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Alexa 2.0 kommt aus dem Saarland

Innovative Sprachassistenten entstehen nur im Silicon Valley? Nicht ganz. Das deutsche Startup SemVox entwickelt die nächste Generation dieser Technologie.

16.03.2017
Das Startup SemVox richtet sich mit seinem Assistenz-Framework hauptsächlich an Unternehmen. (Fotos: SemVox)

Der 4. Oktober 2011 geht in die Tech-Geschichte ein: An diesem Tag stellte Apple „Siri“ vor – eine künstliche Intelligenz, die kurz darauf auf allen neuen iPhones installiert wurde. Damit machte Apple diese Technik einem breiten Publikum zugänglich. Inzwischen haben auch andere IT-Konzerne aus Kalifornien nachgezogen: Microsoft Cortana, Amazon Alexa oder Google Assistant finden den Weg in immer mehr Haushalte. Doch Sprachassistenten sollten noch individueller einsetzbar sein – und vor allem einen höheren Datenschutz bieten. Das dachten sich auch die Gründer von SemVox als sie 2008 das Startup in Saarbrücken gründeten.

Firmen entwickeln individuelle Sprachsysteme

Ihre Software heißt ODP S3. Damit hat SemVox keinen einzelnen Assistenten entwickelt, sondern ein gesamtes Assistenz-Framework geschaffen. Andere Unternehmen und Organisationen können dieses Framework in ihre Produkte integrieren und so ihre eigenen Sprachsysteme erschaffen.

"Ein Chirurg im Krankenhaus könnte so beispielsweise die Medizintechnik steuern, während er gerade mit Skalpell und Tupfer hantiert", erklärt SemVox-Kommunikationsleiter Michael Bruss. Oder Automobilhersteller könnten ihrem In-Car-System eine eigene Persönlichkeit verleihen und wären nicht mehr auf "Standard-Siri" angewiesen. Denn ODP S3 ist individualisierbar: Name, Stimme, Sprechgewohnheiten, sämtliche Befehle und Reaktionen lassen sich frei bestimmen.

Gründer von SemVox (v.l.n.r.): Jan Schehl (Head of Solutions Department), Dr. Norbert Pfleger (CEO), Alexander Pfalzgraf (CTO), Jochen Steigner (CSO)

Mehr Flexibilität, mehr Kontext

Wie alle intelligenten Sprachassistenten nutzt auch die SemVox-Software Technologien der Künstlichen Intelligenz und lernt aus ihren Erfahrungen. "Wenn ich an Wochentagen morgens und abends zwischen den gleichen Orten pendle, erkennt das System, wo ich wohne und arbeite", so Bruss. Im Auto reicht dann das Kommando: "Bring mich zum Büro" und das Navigationssystem startet die Routenführung. Das ist an sich nichts Neues, doch ODP S3 kann mehr als nur Sprache verstehen: "Wenn sich der User irgendwann in der Zukunft in einem Auto mit sehr guter Gestenerkennung befindet, könnte er im Vorbeifahren auf ein Gebäude zeigen und fragen "Was ist das?" und der Sprachassistent wird es ihm sagen", schildert Bruss. Das Framwork soll dabei anhand der Aussage, Gestik und GPS-Daten die entsprechenden Informationen ermitteln können – und ermöglicht es Unternehmen, solche Features zu implementieren.

Mit Flexibilität und Gestenerkennung dieser Art verfolgt das saarländische Unternehmen einen ähnlichen Ansatz wie ein Schwergewicht aus der Branche. Viv Labs arbeitet ebenfalls an einem Assistenten , der eine offene Software mit Zeigefunktionen verwirklichen soll. Hinter dem amerikanischen Startup stecken die Gründerväter von Siri.

Daten nicht aus der Hand geben

Einer der wichtigsten Vorteile von ODP S3 hat aber gar nichts mit Funktionen zu tun. "Es geht um Sicherheit und Datenschutz", sagt Bruss. Bekannte Sprachassistenten wie Alexa verbinden sich immer mit der jeweiligen Cloud, und zwar schon bevor sie angesprochen werden. Nur so können sie Informationen überhaupt verarbeiten. Das bedeutet, es besteht keine Kontrolle darüber, was mit der Tonspur passiert, die inzwischen an einen Server irgendwo im Ausland übermittelt wurde. Ein Risiko für Nutzer, auf das die Verbraucherschutzzentrale ausdrücklich hinweist: "Potenziell wandert alles, was Sie sagen, heutzutage in US-amerikanische Clouds."

Bei ODP S3 entscheidet der Nutzer selbst, wie und wo Informationen verarbeitet werden: "Will ein Krankenhaus die Server in den eigenen Keller stellen, ist das ohne Probleme möglich und keine Informationen dringen nach außen", erklärt Bruss. "Aber natürlich können auch wir vollständig in der Cloud und hybrid arbeiten."

Kleines Unternehmen mit großer Qualität

SemVox ist eine Firma mit nur fünfzig Mitarbeitern und ansässig in Saarbrücken – doch technisch steht das Startup den Branchen-Koryphäen in nichts nach.

Auf der Suche nach Partnern und Kunden setzt SemVox auf die CeBIT. Bereits zum dritten Mal ist das Unternehmen im Startup-Bereich der CeBIT, der SCALE11 , zu sehen – bei den "jungen Innovationsträgern", wie es Bruss formuliert. Eine Gelegenheit für Investoren, sich das Unternehmen näher anzuschauen. Denn der B2B-Markt für Sprachassistenzen ist kaum erschlossen, die Marktchancen vielversprechend.

Hier gibt es mehr Informationen zur SCALE11

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