Augmented & Virtual Reality

Virtuelle Vielfalt: Das sind die Business Use-Cases für VR

Wer die CeBIT-Halle 17 betritt, sieht sich unzähligen VR-Brillen, 3-D-Innovationen und Konzeptstudien gegenüber. Doch wie sehen konkrete Use Cases für VR in der Wirtschaft aus? Vordenker Ivan Mathy gab Einblicke bei der HACKVENTION.

22.03.2017
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Als Virtual Reality noch als Hype abgetan wurde, hat Ivan Mathy bereits Unternehmen bei der Gestaltung virtueller Welten beraten. Der Interactive Designer und Entwickler hat sich der Weiterentwicklung der VR-Technologie verschrieben – vor allem für den professionellen Einsatz. Für ihn scheint es drei Arten von Unternehmen zu geben: diejenigen, die VR weiterhin als Quatsch ansehen. Diejenigen, die alles virtualisieren, was sie in die Finger bekommen können. Und diejenigen, die es richtig machen.

"Fragen Sie sich als allererstes: Braucht mein Use Case überhaupt VR", sagt er auf der HACKATHON-Bühne in Halle 17. Häufig werde VR über bestehende Projekte "gestülpt", weil die Technologie gerade hip sei. Dann macht sie Mitarbeiter aber nicht produktiver, sondern ist tatsächlich nur eine Spielerei. Doch es entstehen auch immer mehr Anwendungsfälle, in denen die Interaktion im 3-D-Raum entscheidende Vorteile bringt.

Industrie: Kosten senken, Sicherheit erhöhen

Gerade in der Industrie stehen beispielsweise immer wieder Experimente an, die für den Menschen gefährlich sein können. Und für solche spezifischen Einzelsituationen erst einen Roboter zu programmieren, lohnt sich nicht. Per VR lassen sich die Experimente in den virtuellen Raum verlagern – ein falscher Handgriff schadet dann niemandem. Beim Training wiederum kann VR bares Geld sparen: Wenn Mitarbeiter etwa nicht an der Spezialmaschine geschult werden muss, sondern von überall aus loslegen können.

Daten verarbeiten und persönlicher kommunizieren

Big Data ist längst in jeder Branche angekommen. Doch je mehr Daten entstehen, desto schwieriger wird es, sie auszuwerten. VR kann genau das erleichtern, meint Mathy. "Wenn Sie Informationen nicht nur anhand eines zweidimensionalen Zeitstrahls sehen, sondern im 3-D-Raum direkt manipulieren können, werden beispielsweise Muster viel verständlicher." Selbst die Zusammenarbeit scheint das eigentlich "abschottende" System VR zu verbessern. "Man glaubt es nicht, bevor man es nicht selbst ausprobiert: Eine VR-Konferenz ist einer Videokonferenz weit überlegen. Die Möglichkeit, auf Dinge zu zeigen, Körpersprache zu erkennen – das verändert alles", so Mathy.

Verkaufserlebnisse schaffen

Werbung und Vertrieb dürfte VR ohnehin einen lange erhofften Aufschwung verleihen, sind Kunden heute doch so informiert und überzeugungsresistent wie nie. Die virtuellen Welten setzen dem neue Erlebnisse entgegen, die Spaß machen, einzigartig sind und Menschen so zu begeisterten Käufern machen sollen. Selbst noch gar nicht gebaute Immobilien lassen sich beispielsweise direkt begehen, statt nur anhand des Grundrisses begutachtet zu werden. Änderungswünsche kann der Verkäufer sofort umsetzen: Die Farbe des neuen Autos passt nicht? Ein Wisch und aus Rot wird Grün. Szenarien wie diese eröffnen kreative Spielräume für Werber und personalisieren den Vertrieb.

Zahlreiche Chancen für die Medizin

In praktisch jedem medizinischen Bereich setzt sich VR nach und nach durch. In der Forschung werden Proteine anhand ihres 3-D-Modells gefaltet. Zur Diagnostik lässt sich per volumetrischem Playback etwa die Entstehung eines Tumors im Zeitverlauf visualisieren. Selbst die Behandlung kann VR unterstützen – beispielsweise die von spezifischen Phobien. Per virtueller Konfrontation – etwa mit der gefürchteten Spinne – werden teilweise bereits höhere Erfolgsraten erzielt als bei der klassischen Methode. Phantomschmerzen fehlender Gliedmaßen lassen sich ebenfalls erfolgreich behandeln: Die VR-Brille gaukelt dem Hirn vor, der Arm oder das Bein seien noch vorhanden und es kann die Schmerzimpuls aussendenden Nerven neu verdrahten.

Viele Möglichkeiten noch unerschlossen

Die Unterhaltungsbranche, Kunst, das Militär: In nahezu jedem Sektor von Wirtschaft und Gesellschaft hat VR das Potenzial, neue Erlebnisse zu schaffen. Wegbereiter Ivan Mathy sieht den Fokus auf Use Cases, bei denen Daten bearbeitet oder Dinge erlernt werden müssen. Aber eines sollte jedem klar sein, sagt er: "Kaum jemand hat schon intensive Erfahrungen mit VR." Darauf müssen die Systeme und Changeprozesse ausgelegt sein.

Mehr über Virtual Reality und ihr Geschäftspotenzial erfahren CeBIT-Besucher bei der HACKVENTION in Halle 17. Sie führt die Hacker-Community mit professionellen Anwendern immersiver Technologien in multidisziplinären Teams zusammen.

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