und von der Wirtschaftsberatung Development Economics erstellte Bericht verdeutlicht, welche Schlüsselrolle Daten für die wirtschaftliche Leistung in Deutschland spielen – wobei die Data Economy schneller wächst (10,9 Prozent) als die deutsche Wirtschaft insgesamt (2,2 Prozent). "Dateninfrastruktur und -dienste sind die Grundlage der digitalen Wirtschaft Deutschlands, aber ihr Wert wird oft unterschätzt. Mit dem Data Economy Report von Digital Realty wird dieser für Unternehmen und die gesamte Wirtschaft deutlich," sagt Rob Coupland, Managing Director EMEA bei Digital Realty. Im Vergleich mit dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Irland erwirtschaftet Deutschland gemessen am Geldwert am meisten. Dafür ist der Anteil der Datenwertschöpfung an der Gesamtwirtschaftsleistung im Vereinigten Königreich (4,2 Prozent), in Irland (4,0 Prozent) und den Niederlanden (3,9 Prozent) höher. Auch in den einzelnen Regionen und Branchen hierzulande gibt es Unterschiede.

Wachstum und Urbanität

Die großen und wirtschaftsstarken Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg sind in der Wertschöpfung von Daten am stärksten. Sie machen zusammen 53 Prozent der deutschen Data Economy aus. Doch es zeigt sich, dass Städte wie Berlin und Hamburg die größten Wachstumsquoten – zwischen 61 und 68 Prozent – im Zeitabschnitt 2012 bis 2016 vorweisen. Alle diese Regionen gehören laut dem Deutschen Startup Monitor zu Deutschlands Gründer-Hotspots. Der Trend zu schnellerem Wachstum in Großstädten zeigt, dass die Data Economy vor allem – aber nicht ausschließlich – ein urbanes Phänomen ist. Diese Entwicklung wird durch folgende Faktoren begünstigt: Großkunden für den IKT-Sektor selbst kommen aus anderen wissensbasierten Branchen wie Finanz- und andere Dienstleistungen, Medien und Kreativwirtschaft sowie häufig auch aus den Hauptverwaltungen von Unternehmen und Behörden, die alle in Städten ansässig sind. Außerdem befinden sich die modernsten Telekommunikationsnetze und andere notwendige Infrastrukturen in den Städten. Ebenso sind große Universitäten meist dort angesiedelt und bieten Unternehmen eine Quelle für hochqualifizierte Hochschulabsolventen.

Traditionelle Branchen haben kräftig aufgeholt

Die ITK-, Fertigungs- und Finanzbranche führen die Rangliste der stärksten Industrien an. Zusammen sind sie für 63,9 Prozent der datengetriebenen Wertschöpfung verantwortlich. Dabei erwirtschaftet die ITK-Branche mit rund 37 Milliarden Euro am meisten, gefolgt von der Fertigungsindustrie mit knapp 21 Milliarden Euro und dem Finanzsektor mit gut 10,5 Milliarden Euro. Aber traditionelle Branchen wie die Landwirtschaft, der Bergbau, die Wasserversorgung und das Bauwesen haben ihr Defizit erkannt und zwischen 2012 und 2016 stark aufgeholt. Der Wert ihrer Datenschöpfung hat sich mehr als verdoppelt. "Unternehmen sollten darauf achten, wie diese Daten entstehen, wo und wie sie verarbeitet und gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat. Sie sollten sich aber auch Gedanken darüber machen, was diese Daten, ganz unabhängig von ihrem sonstigen Geschäft, wert sind," sagt Harald A. Summa, Hauptgeschäftsführer eco – Verband der Internetwirtschaft e. V..

Sind mangelnde Digitalstrategien oder Fachkräfte schuld?

Der Data Economy Report von Digital Realty kommt außerdem zu dem Schluss, dass viele Unternehmen, vor allem der starke deutsche Mittelstand, noch nicht erkannt haben, welche Chancen sie ungenutzt lassen und daher auch noch nicht über die richtige digitale Strategie zur datengetriebenen Wertschöpfung verfügen. "Wir empfehlen Unternehmen dringend, in die richtigen Tools, Infrastrukturen und Partner zu investieren, um mehr Wert aus den Daten zu ziehen," sagt Coupland.

Die Studie belegt zudem, dass die notwendigen Fachkräfte fehlen. Während in fast allen Bereichen Wachstum sichtbar ist, hat sich bei den Arbeitsplätzen wenig getan. Zwischen 2012 und 2016 ist der Anteil der Jobs, die für die Data Economy relevant sind, gerade mal von 2,91 Prozent auf 3,24 Prozent angestiegen. Das sind kaum mehr als 191.000 neue Arbeitsplätze. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit den Erfahrungen von Dr. Andreas Wierse, Geschäftsführer von SICOS BW aus Stuttgart: "Wir stellen immer wieder fest, dass das Interesse der Unternehmen in die Smart Data Analytics einzusteigen stark zunimmt, viele dieser Unternehmen aber bei der Nutzung ihrer Daten noch ganz am Anfang stehen – auch, weil das notwendige Know-how intern nicht verfügbar ist. Das Thema Weiterbildung ist aus diesem Grund eines der wichtigsten." Auch der Data Economy Report von Digital Realty kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen stärker in die Aus- und Weiterbildung sowie Rekrutierung von Fachkräften investieren müssen, um langfristig den Wert aus ihren Daten ziehen zu können. Die Möglichkeiten sind riesig. Durch stetige Investitionen in neue Technologien und Big Data Management der Unternehmen sowie Investitionen der Regierung in Infrastruktur und Aus- und Weiterbildungen kann Deutschland mit einigen der größten Datenakteuren der Welt konkurrieren.