CEBIT Global Conferences

Wir brauchen die Gigabit-Infrastruktur für die Gigabit-Wirtschaft

Auf den CeBIT Global Conferences 2016 legte EU-Kommissar Günther H. Oettinger seine Vision einer "europäischen Digitalunion" dar. Dafür seien nicht nur rechtliche, sondern auch infrastrukturelle Rahmenbedingungen die Grundlage.

14.03.2016
CeBIT 2016 Day 1 Oettinger

Der Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft der Europäischen Kommission legte dabei großen Wert darauf, dass die europäische Digitalwirtschaft längst nicht durch die USA und andere große Player abgehängt worden sei. In vielen digitalen Wirtschaftsbereichen seien europäische Firmen führend und hätten deutliche Stärken im Vergleich zur internationalen Konkurrenz.

Vereinheitlichung der digitalen Silos

Doch um konkurrenzfähig zu bleiben, müssten die "28 fragmentierten Silos" vereinheitlicht werden. "Ein europäisches Start-up braucht heute 28 Anwälte, um 28 Datenschutzgesetze zu verstehen", sagte Oettinger. Da sei es nachvollziehbar, dass Gründer lieber in die USA gehen würden, wo es für einen vergleichbar großen Markt nur eine Gesetzgebung gäbe.

"Für analoge Güter haben wir den größten Marktplatz der Welt geschaffen. Jetzt müssen wir den digitalen Binnenmarkt angehen", sagte Oettinger. Es sei die Vision der EU-Kommission, die EU auch in eine Digitalunion zu verwandeln. Erste Schritte dorthin seien bereits unternommen, etwa die Anstrengungen, ein europäischen Datenschutzrecht zu verabschieden.

Europa muss die digitale Infrastruktur schaffen

Doch Gesetze allein seien nicht genug. Europa müsse gemeinsam daran arbeiten, die entsprechende Infrastruktur zu schaffen. "Wir brauchen die Gigabit-Infrastruktur für die Gigabit-Wirtschaft", sagte Oettinger. Dazu gehöre Vectoring ebenso wie Glasfaser und 5G. Nur so seien die Visionen von selbstfahrenden Fahrzeugen, E-Medizin, E-Government und E-Learning zu verwirklichen.

"Wir befinden uns in einer Aufholjagd", sagte Oettinger und erinnerte daran, dass es zwar keine nationalen Grenzkontrollen und eine einheitliche Währung gebe, aber jeder Reisende an den Funklöchern merke, wenn er eine europäische Grenze überschreite. Es sei an der Zeit, die aus der Zeit Napoleons stammenden Grenzen im Digitalen zu überwinden. Gleichzeitig seien auch die europäischen Nachbarländer der EU aufgefordert, mitzumachen.

Europa hat die Chance, zum Marktführer zu werden

Europa habe die große Chance, zum weltweiten Marktführer in Sachen Datenschutz und Datensicherheit zu werden.

"Unsere hohen Standards werden zum Gütezeichen werden",

sagte Oettinger.

Auch bei den Verhandlungen mit den USA in Sachen "Safe Harbour" bzw. "Privacy Shield" habe sich gezeigt, dass es besser sei, mit einer Stimme zu sprechen, als mit 28. Hier sei das Ziel, dass auch US-Unternehmen europäische Datenschutzrichtlinien einhalten müssen, wenn sie die Daten europäischer Firmen und Bürger speichern und verarbeiten.

Europa müsse ein Team werden, das sich mit den digitalen Wettbewerbern aus den USA und China messen könne. Er lade deshalb alle Vertreter der digitalen Wirtschaft ein, sich daran zu beteiligen.

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