Cloud

VMware zeigt neue Cross-Cloud-Architektur

VMware wird mit seiner Cross-Cloud-Architektur zum Public-Cloud-Integrator. Die Lösungen sollen sich nahtlos in die Cloud-Services von AWS, IBM, Microsoft, Google und Co. integrieren lassen.

09.11.2016 Michael Kurzidim
Cross-Cloud-01
VMwares neue Cross-Cloud soll Unternehmen ermöglichen, die Cloud-Lösungen verschiedener Anbieter zu nutzen. (Foto: possohh / Shutterstock.com)

VMworld 2016

VMware gibt seinen Kunden die Freiheit der Wahl. In virtuelle Maschinen verpackte Biz-Applikationen sollen künftig in jeder Cloud und auf jedem Device laufen, das sich der Kunde wünscht. Es muss endlich Schluss sein mit den Cloud-Silos. Denn das typische Anwenderunternehmen, so zeigt eine Studie der britischen Wirtschaftszeitschrift Economist, hat es mit 8 Cloud-Services und 175 SaaS-Apps zu tun. "Unsere Kunden wollen von uns Werkzeuge, mit denen sie diesen ausufernden Cloud-Dschungel in den Griff kriegen" meint VMware-Chef Patrick Gelsinger.

VMware hievt seinen kompletten Virtualisierungs-Stack in die AWS Cloud. Der bindende Klebstoff zwischen der eigenen privaten und der Public-AWS-Cloud sind die "Cloud Foundations", eine Art hyperkonvergentes Infrastruktur-Managementsystem, das Computing (vSphere), Storage (Virtual SAN) und Netzwerk (NSX) zu einer Einheit verbindet.

SW-definiertes Rechenzentrum auf AWS

Der Kunde geht sozusagen auf Shopping-Tour, wählt Prozessoren/CPUs/Cores, Festplattenspeicher, Flash/SSDs, Betriebssystem und Netzwerk-Switches aus, in der Anzahl und in der Leistungsklasse, die er gerade benötigt. Und bekommt transparent die Kostenrechnung für die gewählte Leistung präsentiert.

Dadurch basteln sich Kunden ihr eigenes Software-definiertes Rechenzentrum (SDDC) zusammen. SDDC, auch so ein Terminus, den VMware entscheidend mitgeprägt hat. Die neue "VMware Cloud on AWS" soll es in drei Konfektionsgrößen geben:

  • Small: 4 Hosts, 294 GHz CPU, 976 GByte Memory, 25 TByte Speicher
  • Medium: 32 Hosts, 2352 GHz CPU, 7 TByte Memory, 200 TByte Speicher
  • Large: 64 Hosts, 4704 Ghz CPU, 15 TByte Memory, 400 TByte Speicher

Das eigene Rechenzentrum läuft auf einer dedizierten AWS-Infrastruktur. Bezahlt werden kann entweder auf stündlicher Verrechnungsbasis, oder per Festvertrag mit einer fixen Laufzeit von 1 oder 3 Jahren.

Zusammenarbeit zwischen VMware und Microsoft / Google

VMware sieht sich und seinen neuen Premium-Cloud-Partner AWS in einer Win-Win-Situation. Aber auch die Kunden sollen massiv profitieren. AWS ist Marktführer im Cloud-Infrastrukturgeschäft und unterhält weltweit 38 Rechenzentren, auf denen ab Mitte 2017 - so lange wird es noch dauern - die VMware Cloud on AWS laufen wird.

Kunden wiederum können die mittlerweile etwa 70 Biz-Applikationen von AWS in ihre VMware-Cloud integrieren.

VMware liebt AWS

Die Schwergewichte Microsoft und Google dagegen spielen in VMwares Cross-Cloud-Architektur eine weit kleinere Rolle. Der Virtualisierungsstack des Marktführers wird weder in der Microsoft Azure-Cloud noch auf der Google Cloud Plattform laufen, sagte VMware-Chef Gelsinger etwas verklausuliert, aber dennoch unmissverständlich. Stattdessen will man sich auf hybrides Networking und Management beschränken. VMware liebt AWS, aber wohl nicht Microsoft und Google.

Trotzdem kommt VMware am Software-Schwergewicht Microsoft nicht vorbei, und reicht ihm dann und wann die Hand. Die neue Cross-Cloud-Architektur besteht aus den Kernkomponenten vSphere, dem virtuellen Speichernetzwerk VSAN und der Netzwerk-Virtualisierungslösung NSX. Im neuen VSAN-Release 6.5 hat VMware einen iSCSI-Kommunikationsprotokollanschluss für externe physikalische Workloads eingebaut, von dem auch Microsofts SQL Server profitiert.

Außerdem unterstützt das neue VSAN Release 6.5 512-Byte-Hard-Disks, Solid State Disks (SSD) und Container. Passend dazu offeriert der Anbieter das Container-Managementsystem Kubernetes as a Service.

VMware und der Dell/EMC-Merger

Die wichtigste Neuerung von vSphere 6.5, ebenfalls eine Komponente der "VMware Cloud on AWS", ist wohl die Verschlüsselung Virtueller Maschinen, was in der Public Cloud zusätzliche Sicherheit gibt. Auch VMs, die mit der Software vMotion auf einen anderen Host oder in eine andere Cloud migriert werden, bleiben auf dem Transportweg verschlüsselt.

Über den Dell-EMC-Merger wurde auf der VMworld kein einziges Wort verloren. Das Gegenteil läge eigentlich nahe, denn schließlich ist die Software-Perle VMware jetzt Teil des Mega-Infrastruktur-Anbieters Dell Technologies mit Servern, Speicher, Netzwerktechnik und Laptops.

Dell-Fusion, war da was?

Aber anscheinend schwebt VMware wie ein Heißluftballon über den Wiesen, auf denen die Hardware-Kühe von Dell und EMC grasen. "Wir haben von der Fusion bislang noch überhaupt gar nicht gespürt", sagte Marcel Panholzer, Senior Manager Systems Engineering bei VMware Schweiz, zu com! professional. Michael Dell hatte versprochen, die Software-Firma, die bereits in der EMC-Gruppe einen Sonderstatus hatte, weitgehend autonom weiterlaufen zu lassen.

Anscheinend hält sich Dell an sein Versprechen. Aber organisatorische Veränderungen, Umstrukturierungen und Entlassungen innerhalb von Dell Technologies sollen auch erst im Februar kommenden Jahres angegangen werden.