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Deutschland: Auf dem Weg zur Startup-Oase?

Deutschland scheint als Startup-Standort im internationalen Vergleich kaum wettbewerbsfähig. Lässt sich das ändern? Und wer wäre dafür verantwortlich? Politiker, Gründer und Förderer diskutierten darüber auf dem Startup Meetup Panel auf der SCALE11.

23.03.2017
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Regeln und Regulation im Fadenkreuz

Als FDP-Mann Christian Lindner die deutsche Bürokratie an den Pranger stellte, traf er natürlich den Nerv des Publikums. Schließlich saßen hier hauptsächlich junge Gründer, die "dieses Leid ja längst gewöhnt sind." Gut gemeinte Schutzmaßnahmen wie das Arbeitszeitgesetz seien für viele Startups vor allem ein Hindernis und ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Staaten.

In die gleiche Kerbe schlug auch Tim Gude, Leiter IT-Solutions von Volkswagen. "Es ist für uns ein großes Problem, mit kleinen Firmen zusammenzuarbeiten. Arbeitsrechtliche Hürden gibt es überall." Die Scheinselbstständigkeit etwa, wenn ein Freelancer an einem längeren Projekt mitwirkt. Matthias Hunecke, der Gründer von Brille 24, fordert noch nicht einmal tiefgreifende Änderungen von der Politik. Aber Konstanz. "Es wäre ja schon toll, wenn ich mich nicht jedes Jahr aufs Neue in Gesetzesänderungen einarbeiten müsste, um nicht steuerlich benachteiligt zu werden."

Auch die Regulierungswut erklärten die Panel-Teilnehmer zum Feindbild: "Es kann nicht sein, dass jemand ein Unternehmen in Deutschland nicht gründet, weil der regulatorische Rahmen zu eng ist. Das Unternehmen gründet er dann nämlich trotzdem – aber eben woanders", klagte Florian Nöll, der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Startups e. V.

Viele Lösungsvorschläge in der Diskussion

Was also tun? "Den Zugang zu Kapital vereinfachen", meint Lars Klingbeil von der SPD. "Die IT-Infrastruktur durch Breitbandausbau stärken", sagt Hunecke. "Das Kartellamt aufrüsten und die Dominanz von Amazon und Co. reduzieren", so Lindner. Und vor allem – da waren sich alle einig – das Bildungssystem anpassen. "Man kann in Deutschland einen Uniabschluss in Informatik machen, ohne überhaupt programmieren zu können", kritisierte Lindner. "Wir sind viel zu theoretisch, in denen USA ist Hochschulbildung anwendungsorientierter." Für SPD-Mann Klingbeil greift das nicht weit genug. Schon in der Schule müsse der Gründergeist der Kinder angeregt werden. Denn: Es sei vor allem eine Frage der Kultur und der Einstellung, weswegen in Deutschland im internationalen Vergleich so wenig gegründet werde. Die Deutschen seien eben immer noch zu ängstlich, beklagt auch Lindner: "Beispiel Digitalisierung: Statt sich über die Chancen zu informieren, jammern wir erst einmal über möglicherweise wegfallende Jobs!"

VW-Manager Gude sieht noch ein anders Problem: "Es fehlt an Kreativität – und darum geht’s beim Unternehmertum." Die frohe Botschaft: Hier liege noch viel Potenzial, nämlich gerade an den Hochschulen mit ihren disziplinübergreifenden Ansätzen. "Eine erfolgreiche Anwendung braucht Fachwissen aus diversen Bereichen, nicht nur dem Coding. Das ist unsere Chance, die wir noch stärker nutzen müssen."

Lernen Sie vielversprechende Startups kennen und kommen Sie mit Förderern und Ideengebern ins Gespräch: bei der SCALE11 in Halle 11.

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