Artificial Intelligence

Wann ist es da, das Connected Car?

Das Auto mit dem Smartphone steuern – kein Problem. Aber die Vision vom Connected Car ging ursprünglich viel weiter. Fahrzeuge sollten untereinander, mit den Straßen und Städten vernetzt sein. Ist das realistisch? Ein Blick auf die Lage in Europa.

11.02.2016
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Unser Smartphone verbindet sich beim Einsteigen mit dem Entertainment-System des Autos und unsere Lieblingsmusik ertönt. Per Touchscreen neben dem Lenkrad surfen wir im Internet. Initiativen wie die Open Automotive Alliance von Google oder Apples CarPlay treiben die Vernetzung von Autos mit diversen Endgeräten voran. Aber mal ehrlich: War sie das schon, die Vision vom Connected Car? Mitnichten. Bald sollen vielmehr alle Autos untereinander vernetzt sein, mit der Fahrbahn, mit der Stadt. Die Ziele: weniger Unfälle und ein effizienterer, umweltschonender Verkehr. Wie weit sind wir schon?

Phase 1: Pilotprojekt abgeschlossen

Die Europäische Kommission hat sich als Ziel gesetzt , ein EU-weites, intelligentes Transportsystem zu entwickeln. Mit an Bord: Vertreter aus Politik, der Automobilbranche und diversen Zulieferindustrien. Im ersten Projekt DRIVE C2X testeten Forscher und Technologieentwickler drei Jahre lang, welche der ambitionierten Pläne überhaupt schon technisch umsetzbar sind.

Die eigentliche Datenverbindung jedenfalls ist kein Problem. Per Standard-WLAN-Protokoll funken sich die Testwagen ihre Positionsdaten, die aktuelle Geschwindigkeit und Fahrtrichtung gegenseitig zu, warnen sich – gesteuert von intelligenter Software – sofort bei auftretenden Gefahren. So lassen sich beispielsweise Staus von vorneherein vermeiden. Doch der Nutzen miteinander vernetzter Autos ist für sich genommen eher gering. Spannend wird es, wenn sich Fahrzeuge auch mit der Infrastruktur austauschen – etwa mit Straßen und Ampeln. Im Pilotprojekt wurde auch das getestet: Überall in der Umgebung angebrachte Sensoren ermitteln permanent die aktuelle Verkehrslage und senden sie an eine Zentrale. Auch die Informationen, die in den Autos selbst gesammelt werden, landen dort. Im Sinne eines intelligenten Verkehrsleitsystems lassen sich so Autos dynamisch umleiten, wenn etwa Straßen zu verstopfen drohen. Rettungswagen erhalten automatisch priorisierte Routen zugewiesen.

Phase 2: Praxistest bestanden

Unter "Laborbedingungen" funktioniert das vernetzte Verkehrssystem bereits einwandfrei. Aber was zählt, ist der reale Einsatz. Seit 2015 errichten daher die Niederlande, Deutschland und Österreich einen Connected-Car-Korridor quer durch die EU. Auf einer Strecke von Rotterdam über Frankfurt am Main nach Wien werden hier die straßenseitige Verkehrsleittechnik und Verkehrsleitzentralen vernetzt. An dem Projekt beteiligen sich neben den Ländern auch die Vereinigung der Straßenbehörden (CEDR), die Dachverbände der Mautstraßenbetreiber (ASECAP) und der Städte (POLIS) sowie Automobilhersteller und deren verbundene Industrien ( Car2Car-Communication Consortium ). Der Vorteil dieser "großen Runde": Die Errichtung des Korridors ist mit den Automobilproduzenten und Herstellern von Telemetriesystemen abgestimmt. Zum Start des Modellprojekts sollten auch Fahrzeuge auf dem Markt sein, die sich ihrerseits mit der "Connected Environment" verbinden können. Andere ließen sich einfach nachrüsten: Wie schon bei DRIVE C2X erfolgt die Datenübertragung über den etablierten WLAN-Standard 802.11p sowie über das Mobilfunknetz.

Zunächst stehen zwei Anwendungen im Vordergrund: Verkehrszentralen und fahrbare Absperrtafeln übertragen Baustellenwarnungen in Echtzeit in die Informationssysteme der verbundenen Fahrzeuge. Und die Autos selbst senden Daten zur aktuellen Verkehrslage an die Zentrale – wo sie zu einem Gesamtbild zusammengesetzt und wieder verteilt werden. Ziel ist ein sicherer und flüssigerer Verkehr.

Phase 3: Großeinsatz ungewiss?

Aus den Modellprojekten soll natürlich in den nächsten Jahren ein flächendeckender Einsatz werden. Ist erst einmal alles vernetzt, so die Theorie, fahren wir unsere Autos nicht mehr selbst. Sie werden vom zentralen Verkehrssystem gesteuert – sicherer, schneller, effektiver denn je. Dabei entstehen in jedem Fall enorme Datenmengen, die in kürzester Zeit verarbeitet werden müssen. Software muss dazu intelligenter werden und Informationen vorsortieren. Ein Weg dahin ist das sogenannte Fog Computing, bei dem Daten bereits am Ort der Erfassung analysiert werden . Das entlastet die Rechenzentren.

Bis es soweit ist mit dem vernetzten Fahren, sind noch viele Verhandlungen und Weiterentwicklungen notwendig. Das zeigte die jährliche Konferenz der EUCAR (European Council for Automotive R&D) im November 2015. Unter dem Motto "Connected to the Future" tagten rund 300 Vertreter der Automobilindustrie, der Europäischen Union und aus Forschung und Entwicklung. Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, appellierte an eine intensivere, "sektorübergreifende Zusammenarbeit" . Sie sei die Grundvoraussetzung für weltweite digitale Verkehrsstandards.

Wie eine solche Zusammenarbeit aussehen kann, sehen Besucher auf der CeBIT 2016. Entwickler der Connected-Car-Software für den Verkehr von morgen stellen hier ihre Lösungen vor. Auch Automobilhersteller wie Opel zeigen, woran sie derzeit arbeiten. Was Apps im Auto schon heute leisten können, erklärt Tech-Blogger Sascha Pallenberg bei den CeBIT Global Conferences . Und im Ausstellungsbereich Research & Innovation in Halle 6 sind Prototypen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Industrie zu sehen. Auch wenn wir also noch einige Jahre auf das autarke Verkehrssystem warten müssen: Die Technologien dafür entstehen jetzt.

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