Digitale Transformation

Vom Trendthema zum Umsatzbringer

Gut die Hälfte der deutschen Mittelständler ignoriert die digitale Transformation. In China hingegen soll sie bis 2025 für ein Wirtschaftswachstum von bis zu 22 Prozent sorgen. Was macht Asien anders?

21.01.2015
Umsatzbringer

Jeder spricht von der digitalen Transformation – aber was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff? Das scheinen sich viele Geschäftsführer weltweit zu fragen, wie eine Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG) im Auftrag des Manager Magazins zeigt. Deutschland hätte demzufolge bei der Digitalisierung der Wirtschaft in fast allen Branchen noch Nachholbedarf.

Besonders betroffen sind Banken und Versicherungen, das Gesundheitswesen sowie die Telekommunikations-, Informations- und Medienindustrie. Mit der Pflege der Onlinekundenbeziehungen, der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und der Automatisierung der internen Prozesse ist es hier noch nicht weit her. Giganten wie Amazon und Google scheinen in dieser Hinsicht sowieso unerreichbar. Muss das so sein?

Was kann die Digitalisierung leisten?

Im Mittelstand sieht es jedenfalls nicht viel besser aus: Laut einer Umfrage von GfK Enigma ignoriert fast die Hälfte der befragten mittelständischen Unternehmen das Thema einfach. Dabei erkennen die meisten (77 Prozent) durchaus, dass sich mit innovativen Technologien die wirtschaftlichen Abläufe deutlich beschleunigen lassen. Auch völlig neue Prozesse sind möglich – die Kunden über Kanäle erreichen, die bislang undenkbar waren. Doch diese Chancen werden augenscheinlich noch nicht erkannt. "Es überwiegen die Ängste", sagt Stefan Zeidler , Mitglied des Vorstands der DZ-Bank, der Auftraggeber der GfK-Studie.

Dabei würde es sich auch finanziell durchaus lohnen, in neue Technologien zu investieren. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) kommt bei seiner Studie "Industrie 4.0 – Volkswirtschaftliches Potenzial für Deutschland" zu einem vielversprechenden Ergebnis: Ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 78 Milliarden Euro erwarten die Forscher allein in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik, Automobilbau, chemische Industrie, Landwirtschaft und Informations- und Kommunikationstechnologie. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 1,7 Prozent – erzielt durch Technologien für die Industrie 4.0.

Vor allem Mittelständler profitieren

Eine weitere BCG-Studie kommt zu dem Schluss, dass Mittelständler weltweit von der Digitalisierung profitieren. Die "Leaders" innerhalb der untersuchten Gruppen, also Unternehmen, die bereits die Digitalisierung vollzogen haben, wachsen überdurchschnittlich im Vergleich mit dem jeweiligen Bruttoinlandsprodukt. Besonders spürbar ist das in den aufstrebenden Märkten China, Brasilien und Indien.

Dabei steht die Digitalisierung gerade in China noch ganz am Anfang. Während beispielsweise in den USA knapp 90 Prozent der Bevölkerung Zugriff auf das Internet haben, sind es in China nicht einmal 50 Prozent. Gleichzeitig sind laut einer Studie von McKinsey nur 20 bis 25 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen online – in den USA sind es zwischen 72 und 85 Prozent. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine stärkere Digitalisierung das Wirtschaftswachstum in China bis zum Jahr 2025 um bis zu 22 Prozent anheben könnte.

Für Deutschland kommt BCG zu einem ebenso spannenden Ergebnis: Würden 30 Prozent der "Technologiemitläufer" und nur 15 Prozent der "Nachzügler" auf neue IT-Technologien umsteigen, wäre das ein ungeheurer Gewinn für die deutsche Wirtschaft: Bis zu 670.000 neue Jobs könnten so geschaffen werden. Das Bruttosozialprodukt könnte um bis zu 110 Milliarden Euro wachsen.

Jetzt ist die Politik gefragt. Gefordert sind neben Anstrengungen der Industrie auch eine übergreifende Strategie in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Forschung, Entwicklung und Infrastruktur. Denn bei allem guten Willen zur Digitalisierung und zur Industrie 4.0: Ohne flächendeckende Versorgung mit schnellen Internetverbindungen bleibt die digitale Revolution buchstäblich in der Leitung stecken.

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