Startups

Was wir von jugendlichen Gründern lernen können

Die Initiative Startup Teens vermittelt Jugendlichen praktisches Gründungswissen. Was können wir von den jungen Pionieren lernen?

07.03.2016 Lea Weitekamp
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Verena Pausder über die Initiative "Startup Teens". (Foto: Fox & Sheep)

"Startup Teens": Mehr Unternehmergeist für deutsche Schulen

Was haben Lea-Sophie Cramer (Amorelie), Jan Beckers (Hitfox), Florian Gschwandtner (Runtastic), Julia Bösch (Outfittery) oder Flo Meissner (EyeEm) gemeinsam? Sie helfen Schülern und Jugendlichen im Rahmen der Initiative Startup Teens , eigene Geschäftsideen zu entwickeln und zu verfolgen. Insgesamt engagieren sich mehr als 120 Unternehmer bei der von Hauke Schwiezer gegründeten Initiative, bieten Online-Trainings an, wirken bei Events mit und stellen Räumlichkeiten oder Geld zur Verfügung.

Kern des Projekts ist eine digitale Plattform, über die Schüler Online-Trainings und Webinare von Unternehmern zu den Themen Ideenentwicklung, Gründung, Finanzierung und mehr abrufen können. Man habe sich bewusst dazu entschieden, nicht selbst mit den Inhalten in den Unterricht zu gehen, sondern Online als zentralen Kanal zu nutzen, erzählt Verena Pausder , die Mit-Initiatorin von Startup Teens: "Nur digital können wir wirklich alle abholen." Wir haben mit ihr über das Projekt und die bisherigen Defizite in der Ausbildung neuer Gründer-Generationen in Deutschland gesprochen.

t3n: Verena, was war eure Motivation, die Initiative "Startup Teens" zu gründen?

Verena Pausder: Wir sind alle Unternehmer und haben festgestellt, dass es insgesamt in Deutschland noch immer ganz schön wenige von uns gibt. Der Eindruck, den man etwa in Berlin zuweilen bekommt, dass Startups und Gründer überall seien, täuscht: Gerade bei den Jüngeren ist das Thema Gründen nicht richtig verwurzelt in Deutschland, es hat nicht denselben Nährboden wie in anderen Ländern.

t3n: Dabei gibt es doch vor allem an Hochschulen zunehmend Angebote, um Gründen als Karriereoption zu etablieren …

Verena: Für Studenten wird einiges getan, ja, aber da hat ja schon eine gewisse Selektion stattgefunden. An den Universitäten erreicht man längst nicht mehr alle. Wenn du davon ausgehst, dass eigentlich in jedem etwas schlummert, musst du viel früher ansetzen. Also haben wir gesagt: "Lasst uns was machen".

t3n: Und ihr habt eine Online-Plattform erstellt, über die Jugendliche sich informieren und Webinare besuchen können. Zusätzlich gibt es eigene Events und Business-Plan-Wettbewerbe. Wie ist die Resonanz?

Verena: Momentan besuchen schon mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler unseren wöchentlichen Livestream und verfolgen die Webinare. Bei den zusätzlichen Events haben wir durchschnittlich auch noch mal 200 Teilnehmer. Klar kann das noch viel größer werden, aber die Entwicklung macht uns auch jetzt schon sehr zufrieden. Wir versuchen, Schüler und Lehrer direkt anzusprechen, gehen aber auch über die Wirtschaftsförderungen, Kultusministerien oder die Industrie- und Handelskammern. Bisher funktioniert das Word-of-Mouth-Prinzip gut - und auch das Feedback der Teilnehmer fällt sehr positiv aus: Wir bekommen viele Mails und Reaktionen über soziale Medien. Morgen kommen wieder zwei Schüler bei mir vorbei. Sie nutzen einen ganzen Tag ihrer Ferien, um sich von mir Feedback zu holen und was auszuprobieren. Ganz schön motiviert!

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Lena Kotlarov (Foto: Lena Kotlarov)

Lena Kotlarov (17) engagiert sich in einer Schülerfirma und nimmt sowohl an den Online-Trainings als auch am Business-Plan-Wettbewerb der "Startup Teens" teil. Sie kann sich gut vorstellen, später einmal selbst zu gründen: "Mir helfen die Online-Trainings, meine eigene Arbeit besser zu verstehen und Know-how zu erwerben, das mir auch später im Berufsleben weiterhilft. Besonders durch die vielen erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmer, die bei 'Startup Teens' als Vorbilder dienen."

t3n: Was lernst du selbst im Umgang mit den Jugendlichen?

Verena: Man lernt zum Beispiel, nicht zu abgehoben zu denken. Wenn du zu lange in der Startup-Branche unterwegs bist, gehst du irgendwie davon aus, dass das alles Allgemeinwissen ist: Alle reden nur noch in irgendwelchen englischen Fachbegriffen und sind in ihrer eigenen Welt. Bei der Initiative merke ich: Sie holt einen runter von dem ganzen Lifestyle und Hype und lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die Frage: "Was ist es denn wirklich?" Das finde ich spannend: Es darauf zu reduzieren, worum es wirklich geht, nämlich eine Idee haben, sie aufschreiben, Leute dafür begeistern, loslegen. Außerdem macht es mich fast ein bisschen stolz zu sehen, was in den 16-, 17-jährigen in Deutschland so steckt. Das ist keine Generation, die sich nur bei Mami und Papi an den Tisch setzt und sagt "ach, die machen schon alles für mich", sondern da ist richtig viel Feuer. Es macht mich happy, dass das hier in Deutschland auch möglich ist, dass wir richtig coole Jugendliche haben und nicht ins Silicon Valley gucken müssen.

t3n: Beobachtest du, dass Teenager anders an Dinge herangehen?

Verena: Gerade mit digitalen Komponenten gehen sie viel selbstverständlicher um. Sie denken gar nicht in "non-digitalen Geschäftsmodellen". Klar können die sich auch eine Dönerbude oder eine Bäckerei vorstellen, kein Problem, aber sobald es irgendwie konkreter wird, spielen neue Kommunikationsmedien und soziale Kanäle automatisch eine Hauptrolle. Aber ohne dass das ihre explizite Digitalstrategie wäre. Das ist einfach ihr Leben! Wir sagen: "Oh, wir müssen mal mehr auf YouTube machen, da geht glaube ich gerade die Post ab". So etwas würden die Jugendlichen nie sagen, die sind einfach da. Die wüssten gar nicht, wie sie NICHT irgendwas auf YouTube machen sollen. Dieses Selbstverständnis kriegt man live mit und merkt, dass das nicht nur in der Presse geschrieben wird sondern wirklich stimmt.

t3n: Sind sie daher auch näher dran? Können sie bessere Lösungen entwickeln?

Verena: Nein, das nicht. Sie sind zwar näher dran am Digitalen, aber sie haben tatsächlich oft relativ wenig Ahnung von Technologie. Bei unseren Events ist es nicht so, als ob da lauter Techies vor uns sitzen würden - sondern eher sehr affine Digitalanwender, die dann aber auch nicht wissen, wie man eine App eigentlich programmiert, wen man dafür braucht und so weiter. Ihr Weg zum Tech-Startup ist nicht unbedingt kürzer als unserer.

Das ist überhaupt ein schwieriger Transfer: Wie können wir dafür sorgen, dass die nächste Generation nicht nur Konsumenten von Digitalem sind, sondern selber gestalten lernen, und zwar auch schon früh? An den Schulen findet das noch nicht statt und auch die Eltern sind überfordert.

t3n: Gilt das neben dem technischen Bereich auch für den Business-Bereich?

Verena: Absolut. Wenn es Wirtschaft als Fach an Schulen gibt, geht es da fast immer um Konzern-Business-Cases, beispielsweise die Deutsche Bahn. Aber es gibt selten Projektwochen in Richtung "Was habt ihr für Ideen? Macht mal einen Plan und entwickelt bis Ende der Woche einen Prototyp." Und da wir insgesamt wenige Unternehmer in Deutschland haben, finden solche gedanklichen Experimente auch in den meisten Elternhäusern, etwa am Abendbrottisch, kaum statt. Das soll "Startup Teens" ändern und ein zusätzliches Forum für unternehmerische Ideen bieten.

t3n: In welcher Hinsicht sollten sich andere Unternehmer – sollten wir "Älteren" uns – ein Beispiel an den Startup-Teens nehmen?

Verena: Indem wir nicht so viele Risiken sehen und über Gefahren reden, sondern eher die Chancen sehen. Schüler denken ziemlich wenig in Kategorien wie "was alles nicht gehen kann", sondern sind noch sehr unvoreingenommen. Ich glaube das täte uns als Erwachsenen, besonders uns deutschen Erwachsenen, auch ganz gut – sich weniger darin zu verlieren, über die negativen Seiten von Entwicklungen oder Unternehmen zu diskutieren. Von dieser Unvoreingenommenheit sollten wir uns dringend eine Scheibe abschneiden.

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