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Interview mit Adrian David Cheok

In den Zukunftsvisionen von Professor Adrian David Cheok haben Menschen mit implantierten Chips Sex mit Robotern – und heiraten sie sogar! Auf den CeBIT Global Conferences wird Professor Cheok Sie auf eine Reise in diese Zukunft mitnehmen.

14.02.2017
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Adrian David Cheok

Professor Cheok, was ist das Thema Ihrer Rede auf den CeBIT Global Conferences?

In meiner Rede wird es um neue Funktionalitäten in der hypervernetzten Ära des Internets gehen, die die Interaktion zwischen Mensch und Maschine berühren. Diese Technologien ermöglichen eine neuartige Embodied Interaction, also die Interaktion zwischen Mensch und Computersystemen, und zwar sowohl auf sozialer als auch auf materieller Ebene. Das Ziel ist interaktive Kommunikation und Entertainment ganz anderer Art.

In diesen ganz neuen Kommunikationsumgebungen kommen alle Sinne zum Einsatz, also auch Tastsinn, Geschmackssinn und Geruchssinn. Damit eröffnet sich ein immenses Potenzial – nicht nur für multimodale Interaktion zwischen mehreren Nutzern, sondern auch die sogenannte abwesende Präsenz oder virtuelle Gegenwart.

In meinem Vortrag werde ich eine alternative ubiquitäre Computing-Umgebung vorstellen, die auf dem integrierten Design realer und virtueller Welten beruht. Dabei werden auch verschiedene Prototypen für Researchsysteme im Bereich interaktive Kommunikation, Kultur und Spiel zur Sprache kommen.

Ihre Tochter Kotoko ist jetzt zehn Jahre alt. Was meinen Sie, wie wird wohl ihr (digitaler) Alltag in zehn Jahren aussehen?

Die Digitaltechnologien werden in zehn Jahren weitaus immersiver und allgegenwärtiger sein. Bei unserer digitalen Kommunikation wird es vorrangig um die Vermittlung von Erlebnissen und weniger um die Übermittlung von Informationen gehen. Wir werden in der Lage sein, multisensorische Daten über das Internet zu empfangen und zu senden. Wir werden mit all unseren Sinnen in Remote-Umgebungen präsent sein und dort agieren können.

Wir werden über Alltagsgegenstände auf das Internet zugreifen können. Soll heißen: Wir werden keinen Computer oder sonstiges mobiles Gerät benötigen, um online zu gehen. Vielleicht werden wir uns sogar Mikrochips implantieren lassen, um Daten mit Maschinen und anderen Menschen auszutauschen.

In zehn Jahren werden die Grenzen zwischen Mensch und Technologie viel stärker verschwommen sein.

Sie sagen "Ich bin Erfinder aus Leidenschaft. Ich will Computing und Datenmedien revolutionieren, um dem Menschen, der Gesellschaft und der Umwelt zu helfen". Können Sie uns das etwas näher erläutern?

Im Labor ermutige ich meine Forscher und Studenten immer, den Quantensprung zu wagen, 'blue sky research' zu betreiben und radikal zu denken. Kleine Schritte reichen nicht. Bestehende Technologien weiterentwickeln reicht nicht. Wir brauchen bahnbrechende technologische Neuerungen. Wir müssen uns fragen: Wie können wir durch unsere Forschung und unsere Erfindungen die Welt der Zukunft verbessern? Ich denke dabei in Dimensionen von zehn bis zwanzig Jahren.

Erst kürzlich habe ich eine Konferenz zum Thema "Love and Sex with Robots" initiiert. Noch erscheint es uns undenkbar, dass Menschen Roboter als Liebespartner haben können. Sex mit Robotern, Roboter heiraten – ich glaube, dass das über die nächsten 20 Jahre immer häufiger geschehen wird. Roboter werden sich zunehmend einen Platz im Leben der Menschen erobern, sowohl physisch als auch emotional. Wir arbeiten derzeit an mehreren Projekten zu diesem Thema. So konzipieren wir beispielsweise einen küssenden Roboter und einen Roboter, der als Gesprächspartner unterschiedliche Persönlichkeiten annehmen kann.

Im Zuge der technischen Fortschritte bei Robotik und künstlicher Intelligenz werden Menschen zunehmend intime und emotionale Bindungen mit Robotern eingehen, die mit menschlichen Beziehungen vergleichbar sind.

In den letzten Jahren war viel von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) die Rede. Wird das 2017 der große 'Game Changer' sein?

Ich glaube, dass VR- und AR-Technologien bereits 2016 einen grundlegenden Paradigmenwechsel angestoßen haben. Das weltweite Phänomen Pokémon Go zeigt, dass AR-Anwendungen sich am Konsumentenmarkt durchsetzen. Für Unternehmen, Marketer und Entwickler bedeutet das neue Möglichkeiten für den Einsatz dieser Technologien in ihren Geschäftsfeldern.

So ermöglicht Pokémon Go, ein AR-Game, das auf realweltlichen Orten basiert, Geschäften und Cafés durch Gamification – also die Anwendung spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext – Spieler 'anzulocken'. Immer mehr Unternehmen und sonstige Organisationen werden AR- und VR-Technologien in ihren Ausstellungen, in ihrer Werbung und bei Touren einsetzen.

Und je erschwinglicher die VR-Headsets werden, desto mehr Menschen werden diese Technologien nutzen. Ich denke, dass wir jetzt an einem Punkt sind, an dem wir uns verstärkt um die Entwicklung von Inhalten kümmern müssen, um AR/VR-Anwendungen massenkompatibel zu machen.

Auf was freuen Sie sich ganz besonders bei Ihrem CeBIT-Besuch?

Am meisten freue ich mich auf das CGC -Angebot zum Thema Internet of Things. Das war schließlich in den letzten Jahren Thema Nr. 1. Ich bin total gespannt, die neuesten Innovationen und Anwendungen auf diesem Gebiet zu entdecken. Ich bin überzeugt, dass das der Trend ist, der die Welt über die nächsten fünf Jahre grundlegend verändern wird.

Prof. Adrian David Cheok auf der CeBIT

Prof. Adrian David Cheok teilte neben vielen weiteren Sprechern neueste Ideen zu aktuellen Trends und Themen auf der CeBIT 2017. mehr

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