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CeBIT 2017, 20. - 24. März

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Internet der Dinge

Und, was sagt Ihre Zahnbürste so?

Der Kühlschrank mit Internetzugang geistert seit 15 Jahren durch die Messelandschaft bzw. die Medien, wirklich durchgesetzt hat er sich nie. Dabei steht er nur symbolisch für eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist: der Vernetzung aller Lebensbereiche über das Internet der Dinge.

"Intelligente Haushaltsgeräte sind auf den Menschen als Mitbewohner bald nicht mehr angewiesen", überschrieb die Zeit einst einen Artikel über "neue Geräte, versehen mit einigen zusätzlichen Mikrochips im Innern", allen voran ein intelligenter Kühlschrank, der übers Internet selbständig einkauft. Nun ist "bald" sehr relativ, denn der besagte Artikel erschien bereits im März 1998 als Berichterstattung zur damaligen CeBIT.

Dabei ist die Geschichte des intelligenten Kühlschranks voller Missverständnisse. Denn was den Medien in steter Regelmäßigkeit als Paradebeispiel für sinnlose Technik dient, ist eigentlich nur das Anschauungsobjekt für eine Entwicklung, die längst Realität ist – nur eben noch nicht im Kühlschrank. Das Internet der Dinge hat sich ganz nebenbei in unser aller Wohnzimmer, Küche und mittlerweile sogar Badezimmer geschlichen, ohne dass es vielen Menschen bewusst wäre.

Während der Internet-Kühlschrank immer belächelt und nie wirklich gekauft wurde, feierte etwa die vernetzte Zahnbürste vergangenes Jahr eine furiose Premiere. Kaum ein Medium, das nicht dieses Stück Technik hervorhob. Die Zahnbürste kommuniziert via Smartphone-App mit dem Nutzer und teilt ihm beispielsweise mit, wenn er mit zu viel Druck putzt.

Der (Alp-)Traum von der Vernetzung

Was nach Spielerei klingt, kann in Zukunft durchaus Ernst werden. Stellen Sie sich vor, Ihre Krankenkasse lässt Ihren Anspruch auf Zahnersatz nur noch nach Vorlage der Putzdaten gelten. Spannend wird es vor allem, wenn die elektrischen Geräte untereinander kommunizieren dürfen: Die digitale Waage liefert dann vielleicht nicht nur den Body-Mass-Index und das aktuelle Gewicht aufs Display, sondern meldet auch ein paar Pfunde zu viel an den vernetzten Kühlschrank – der sich daraufhin strikt weigert, Butter zu bestellen. Eine Horrorvorstellung? Vielleicht. Aber in anderen Bereichen ist diese Vernetzung durchaus sinnvoll und von Vorteil.

In der Logistik etwa ist eine automatisierte Abstimmung von Waren und Transportern mittlerweile fast unumgänglich. Per Radio Frequency Identification (RFID) lässt sich eine Lieferkette nahezu lückenlos überwachen, ohne auch nur einen Karton zu öffnen. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik prophezeit der Technik enormes Potenzial : "Wenn in der Automobilindustrie der Schritt zur Echtzeitlogistik gemacht wird, geht an RFID zukünftig kein Weg mehr vorbei."

Im Jahr 2020 werden weltweit mehr als 50 Milliarden Dinge miteinander kommunizieren, sagt der IT-Riese Cisco voraus . Dass damit auch das Gefahrenpotenzial wächst, dürfte selbstverständlich sein. So waren Anfang des vergangenen Jahres angeblich tausende Smart-TVs, Multimedia-Player und andere scheinbar harmlose Geräte an einer Spam-Attacke beteiligt . Zudem stellt sich die Frage, wer Zugriff auf die gesammelten Daten erhält und was damit geschieht. Denn während Details über das Zahnputzverhalten noch relativ harmlos sind, können Thermostat-Daten oder Informationen über den Herzschrittmacher durchaus missbräuchlich verwendet werden.

Trends zu erkennen und langfristig das Zusammenspiel der Geräte untereinander abzuschätzen, ist daher eine der Hauptaufgaben für Unternehmen. Denn eines ist sicher: Das Internet der Dinge lässt sich nicht mehr aufhalten.

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