Security

Wie Ermittler und IT-Spezialisten gemeinsam Kriminalität bekämpfen

Von Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamt

01.02.2017 Holger Münch, Präsident Bundeskriminalamt
Holger-Münch - BKA
Foto: Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamt, Quelle: BKA

Die deutschen Sicherheitsbehörden stehen vor vielfältigen und komplexen Herausforderungen: Internationaler Terrorismus und Organisierte Kriminalität sowie die Auswirkungen von Digitalisierung und technologischen Entwicklungen auf die Arbeit der Sicherheitsbehörden sind nur einige Beispiele.

Das Internet verändert Kriminalität

Das Internet hat die Kommunikation, das Wissensmanagement, die Arbeitswelt und unseren Alltag, aber auch die Begehungsweisen und Erscheinungsformen von Kriminalität verändert.

Soziale Medien werden von Terrororganisationen genutzt, um ihre Propaganda zu verbreiten, um für ihre Ziele und um Unterstützer zu werben oder neue Mitglieder zu rekrutieren. Pädophile treffen sich in digitalen Foren, um Kinderpornografie auszutauschen. Durch "Phishing" werden Bankdaten abgegriffen und Konten leer geräumt. Waffen und Drogen, aber auch Anleitungen für DDoS-Attacken oder den Einsatz von Malware werden im Darknet gehandelt. Insofern muss man heute kein IT-Experte mehr sein, um Cyber-Straftaten zu begehen. Cyberangriffe und Cyberspionage stellen eine ernste Bedrohung für Staat und Wirtschaft dar. Hate Speech und Fake News sind weitere Probleme unserer Zeit.

Informationstechnik in der Polizeiarbeit

Neben den neuen Begehungs- und Erscheinungsformen von Kriminalität prägt die Informationstechnik die tägliche Polizeiarbeit.

In Ermittlungsverfahren müssen zunehmend große Datenmengen ausgewertet werden. Geht es beispielsweise um die Bekämpfung von Kinderpornographie, werden oft riesige Mengen an Bildern und Videos analysiert, Ermittlungen im Terabyte-Bereich sind keine Seltenheit mehr. Gleiches gilt im Falle eines terroristischen Anschlags. Um etwa Video- und Bildmaterial entgegennehmen zu können, hat das BKA eine IT-Struktur, das BKA-Hinweisportal, entwickelt, welches zuletzt nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt eingesetzt wurde.

Darüber hinaus ist eine funktionierende deutsche, aber auch internationale Informationsarchitektur der Polizei unentbehrlicher Baustein bei der Kriminalitätsbekämpfung.

Den lokalen Täter gibt es heute kaum noch. Es ist nicht selten so, dass die Tat in einem Land geplant und in einem anderen ausgeführt wird. So weisen beispielsweise über 80% der Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität internationale Bezüge auf. Im Bereich Terrorismus reisen Europäer in den „Jihad“ nach Syrien oder in den Irak und kehren später unter Umständen verroht oder stark radikalisiert und mit Anschlagsplänen nach Europa zurück.

Um Kriminalität und Terrorismus bekämpfen zu können, müssen Informationen daher schnell und zuverlässig ausgetauscht werden können. Dies geht nur mit funktionierenden Informationssystemen, national wie international.

Auf europäischer Ebene gibt es verschiedene Dateien und Fahndungssysteme, die für die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden unentbehrlich sind. Beispiele sind das Schengener Informationssystem (SIS) oder das Europol Information System (EIS). Das BKA bringt sich in die Weiterentwicklung und Optimierung dieser Systeme aktiv ein.

Herzstück der polizeilichen Informationsarchitektur in Deutschland ist das beim BKA betriebene Informationssystem INPOL. Hier sind beispielsweise Kriminalakten oder Fahndungen zu finden. Zugriff auf das System haben neben dem BKA die Landespolizeidienststellen, die Bundespolizei und die Zollbehörden. Die Anfänge von INPOL liegen in den 70er Jahren. Damals war das System revolutionär. INPOL wurde seitdem immer weiter entwickelt, weist mittlerweile aber Defizite auf. Daher wird es in den nächsten Jahren viele Neuerungen in der polizeilichen Informationsarchitektur geben müssen. Auf die Entwickler werden spannende und anspruchsvolle Aufgaben zukommen.

Der moderne Ermittler

Cyber Security

Um Kriminalität erfolgreich zu bekämpfen, müssen die Sicherheitsbehörden zunehmend neue Wege gehen. Der moderne Ermittler muss flexibel sein und sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen können. Unsere Beamtinnen und Beamten müssen aufgrund der Rahmenbedingungen, in denen Polizeiarbeit heute stattfindet, digitale, internationale und interkulturelle Kompetenzen mitbringen.

Gleichzeitig sind die Beamtinnen und Beamten zunehmend auf das Wissen und die Fähigkeiten von Spezialisten angewiesen. So arbeiten bei der Bekämpfung von Cybercrime Polizeibeamte und IT-Spezialisten Hand in Hand. Die Kombination beider Fachrichtungen führt zu leistungsfähigen Ermittlungs- und Analyseeinheiten, in denen die zur Bekämpfung der Cybercrime erforderliche Fachkompetenz gebündelt wird.

Cybercrime Ermittlungen

In den Cybercrime-Ermittlungsverfahren werden Mittel und Maßnahmen aus der digitalen und analogen Welt kombiniert. So setzen die Polizeibehörden beispielsweise auch im Cyberraum verdeckt ermittelnde Personen ein, um an für die Ermittlungsverfahren wichtige Informationen zu gelangen. Ein weiterer wichtiger Faktor bei Ermittlungen im Bereich Cybercrime ist die enge nationale und internationale Zusammenarbeit, da grenzüberschreitende Bezüge in diesem Bereich eher die Regel als die Ausnahme sind. In solchen Fällen wird häufig in sog. JITs (Joint Investigation Teams) gearbeitet, in denen Vertreter mehrerer betroffener Staaten auf Basis einer für den konkreten Einzelfall geschlossenen Vereinbarung zusammenarbeiten.

Forschung und Entwicklung

IT-Spezialisten im BKA arbeiten ständig an der Entwicklung neuer Möglichkeiten, um Kriminalität zu bekämpfen. Ein wichtiges Thema ist beispielsweise die Überwindung von verschlüsselter Kommunikation, denn Terroristen und Straftäter kommunizieren heute fast ausschließlich über verschlüsselte Kommunikationswege.

Auch die IT-Forensik ist ein bedeutender Erfolgsfaktor bei der effektiven Bekämpfung von Kriminalität. Themen sind hier beispielsweise die Auswertung von Festplatten oder Massendaten. Eine Aufgabe, die ohne IT-Experten im BKA undenkbar wäre.

Sicherheit gestalten

Das Internet und die Informationstechnologie eröffnen unzählige neue Chancen und Möglichkeiten. In vielen Bereichen bereichern und erleichtern sie heute das Leben. Gleichzeitig bringt die Digitalisierung neue Herausforderungen in der Kriminalitätsbekämpfung mit sich. Diese gilt es anzugehen und mit ihnen Schritt zu halten. Hierzu brauchen das BKA und die Polizei junge, engagierte, IT-affine Kolleginnen und Kollegen.

Das BKA bietet interessante, verantwortungsvolle und nicht zuletzt sichere Berufsmöglichkeiten in einer international arbeitenden und innovativen Behörde. Beim Führen von Ermittlungen, der Arbeit an der deutschen und europäischen Informationsarchitektur der Polizei und der Entwicklung neuer technischer Möglichkeiten der Kriminalitätsbekämpfung wird im BKA täglich Sicherheit gestaltet.

Security Big Data & Business IntelligenceCEBIT Global Conferences RSS Feed abonnieren