Big Data & Business Intelligence

Wie Daten unser Leben verändern

Die vernetzte Welt erzeugt unvorstellbare Datenmassen. Sie werden Unternehmen und die Gesellschaft auf den Kopf stellen. Wie arbeiten und leben wir morgen?

20.03.2015
Big Data

Die intelligente Stadt von morgen regelt den Verkehr automatisch, sperrt Straßen oder gibt neue Spuren frei, bevor ein Stau entsteht. Sensoren in den Autos liefern die Daten dazu. Noch ist das ein Zukunftsszenario, aber lange wird die Umsetzung nicht mehr dauern. Schon heute Realität ist intelligente Software, die das Verhalten von Verbrauchern beim Online-Shopping auswertet, Posts bei Facebook und Twitter einbezieht – und dann beim nächsten Filialbesuch ein passendes Angebot aufs Smartphone schickt. Schöne neue Big-Data-Welt?

Inspiration und Technologien gefragter denn je

Für EU-Kommissarin Neelie Kroes ist die Datenflut "der Treibstoff der digitalen Wirtschaft" . Doch die heutigen Datenmengen seien so umfangreich und schwierig zu verarbeiten, dass sie neue Ideen und Infrastrukturen erforderlich machten. Die EU will daher gemeinsam mit Unternehmen und der Forschung die datengesteuerte Wirtschaft vorantreiben. Investitionssumme: 2,5 Milliarden Euro. Allein in der IT sollen so 100.000 neue Jobs entstehen.

Tatsächlich scheint es vor allem an Ideen zu mangeln, das Potenzial der Datenmassen gewinnbringend einzusetzen. Der Global Technology Adoption Index 2013 von Dell ergab: Nur 39 % der mittelständischen Unternehmer weltweit wissen, wie aus Big Data echter Mehrwert entstehen kann. "Schätzungen gehen davon aus, dass lediglich ein halbes Prozent aller zur Verfügung stehenden Daten tatsächlich analysiert wird. Das Problem liegt primär in den Führungsetagen", sagt Thomas H. Davenport.

Und doch: Laut BITKOM wächst der Umsatz mit Big-Data-Lösungen und -Services bis 2016 um jährlich durchschnittlich 46 Prozent. Er soll sich innerhalb von fünf Jahren nahezu verachtfachen. Bei der Auswertung der Datenmengen kommen neuartige Datenbanken, linguistische Analysen oder Visualisierungs-Tools zum Einsatz. Dazu sind schnellere IT-Systeme, leistungsstarke Breitbandnetze und praktisch unbegrenzte Speichermöglichkeiten notwendig.

Echtzeit-Computing in der Cloud

Speicher- und Übertragungsmedium wird dabei die Cloud sein. Denn in verteilten, vernetzten Rechenzentren lassen sich größte Datenmassen in Echtzeit auswerten und auf jedem Endgerät bereitstellen. Erst dann entstehen aus einem chaotischen Wust an Informationen sinnvolle Zusammenhänge, die sich wirtschaftlich nutzen lassen.

Trotz Datenschutzbedenken ist die Cloud im Privaten längst angekommen: Vorreiter wie Facebook und Google haben bereits vor Jahren mit nützlichen Tools und einer attraktiven "User Experience" den Weg geebnet. Auch in der Wirtschaft ist der Siegeszug der Cloud nicht mehr aufzuhalten – selbst im skeptischen Deutschland. "Die NSA-Affäre hat das Wachstum des Cloud-Markts nur geringfügig gebremst", sagt Professor Dieter Kempf (BITKOM-Präsident).

Gemeinsam mit KPMG hat der Branchenverband untersucht, wie Unternehmen die Cloud nutzen . Demnach setzen 40 Prozent der deutschen Firmen webbasierte Lösungen ein, weitere 29 Prozent haben bereits entsprechende Pläne.

Zündstoffthema Sicherheit

Hürde Nummer Eins ist nach wie vor die IT-Sicherheit. Sogar Cloud-Dienstleister Canopy musste in einer Studie eingestehen, dass jeder zweite IT-Entscheider in Deutschland wegen Datenschutzbedenken nicht in die Cloud investieren will. Laut BITKOM würden sich viele Unternehmen sicherer fühlen, wenn die Rechenzentren im eigenen Land stünden – schließlich gelten in der Bundesrepublik besonders strikte Vorschriften zum Schutz personenbezogener Informationen.

Dabei ist die Vorstellung einer "deutschen Cloud" naiv. Wo die Daten auch gespeichert werden – übertragen werden sie bei jedem Abruf weltweit. Experten empfehlen den Unternehmen vielmehr, in neue Technologien und Sicherheitsvorkehrungen zu investieren. Ein einheitlicher europäischer Rechtsraum sei dabei genauso wichtig wie die Aufklärung der Verantwortlichen und Nutzer.

Eine neue Wirtschaft. Eine neue Gesellschaft.

Gemeinsam werden Big Data und Cloud-Technologien die Geschäftswelt auf den Kopf stellen. Teilweise ist das schon geschehen, vor allem in der Industrie. Zwar steckt die Industrie 4.0 noch in den Kinderschuhen, doch Fertiger wie Harley Davidson erlauben bereits heute einen Blick in die Zukunft. Kunden der Kultmotorradmarke können sich ihr Traumbike online aus tausenden Kombinationsmöglichkeiten zusammenstellen – gerade einmal sechs Stunden später läuft es vom Band. Möglich machen das intelligente, vernetzte Maschinen.

Beispiele wie dieses zeigen, dass Konsum schon bald anders funktioniert. Doch das Potenzial ist noch viel größer: "Die Einsatzgebiete von Big Data umfassen mittlerweile fast alle Bereiche, in denen größere Datenmengen verarbeitet werden: von betriebswirtschaftlichen Anwendungen über die wissenschaftliche Forschung bis hin zur Medizin.", sagt Prof. Dieter Kempf (BITKOM-Präsident).

David Cameron unterstreicht das. Der britische Premierminister hat erst kürzlich 300 Millionen Pfund an Forschungsgeldern bewilligt, um 100.000 menschliche Genome zu entschlüsseln – die Baupläne unseres Lebens. Es soll ein Meilenstein im Kampf gegen Krebs und seltene Gendefekte werden.

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