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Vier Frauen - vier Karrieren: Martina Koederitz

Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung der IBM Deutschland im Interview

05.02.2016
CeBIT, Interview, Martina Koederitz

Martina Koederitz ist seit Mai 2011 Vorsitzende der Geschäftsführung der IBM Deutschland. Seit April 2013 verantwortet sie als General Manager Deutschland, Österreich, Schweiz außerdem das Geschäft der IBM für die DACH-Region. Zuvor verantwortete sie als Mitglied der Geschäftsführung den Vertrieb der IBM Deutschland. Vor diesem Wechsel leitete sie das Geschäft der IBM für den Mittelstand, das sowohl die Hardware- als auch die Software- und Servicelösungen sowie die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern umfasst. Zuvor bekleidete sie die Position des Vice President für den IBM Geschäftsbereich Systems and Technology Group in Deutschland.

Sie ist als Präsidiumsmitglied im Branchenverband BITKOM, sowie im Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) tätig und zudem in zahlreichen Verbänden aktiv, unter anderem im Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, VDMA, und der Stiftung Rechnen. Im September 2015 wurde sie mit dem Mestemacher Preis als Managerin des Jahres ausgezeichnet.

Experten sprechen viel von der Gläsernen Decke bei der Karriere von Frauen. Wie haben Sie das erlebt?

Diese Betrachtung geht stark in die Richtung einer Self-fulfilling Prophecy: Wenn ich bei der Besteigung des Mount Everest ständig daran denke, dass die Luft dünner wird, komme ich vielleicht niemals am Ziel an. Und egal ob Frau oder Mann, jeder sollte sich etwas zutrauen und auch keine Angst davor haben, dass immer irgendwo eine "gläserne Decke" lauert. Ich beobachte immer wieder, dass Frauen alles perfekt machen wollen und sich daher mit bestimmten Vorhaben und Projekten erst gar nicht auf den Weg machen. Wenn Neugierde und persönliche Ambitionen vor der Perfektion stehen, dann zerbricht auch die gläserne Decke ganz von alleine!

Gibt es aus Ihrer Sicht Tipps, die junge Frauen beherzigen sollten, wenn sie Karriere in der Digitalwirtschaft machen wollen – und wenn ja welche?

Alles wird - oder ist bereits - digital. Daraus enstehen für alle Bereiche – sei es Mobilität, Energie oder auch Gesundheit – neue Fragestellungen, die sich darum drehen, was wir heute und morgen Gutes für unsere Welt tun können. Die Chancen und Freiräume sind gewaltig für die, die sie sich nehmen! Mein Ratschlag daher an junge Frauen: seid mutig und selbstbewusst und sucht neue Richtungen und Wege für euer Business in der digitalen Welt von morgen.

In Karrierewegen gibt es oftmals den glücklichen Moment, mit dem alles begann – wie sah dieser Moment bei Ihnen aus?

Der Erfolg mit dem Kunden motiviert mich - Neues zu erforschen und zu entwickeln, die eigenen Grenzen immer wieder zu hinterfragen. Zusätzlich bestärkt mich, dass ich Teams mit auf diese Reise nehmen kann.

Wie kann es Unternehmen aus Ihrer Sicht gelingen, mehr Diversity in die eigene Organisation zu bringen?

Mehr Diversity setzt voraus, dass das Thema selbst an Bedeutung verliert. Dies ist kein Widerspruch: Denn schaffe ich eine offene Unternehmenskultur und wird Diversity in Teams gelebt, ohne dass dies jemand vorschreibt, dann bin ich am Ziel. Die vergangenen Jahre haben ja gezeigt, dass globale Märkte am erfolgreichsten mit einem gemischten Team entwickelt werden. Das gibt der Kreativität mehr Raum, denn aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden neue Denk- und Lösungsansätze gefunden. Allein aus demografischen Gründen sind deutsche Unternehmen gezwungen, auf weibliche Führungskompetenz zu setzen. Dabei sind neben einer offenen Unternehmenskultur mit flexiblen Arbeitsmodellen auch gezielte Fördermaßnahmen angesagt.

Bereiten Schule und Universität ausreichend auf eine Karriere in der Digitalwirtschaft vor?

Sehen wir Frauen in der Startup-Szene? Definitiv nur äußerst selten! Das zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist, denn 50 Prozent der Studierenden sind weiblich – und schlagen doch eine andere Karriere ein! Das liegt auch daran, dass wir in Erziehung, Ausbildung und Beruf immer noch geschlechterspezifisch denken. Und: Das Internet ist seit 20 Jahre in unserem Leben - aber es fehlt immer noch der gesamtheitliche Schul- und Lehrplan für eine digitale Gesellschaft.

Lesen Sie hier die weiteren Interviews der Serie "Vier Frauen - vier Karrieren".

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