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CeBIT 2018, 11. - 15. Juni

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Startups

Mit Strom gegen den Strom

Zu Hause das Auto tanken? Das geht – muss aber noch viel flächendeckender implementiert werden. Genau hier kommt die Startup-Szene ins Spiel: Junge Gründer kümmern sich endlich um die praktischen Fragen der E-Mobility. Jetzt will die Industrie investieren.

08.03.2017

Warum E-Mobility so notwendig ist

E-Bikes sind bereits auf vielen Straßen Deutschlands zu sehen. Start-ups haben aber noch viel mehr in Sachen E-Mobility zu bieten. (Foto: fotolia.com)

In Deutschland sind bereits 2,5 Millionen E-Bikes unterwegs. Zum Vergleich: Lediglich 25.500 reine Elektroautos kurven durch die Straßen. Doch gerade in Sachen Pkw wäre mehr Stromantrieb wünschenswert. Warum? Immer mehr Menschen erkranken an Luftverschmutzung, allein im Jahr 2010 starben in Europa über eine halbe Million Menschen durch die Folgen unsauberer Luft. Der volkswirtschaftliche Schaden: 1,6 Billionen US-Dollar. Das belegen Forschungen der WHO aus dem Jahr 2015. Laut Europäischer Umweltbehörde ist vor allem der Straßenverkehr für die schlechten Umweltbedingungen verantwortlich. Er ist laut und er verursacht Emissionen.

Soll die Atemluft besser werden, müssen sich die Dinge tief greifend ändern. Mit E-Mobility kann das gelingen. Denn dabei produzieren Kraftwerke CO2. Kommt die Energie aus erneuerbaren Quellen oder wird hybrid gewonnen, fällt die Umweltbelastung also drastisch.

Warum so wenig E-Mobility?

In der Bundesrepublik sind rund 55 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, fast alle laufen mit einem Diesel- oder Benzinmotor. Und das, obwohl drei Viertel der deutschen Autofahrer im Elektroauto das Fahrzeug der Zukunft sehen. Die meisten sind trotzdem nicht gewillt, in absehbarer Zeit einen Stromer zu kaufen. Das geht aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts hervor. Warum steigen Benutzer nicht auf eine Technologie um, die für sie Zukunft bedeutet? Die Hauptgründe: zu hohe Anschaffungskosten und die schlechtere Leistung.

Mit ihren originellen Vorstößen tragen Startups bereits seit Längerem aber dazu bei, dass E-Mobility für den Verbraucher attraktiver wird. Von Apps über Kraftfahrzeuge bis hin zur Luftfahrt – die Ideen aus der Szene gehen weit über elektronische Fahrräder und Autos hinaus.

Mehr Elektro auf den Straßen – Startups geben Gas

Es sind junge Unternehmen wie "NÜWIEL" oder "Kumpan electric", die sich auf den Straßenverkehr konzentrieren. Erstere bauen elektronisch betriebene Fahrradanhänger, die beim Beschleunigen oder Bremsen unterstützen. Lasten von gut 80 Kilogramm lassen sich so leicht mit Muskelkraft und Strom von A nach B transportieren. Der Fokus von Kumpan liegt auf der Produktion von E-Rollern:. Ein selbst entwickeltes Wechselsystem aus Lithium-Ionen-Zellen treibt die elektrischen Zweiräder an. Mit einer Reichweite von bis zu 150 Kilometern sind sie sogar leistungsstärker als herkömmliche Benzinmotorroller. Zum Aufladen der Akkus genügt die heimische Steckdose.

Auch mit Apps treiben Entrepreneure die E-Mobility voran. "PlugSurfing" dient als Schnittstelle zwischen den vielen Betreibern von Ladestationen und den Verbrauchern. Durch die Software können Nutzer den Strom unkompliziert abrechnen und sind nicht mehr auf mehrere Chipkarten angewiesen. Bürger in Berlin, Leipzig und München können auf die App von "Clever Shuttle" zugreifen, quasi ein Elektro-Taxi-Unternehmen. Das Programm legt die Fahrtwege verschiedener Kunden sinnvoll zusammen. So steigt die Auslastung in einem emissionsfreien Fahrzeug, während die Kosten für Mitfahrer sinken.

Vom Asphalt in die Lüfte

Lilium Aviaton baut bereits Prototypen des Elektrojets. (Foto: Lilium Aviaton)

Fernab der Straße operieren Startups wie "e-volo". Das Unternehmen aus Karlsruhe baut den Volocopter, einen mit 18 Rotoren betriebenen Elektrohubschrauber mit einer Flugdauer von einer Stunde. Eine Betriebs-Software unterstützt den Piloten und verhindert gefährliche Manöver. Laut Hersteller soll der Flugschein dadurch einfacher zu erlangen sein und die Sicherheit erhöht werden.

Wer es schneller mag, setzt auf den Lilium-Jet. Dieser wird von "Lilium Aviaton" in der Nähe von München entwickelt. Ein Senkrechtstarter, der die Insassen mit 300 Stundenkilometern und dem Komfort eines Business-Jets überall hinbringen soll. Dass das Startup von der ESA unterstützt wird, spricht für die Zukunftsfähigkeit des Projekts. Der Markteintritt ist für 2019 geplant. Ideen wie diese sind derzeit für wohlhabende Einzelpersonen oder Flugschulen interessant. Lärm- und emissionsfrei wie sie sind, wären die Fahrzeuge aber auch ideal für den Einsatz in Nationalparks geeignet.

Startups füllen Entwicklungslücken

Hohe Anschaffungskosten können auch die Startups bislang nicht verhindern. Aber sie setzen auf einen Trend, den die Industrie verschlafen hat. In einem Interview aus dem Jahr 2015 wirft Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität, der Bundesregierung vor, tatenlos zu sein. Gleichzeitig prangert er an, dass sich Hersteller gegen die Technologie sperren: "Meine große Sorge ist, dass die deutsche Autoindustrie von der Konkurrenz überrollt wird, wenn sie sich weiter so passiv verhält."

Tatsächlich hat sich das inzwischen gewandelt. Konzerne wie VW oder die Deutsche Bahn wollen mehr Elektromobilität auf deutschen Verkehrswegen – und investieren dafür verstärkt in Gründerinnovationen. Für die kommenden zwei Jahre hat die DB AG ein Kapital von 100 Millionen Euro für die Kooperation mit innovativen Jungunternehmen eingeplant. Der Volkswagen-Konzern will auf der SCALE11 erstmals über ein Pitch-Format das GOLDEN TICKET vergeben, für das sich Startups noch bis zum 15. März bewerben können. In der Start-up-Ausstellung der CeBIT sieht der Autobauer die perfekte Plattform, um auf neue Entwicklungen in der Mobilität zu stoßen.

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