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"Adressen waren einfach nicht für Sprache gemacht"

Clare Jones ist CCO des Unternehmens what3words und damit für das weltweit erste sprachbasierte Adressiersystem verantwortlich.

15.01.2018
Clare-Jones

Clare Jones befasst sich mit innovativen Geschäftsmodellen als Antwort auf gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen und gehört dem Leitungsgremium mehrerer sozialer englischer Unternehmen an. Ihr akademischer Werdegang umfasst einen Bachelor in Englisch sowie einen Masterabschluss im Fachbereich Geografie der Universität Cambridge.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit unterstützt sie ehrenamtlich das sogenannte StreetLink-Projekt zur Unterstützung sozial benachteiligter Frauen in Südlondon. Wir haben uns mit Clare Jones unterhalten:

Guten Tag, Clare, würden Sie bitte mit drei Wörtern beschreiben, was what3words bedeutet?

Globales Adressiersystem.

Und jetzt bitte nochmal etwas ausführlicher …

what3words ist ein universell einsetzbares Adressiersystem. Es wurde entwickelt, um sicherzustellen, dass es für jeden Ort auf der Welt eine einfache Adresse gibt – egal ob es sich um eine Airbnb-Location im Wald, eine Haustür oder einen speziellen Zugang zu einem Stadion handelt. Es war das erste System, das für die Sprache und die menschliche Interaktion mit Maschinen entwickelt wurde – einfach indem man die Welt in 3 x 3 Meter große Parzellen unterteilte und jeder davon eine unverwechselbare Adresse aus drei Wörtern des Wörterbuchs zuordnete.

Um ein Beispiel zu nennen: Der Eingang unserer Londoner Firmenzentrale lässt sich mithilfe der Kombination ///index.home.raft. finden. Die 3-Wörter-Adressen können genutzt werden, um Autos oder Drohnen zu steuern, Empfänger für Online-Bestellungen zu identifizieren oder um einfach einen Treffpunkt für ein Picknick im Park zu verabreden.

what3words findet in 170 Ländern Einsatz und ist bislang in 14 Sprachen verfügbar. Regierungen auf der ganzen Welt haben es als amtliches Adressiersystem übernommen. Zum Investorenkreis gehören Namen wie Intel Capital, Aramex und die Deutsche Bahn.

Es gibt eine Gratis-App zum Suchen und Teilen von 3-Wörter-Adressen und einen kurzen Code zur Integration dieser Funktionalität in jedwede App, Website oder Karte.

Bei what3words geht es immer um Sprache. Liegt in der Sprache die Zukunft der digitalen Welt?

Ja, what3words konzentriert sich in der Tat vollkommen auf Sprache, und es sieht in der Tat alles danach aus, als würde die Sprachunterstützung unsere Zukunft maßgeblich prägen – wer würde nicht lieber einfach mit seinem Auto sprechen, als sich über eine Tastatur mit ihm zu verständigen?

Jeder, der schon einmal auf Sprachunterstützung zurückgegriffen hat, weiß, wie glatt und reibungslos dieser Prozess ablaufen kann – wenn er denn funktioniert. Sprechen geht viel schneller als Tippen und fühlt sich wesentlich natürlicher an.

Das Problem liegt darin, dass Adressen schlichtweg nicht für Sprache gemacht waren. Man denke nur an die Vielzahl von Dubletten (allein in Mexico City gibt es 632 Straßen mit dem Namen Juarez!), die Ausspracheschwierigkeiten (Godmanchester in England wird korrekt „Gumster“ ausgesprochen) und an die langen und komplizierten Adressen, die man nicht selten mehrfach eingeben muss, bis sie stimmen.

Dank what3words braucht man jetzt bloß noch drei Wörter aus dem Wörterbuch zu sagen – automatische Fehlermeldung inklusive –, um exakt an den gewünschten Ort zu gelangen.

Laut ihrem Lebenslauf interessieren Sie sich dafür, wie "gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen durch innovative Geschäftsmodelle gemeistert werden können". Warum ist das für Sie so wichtig?

Es scheint mir zu kurz gegriffen, die Verantwortung für soziale Veränderungen ausschließlich in die Hand von Regierungen und karitativen Organisationen zu legen, wo doch gerade auch die moderne Technologie so viel bewegen könnte. Für uns bei what3words ist es schier unglaublich, zu beobachten, wie sich mithilfe unserer Technologie Leben retten und Lebensverhältnisse verbessern lassen.

Vier Milliarden Menschen auf der Welt haben keine gültige Adresse – sie erhalten durch what3words Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen im Gesundheits- oder Finanzbereich. Nicht zu vergessen das Bestellen übers Internet, das so ebenfalls möglich wird. Unser Team zieht aus dieser Entwicklung einen Großteil seiner Motivation – und ich bin überzeugt davon, dass das auch für die anderen "Tech for Good"-Unternehmen da draußen gilt. Einige meiner Lieblingsfirmen in diesem Zusammenhang sind OpenBionics, die Gliedmaße aus dem 3D-Drucker für Amputierte herstellen, oder Playmob, die Spenden für karitative Zwecke einsammeln, wenn Gamer ihre Lieblingsspiele spielen.

Was ist ein typisches soziales Unternehmen?

Für mich hat ein soziales Unternehmen die Aufgabe, durch sein Geschäftsmodell Antworten auf gesellschaftliche oder ökologische Herausforderungen zu liefern. Es gibt so viele Beispiele dafür in Europa und auf der ganzen Welt, von bekannten Namen wie Justgiving oder Toms Shoes bis zu lokalen Vertretern wie LEYF in London, die ein innovatives Geschäftsmodell zur Bereitstellung von Bildungsangeboten für sozial benachteiligte Londoner Kinder entwickelt hat.

Wir freuen uns sehr, dass Sie auf der CeBIT 2018 zu Gast sind. Worüber werden Sie hier sprechen?

Ich werde über what3words sprechen und darüber, wie Menschen und Unternehmen rund um den Globus unsere Technologie nutzen, um die Welt weniger frustrierend, effizienter und sicherer zu machen, von San Francisco bis in die Mongolei, sowie über selbstfahrende Autos und Katastrophengebiete.

Die CeBIT hat sich grundlegend verändert. Wie finden Sie die neue CeBIT?

Ich bin gespannt, wie sich die CEBIT für die Technologien der Zukunft geöffnet hat. Und natürlich werden wir mit ganz besonderem Interesse beobachten, wie die neue CEBIT durch 3-Wörter-Adressen sicherstellen wird, dass sich alle hier bestens zurechtfinden.