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Self-Tracking setzt Milliarden um

Die wachsende Lust der Menschen an der digitalen Selbstvermessung beschert der Industrie Milliarden – an Einnahmen, aber auch an Daten. Denn längst nicht alle Fitness- und Gesundheits-Apps sind datenschutzkonform.

15.05.2017
Self-Tracking setzt Milliarden um (Foto: AOK)

Schlafdauer messen, Schritte zählen – per App zur digitalen Selbstvermessung ermitteln immer mehr Menschen ihre Gesundheitsdaten. Laut Analyst BCC-Research wächst der globale Markt für Self-Tracking-Produkte bis 2019 auf knapp 20 Milliarden Dollar. Schätzungen zufolge werden schon bis Ende diesen Jahres weltweit zwei Milliarden Menschen ihren Körper mithilfe von Apps überwachen.

Den Trend nehmen inzwischen auch Krankenkassen auf. Ob digitales Bonusheft, Pollenflugvorhersage oder Online-Stresstagebuch – die Mehrheit der Krankenkassen in Deutschland bietet ihren Versicherten eigene Apps für Smartphone oder Tablet an. Viele davon dienen der Prävention. Manche werden aber auch in der Therapie eingesetzt. Mit Tinnitracks für Tinnitus-Patienten und einer App zur Therapie von Migräne hat zum Beispiel die Techniker Krankenkasse Pilotprojekte gestartet.

„Welche Daten der Patient dabei preisgibt, entscheidet er selbst“, informiert Hermann Bärenfänger von der TK. „Generell gilt aber: Die Daten brauchen einen sicheren Hafen. Dass Gesundheitsdaten also nur auf Servern in Europa gespeichert werden, ist da selbstverständlich.“ Sascha Porbadnik von der AOK Nordost versichert: „Gemäß dem Grundsatz der Datensparsamkeit erhebt FitMitAOK nur die Daten, die unbedingt notwendig für die Abwicklung des Prämienprogramms sind. Sensible Gesundheitsdaten wie die Ergebnisse einer Vorsorgeuntersuchung werden gar nicht erst erhoben.“

Mehr als eine Milliarde US-Dollar haben auch die großen Sportartikelhersteller in Fitness-Apps gesteckt. Der Zukauf von Apps wie MyFitnessPal oder Runtastic verschafft den Unternehmen Zugang zu Millionen von sportaffinen Kunden. Doch die Mehrzahl der Apps sendet zahlreiche, teils sensible Informationen wie Gesundheitsdaten an die Server der Anbieter und bindet zudem Drittanbieter wie beispielsweise Analyse- oder Werbedienste ein.

Apple, Garmin, Fitbit, Jawbone, Polar, Runtastic, Striiv, UnderArmour (MyFitnessPal) und Withings wurden dafür jetzt von der Verbraucherzentrale NRW abgemahnt . Das Marktwächter-Team hatte zwölf Wearables und 24 Fitness-Apps näher untersucht und erhebliche Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen festgestellt. So werden bei 16 von 19 Apps auch technische Daten wie das Betriebssystem des Smartphones an Drittanbieter übermittelt, und zwar schon bevor die Nutzer überhaupt den Nutzungsbedingungen zustimmen und über den Umgang mit ihren Daten informiert werden.

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