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Was Sie jetzt über Mobile Payment wissen müssen

Mobile Payment soll die Zukunft gehören. Bisher bezahlen in Deutschland jedoch erst wenige Menschen mit dem Smartphone. Laut BITKOM mangelt es an Akzeptanzstellen. Wird sich das mit Apple Pay ändern? Und wo liegt der Vorteil für Unternehmen?

15.03.2015
Mobile Payment

Bargeld? Stirbt bald aus. Beinahe jeder dritte Smartphone-Nutzer in Deutschland – das sind 13 Millionen Menschen – möchte in Zukunft zumindest sein Bus- oder Bahnticket mit dem Handy bezahlen. Das hat eine Umfrage des ITK-Verbands BITKOM ergeben. Immerhin die Hälfte davon kann sich vorstellen, auch ihre Rechnung beim Shopping im Einzelhandel mit dem Smartphone zu begleichen. Die Menschen in Deutschland sind offenbar bereit für Mobile Payment, das aktuell eines der heißesten Technikthemen ist.

Bisher ist von dieser Bereitschaft noch nicht viel zu spüren. Das liegt laut BITKOM daran, dass es in der Praxis an Akzeptanzstellen für Zahlungen mit dem Smartphone mangelt. "Andere Länder wie die USA, Großbritannien oder Japan sind da viel weiter", sagt BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Vielleicht ändert sich das, wenn mit Apple eine der weltweit erfolgreichsten Marken seine Mobile-Payment-Lösung Apple Pay auf den deutschen Markt bringt. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit immer wieder Trends ins Rollen gebracht. Der Verband Deutscher Sparkassen kündigt bereits an, mit Apple Pay zusammenarbeiten zu wollen.

Andere Länder, andere Sitten

Apple Pay ist im vergangenen Herbst erfolgreich in den USA gestartet. Laut der Bank of America nutzen es 800.000 Menschen. Doch gegen einen Erfolg von Apple Pay in Deutschland sprechen ein paar landesspezifische Unterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern – und Hardware-Limitierungen. So lässt sich Apple Pay bislang nur mit dem iPhone 6 nutzen, dem neuesten Modell. Das begrenzt die Anzahl potenzieller Nutzer, denn iPhones sind in Deutschland weniger stark verbreitet als in den USA. Außerdem wird die Bezahlung bei Apple Pay doch über eine Kreditkarte abgewickelt. Auch dieser Punkt spricht gegen einen flächendeckenden Erfolg: Während in den Vereinigten Staaten jeder Erwachsene im Durchschnitt über mehrere Kreditkarten verfügt, sind viele Deutsche diesem Zahlungsmittel gegenüber skeptisch eingestellt. Dass Mobile Payment allerdings nicht an Kreditkarten gekoppelt sein muss, zeigt sich in einigen afrikanischen und asiatischen Ländern. Dort verfügen Millionen von Menschen nicht mal über Bankkonten und transferieren Geld stattdessen über ihre Smartphones.

Vielleicht wäre ein Bezahlsystem erfolgsversprechender, das sich auf Bankkonten stützt - wie zum Beispiel Paypal. Der Online-Bezahldienst hat seine Mobile-Payment-Entwicklung vorangetrieben und den Kauf des Start-ups Paydiant geplant. Paydiant liefert Unternehmen eine White-Label-Lösung, mit der diese die Mobile-Payment-Funktionen mit Programmen zur Kundenbindung und digitalen Kassenbons verbinden können. Die Daten bleiben dabei komplett in der Hand des Händlers. Für Unternehmen wäre das gegenüber Apple Pay ein Mehrwert – dort sollen außer dem Rechnungsbetrag gar keine Daten übermittelt werden.

Vorreiter Starbucks

Dass die Kombination aus Mobile Payment und Bonusprogrammen gut funktionieren kann, zeigt der Kaffeekettenriese Starbucks. Starbucks-Kunden waren bereits 2013 für 90 Prozent der Bezahlungen über Smartphones in den USA verantwortlich. Mittlerweile verzeichnet das Unternehmen sieben Millionen Handy-Transaktionen pro Woche. Der Trick: Starbucks bot seinen Kunden in der Bezahl-App auch das Treueprogramm in digitalisierter Form an: Wer eine bestimmte Anzahl Kaffees trinkt, bekommt einen umsonst. Die Anzahl getrunkener Kaffees wird digital von der Starbucks-App erfasst und nicht mehr auf Papierkarten vermerkt, die leicht verloren gehen.

Paypal hat bisher noch nicht angekündigt, ob oder wann Paydiant auch in Deutschland an den Start gehen könnte. Deshalb sollten sich Händler vielleicht auch in einem anderen Punkt ein Beispiel an Starbucks nehmen und versuchen, eigene Apps mit Fremdlösungen zu kombinieren. Das Unternehmen hat ein Update seiner App veröffentlicht, das sie kompatibel zu Apple Pay macht. Ein Vorgehen, das vielversprechend erscheint.

Bisher konnte sich noch kein Anbieter die Markthoheit erkämpfen. Am Ende könnten sich die Lösungen durchsetzen, die sich möglichst einfach in bereits bestehende Apps integrieren lassen, weil sie Kunden und Händlern größtmögliche Flexibilität garantieren.

Laut BITKOM-Experten Steffen von Blumröder soll das Smartphone langfristig übrigens nicht nur die Zahlfunktion, sondern auch andere Geldbeutelinhalte ersetzen, wie Führerschein und Ausweis. Welche Prognosen er sonst noch zur Zukunft von Mobile Payment hat, können Besucher im Panel "Mobile Payment/Mobile Wallet" auf der CeBIT hören.

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