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Unternehmensgründung: In 8 Schritten von der Idee zum Startup

Was muss man beachten, wenn man ein Startup gründen will – von der Idee bis zum eigenen Unternehmen.

22.04.2015 Lea Weitekamp

Startup gründen: Ein Schritt, der vorbereitet sein will

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Von der Idee zum Startup: Existenzgründung Schritt für Schritt. (Grafik: mustafahacalaki – istockphoto)

Sie wollen ein Startup gründen? Dann sollten Sie sich natürlich schlau machen und sich auf diesen Schritt der beruflichen Entwicklung umfangreich vorbereiten. Unabhängig von den Tipps, die Sie in diesem Beitrag finden und die eine erste Orientierung bieten, sollten Sie unbedingt auch die persönliche Beratung durch Experten in Betracht ziehen. So bieten etwa die örtlichen Industrie- und Handelskammern, Wirtschaftsförderungen oder auch die Bundesagentur für Arbeit, daneben auch Steuer- oder Existenzgründungsberater Termine für angehende Unternehmer an. Ist die Beratungsleistung kostenpflichtig, gibt es in vielen Bundesländern die Möglichkeit, sie ganz oder in Teilen erstattet zu bekommen .

Markus Sekulla , der sich vor einiger Zeit als Unternehmensberater für Digitale Kommunikation selbstständig gemacht hat, schwört daneben auch auf den Wert von Mentoren: "Am besten man fragt jemanden, den man in der eigenen Branche als erfolgreich betrachtet, ob er oder sie sich vorstellen kann für eine Weile jeden Monat oder alle sechs Wochen für einen gemeinsamen Kaffee zur Verfügung zu stehen. Dabei können dann Fragen zur Selbstständigkeit gestellt oder auch Tipps für fähige Projektpartner eingesammelt werden."

Existenzgründung für Dummies – Von der Idee zum Startup

Mit den folgenden Punkten müssen Sie sich im Rahmen der Existenzgründung auf jeden Fall auseinandersetzen. Nicht immer werden die einzelnen Schritte auch tatsächlich so, also in chronologischer Reihenfolge, ablaufen. Vielleicht steht das Gründerteam schon vor der genauen Geschäftsidee fest, vielleicht ist der Name eher in Stein gemeißelt als der Business-Plan.

1. Die Idee

Unternehmensgründung
Existenzgründung: Ohne Idee kein Startup.

Am Anfang steht die Idee. Zumindest in aller Regel. Manchmal ist auch der Entschluss, etwas Eigenes machen zu wollen, ausschlaggebend und erst danach wird überlegt, womit genau das klappen kann. So zum Beispiel bei Jörn Sieveneck , der momentan als Freelancer arbeitet und demnächst eine eigene Digitalagentur gründen will: "Bei mir kam der Wunsch über die Jahre hinweg schleichend auf. Vor der Selbstständigkeit habe ich in neun verschiedenen Agenturen gearbeitet und je älter ich wurde und je mehr Erfahrung ich bekam, desto mehr wurde mir klar, dass es an der Zeit ist, Kunden anders zu betreuen und zu beraten als es bisher in vielen Agenturen gemacht wird."

Wenn Sie bereits über eine konkrete Idee nachdenken, sollten Sie sich fragen: Lässt sie sich in ein marktfähiges Produkt oder einen klar umrissenen, nützlichen Service überführen? Wer noch Inspiration in Sachen Geschäftsidee sucht, sollte sich genau über Trends und ungelöste Probleme auf Unternehmens- und Kundenseite informieren. Oft geben eigene Erfahrungen aus der Zeit als Angestellte wichtige Impulse. Wer lieber von einer bereits bestehenden Idee profitieren möchte, kann auch über ein Franchise oder eine Unternehmensnachfolge nachdenken. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie empfiehlt zudem, die brachliegenden Patente beim deutschen Patent- und Markenamt zu durchforsten. Das US-Magazin Entrepreneur hat vor einigen Monaten 55 Startup-Ideen, die grundsätzlich jedem offen stehen , zusammengetragen.

2. Gründer und Mitgründer

Für Lea-Sophie Cramer, Mitgründerin von Amorelie , ist besonders wichtig:

"Gründet auf jeden Fall etwas, für das ihr brennt und bei dem ihr lange mit großem Optimismus und Spaß weiterentwickeln wollt."

Damit ist ein weiterer, enorm wichtiger Punkt für den Erfolg Ihres künftigen Startups berührt: Passt die Idee zu Ihnen? Können Sie sie als Gründerin oder Gründer glaubwürdig nach außen vertreten und auch über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder dafür werben?

Ob Sie die notwendigen persönlichen und fachlichen Voraussetzungen für eine Existenzgründung mitbringen, und ob es der richtige Karriereschritt für Sie ist, können Sie etwa mithilfe der Tests auf dem Existenzgründerportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) herausfinden. Dort gibt es erste Anhaltspunkte.

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Finde die richtigen Mitgründer – was zeichnet euer Team aus? (Im Bild: Das Team von Startup Yeppt, Foto: Axel Springer Plug & Play)

Auch Gründen im Team bringt Vorteile. Hier können sich fachliche Defizite ausgleichen und man kann Arbeit und Belastung auf mehreren Schultern verteilen. Doch in der Gruppe gibt es immer auch Konfliktpotenzial. Daher sollten Sie die Mitgründer hinreichend gut kennen und Verantwortlichkeiten, Befugnisse und Rollen im Vorhinein genau festlegen. Am besten lässt sich auch zu Beginn die Frage klären, was passiert, wenn es Auseinandersetzungen gibt. Gerade diese Konflikte sollten von vorn herein mit geregelt sein. Hilfreiche Fragen rund um die Gründung im Team findet gibt es im Netz bei gruenderland.de.

Auch für Sina Gritzuhn, die zusammen mit zwei Geschäftspartnern das Unternehmen Hamburg Startups gegründet hat, ist es "enorm wichtig, dass man sich absolut einig über die Zielsetzung ist und die (emotionalen) Erwartungen klar sind. Uns war bewusst, dass wir nicht alle unseren Lebensunterhalt damit verdienen müssen. Sobald es im Team unterschiedliche oder gar gegensätzliche Vorstellungen gibt, ist das gesamte Unternehmen durch interne Diskussionen stark gefährdet."

3. Der Business-Plan

Nun geht es an die saubere Ausarbeitung der eigenen Geschäftsidee. "Der Business-Plan ist eine eigene Orientierungshilfe und auch Investoren entscheiden anhand des Plans, ob sie investieren möchten", erklärt Lea-Sophie Cramer von Amorelie. Wie sieht das Geschäftsmodell aus, was genau sind die Zielgruppen? Wie ist es um den Wettbewerb bestellt, wie und aufgrund welcher Alleinstellungsmerkmale werden Sie sich am Markt durchsetzen können? Neben einer Beschreibung des Vorhabens, des Teams samt seinen Qualifikationen und der Wettbewerbsanalyse finden sich in der Regel auch Ausführungen zur Finanzplanung, zum Marketing und zu möglichen Risiken (SWOT-Analyse) in einem Business-Plan.

Für den Business-Plan gibt es zahlreiche Erstellungshilfen und Checklisten im Netz (z.B. hier oder hier ). Besonders im Falle des Business-Plans gilt: Ein Termin bei einer lokalen Beratungsstelle oder mit jemandem aus dem Bekanntenkreis, der mit dem Thema Existenzgründung vertraut ist, ist Gold wert und sollte von Ihnen unbedingt in Erwägung gezogen werden. In jedem Fall sollten Sie die Ausführungen von Dritten gegenlesen lassen, die sie unvoreingenommen und objektiv prüfen können. Ehrlichkeit und offene Kritikfähigkeit bringen da auf jeden Fall weiter.

4. Finanzierung

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Sie wollen ein Startup gründen? Ein tragfähiger Finanzierungsplan ist eine notwendige Voraussetzung.

Das Thema Finanzierung ist zwar ebenfalls Bestandteil des Business-Plans, ist aber für die meisten Gründer von so zentraler Bedeutung, dass wir es hier separat noch einmal aufgreifen. Gerade in der Anfangsphase wird es Ausgaben geben, denen noch keine Einnahmen gegenüberstehen – das ist in Ordnung, so lange es eingeplant ist und Sie Möglichkeiten zur Überbrückung organisiert hast. Viele Gründer entscheiden sich beispielsweise – oftmals in Absprache mit dem Arbeitgeber – für das Gründen im Nebenjob, um zunächst weiter ein fest eingeplantes Angestelltengehalt zu beziehen. Eigene Rücklagen oder ein Darlehen aus dem persönlichen Umfeld sind Alternativen, ebenso wie öffentliche Kredite oder Zuschüsse – über die etwa die Förderdatenbank des BMWi Auskunft gibt. Wer vor der Gründung Arbeitslosengeld bezogen hat, kann einen Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit beantragen.

Für viele Startups kommen darüber hinaus privatwirtschaftliche Förderprogramme wie Inkubatoren oder Accelerator in Frage, oder man holt sich einen Risikokapitalgeber an Bord. Daneben könnte Crowdfunding oder Crowdinvesting in Frage kommen, insbesondere dann, wenn Sie ein greifbares Produkt entwickelt haben. Grundlage für deine Überzeugungsarbeit bei potenziellen Geldgebern ist der Business-Plan – oder eine abgespeckte Variante davon, oftmals als Pitchdeck bezeichnet. Einen Überblick über Finanzierungsmöglichkeiten für Gründer bietet dieser aktuelle Artikel bei XING Spielraum .

5. Die richtige Unternehmensform

Den finalen Schritt zum eigenen Startup beschreibt Sina Gritzuhn von Hamburg Startups so: "Nach drei Monaten "inoffiziellem" Arbeiten, sprich: dem ersten Aufbau der Plattform und einigen Events, sind wir mit einem Gesellschaftervertrag zum Notar gegangen, um gemeinsam als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG) zu gründen. Die UG verhält sich dabei wie eine Vorstufe der bekannten Kapitalgesellschaft GmbH – eine GmbH light, quasi. Das Stammkapital geht anders als bei der großen Schwester schon ab einem Euro los, wodurch sich weitere Gebühren reduzieren. Dennoch ist es ebenfalls eine voll funktionstüchtige Gesellschaft mit beschränkter Haftung."

Neben der Unternehmergesellschaft gibt es noch weitere Rechtsformen, die für Startup-Gründer interessant sind, etwa die "normale" GmbH, für deren Gründung 25.000 Euro Stammkapital benötigt werden, oder auch die relativ neue Unternehmensform " Societas Europaea " (SE), eine Art europäische Aktiengesellschaft, die Vorzüge in Sachen europaweiter Mobilität liefert. Einige Rechtsformen, etwa die GmbH, gehen mit einer Eintragungspflicht ins Handelsregister einher – in der Regel übernimmt das der zuständige Notar.

Generell gilt: Die Unternehmensform prägt dein Startup auch nach der Gründungsphase und sollte daher genau bedacht werden. Ein späterer Wechsel kann mit zeitlichem und finanziellem Aufwand zu Buche schlagen. Auch hier ist es also sinnvoll, sich von einem Spezialisten beraten zu lassen. Einen ersten Überblick liefern dieser Artikel bei deutsche-startups.de und diese tabellarische Übersicht von go-ahead.de .

6. Behördengänge

Egal, ob Sie sich im Alleingang selbstständig machen oder in einem Team gründen: Um einige Behördengänge werden Sie nicht herum kommen.

Auf jeden Fall müssen Sie beim Finanzamt eine Steuernummer beantragen, denn ohne Steuernummer können Sie keine Rechnungen für Produkte oder Dienstleistungen ausstellen. Bei ihm habe das Verfahren ziemlich lange gedauert, sagt Jörn Sieveneck: "Daher den Gang zum Finanzamt möglichst früh antreten!" Darüber hinaus braucht fast jeder, der in Deutschland Waren oder Dienstleistungen verkaufen oder mit diesen Handel betreiben will, einen Gewerbeschein – nur Freiberufler sind hiervon ausgenommen. Eine Hilfe zur Abgrenzung findet sich etwa hier bei Förderland , letztlich entscheidet aber das Finanzamt darüber, ob ein "Freier Beruf" vorliegt oder nicht. Der Gewerbeschein kann beim örtlichen Gewerbeamt beantragt werden.

Beim Startup Amorelie lief das Ganze so ab, beschreibt Lea-Sophie Cramer: "Wir haben damals mit einer UG (haftungsbeschränkt) angefangen. Dafür haben wir einen Mustervertrag adaptiert und die Firma dann notariell gegründet. Der Notar hat dann eine Eintragung im Handelsregister initiiert. Natürlich mussten wir auch ein Bankkonto einrichten und die Gewerbeanmeldung durchführen. Das Gewerbeamt wiederum hat Finanzamt, Ordnungsamt und die Industrie- und Handelskammer informiert."

In einigen Fällen, etwa wenn direkt erste Mitarbeiter eingestellt werden sollen, müssen Sie sich im Rahmen der Gründung auch mit dem Thema Versicherungen auseinandersetzen. Eine gute Hilfestellung für alle Fragen rund um notwendige Behördengänge: Der Behördenwegweiser des BMWi , der die notwendigen Schritte im Einzelnen auflistet und gleich auch die Adressen aus der Region bereitstellt.

7. Name und Marke deines Startups

Spätestens jetzt hat das Kind, also dein Startup, vermutlich auch schon einen Namen. Nicht? Dann schau mal in diesen Artikel von uns zum Thema Namensfindung für dein Startup hinein.

Steht der Firmenname fest, sollten Sie sich die dazugehörigen Domains sichern und ihn als Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt anmelden. Wer internationale Ambitionen hat, kann stattdessen eine europäischen Gemeinschaftsmarke beim europäischen Harmonisierungsamt (HABM) beantragen. Für beide Stellen gilt: Sie müssen sich vorher darüber schlau gemacht haben, ob Name und Logo eventuell bestehende Markenrechte von anderen verletzen könnten – das nämlich prüfen die Behörden im Rahmen der Antragstellung nicht. Neben dem markenrechtlichen Schutz bietet auch der Eintrag ins Handelsregister Schutz für den Firmennamen.

Der Markenschutz dient vor allem dazu, spätere Konfliktfälle zu vermeiden, die im schlimmsten Fall dazu führen können, dass dein Startup sich zu einem Zeitpunkt, zu dem es schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, umbenennen muss. Ein prominenter Fall: Der IT-Fachverlag "Galileo Press" hat sich kürzlich wegen markenrechtlicher Auseinandersetzungen in Rheinwerk Verlag umbenannt . Beim Berliner Startup Amorelie kam es letztlich nicht zu negativen Auswirkungen, obwohl dem Team ein "völliger Anfängerfehler" unterlaufen war: "Wir haben zunächst vergessen, unsere Marke anzumelden. Glücklicherweise konnten wir das circa sechs Monate später nachholen."

8. Spread the World

Jetzt sind die wichtigsten formalen Schritte der Existenzgründung abgeschlossen. Bieten Sie eine Dienstleistung an, können Sie im Grunde genommen loslegen – bei Software- oder Hardware-Produkten sieht das natürlich etwas anders aus. Je nach Branche und Produkt können hier viele weitere Schritte wie Produktentwicklung oder Verträge mit Partnern und Zulieferern notwendig sein, die möglicherweise parallel schon angelaufen sind. Außerdem kann es zusätzliche rechtliche Vorschriften geben, die Sie kennen müssen – das gilt beispielsweise für Startups im FinTech-Bereich .

Egal, ob Sie schon auf den ersten zahlenden Kunden warten oder das Produkt erst noch zur Marktreife bringen wollen: So langsam wird es Zeit, dass die Welt von Ihrem Startup erfährt. Dazu gehören natürlich eine Website für das Startup und Profile in den relevanten Netzwerken, um eine Anlaufstelle für potenzielle Kunden zu bieten. Außerdem sollten Sie nun anfangen, die im Business-Plan vorgestellten PR- und Marketing-Maßnahmen umzusetzen, das Unternehmen bekannt zu machen und aktiv Kunden- und Nutzerakquise zu betreiben. Falls Sie dabei noch Schützenhilfe brauchen: In unserem Artikel Startup-Marketing für kleines Geld haben wir einige hilfreiche Marketing-Strategien zusammengetragen. Und auch aktives Networking ist nicht zu unterschätzen. So rät etwa Lea-Sophie Cramer: "Versucht aktiv ein gutes Netzwerk aufzubauen, um von neuen Ideen, spannenden Leuten oder neuen technischen Fortschritten früh zu erfahren."

Lass dich auch nach der Startup-Gründung begleiten

Selbst wenn Sie alle genannten Punkte abgehakt haben, stehen Sie mit ihrem Startup noch immer am Anfang des Weges. Daher ist es sehr wichtig, sich auch weiterhin von Partnern und Mentoren begleiten zu lassen, die die verschiedenen Aspekte der Unternehmensführung mit im Blick haben.

Markus Sekulla etwa arbeitet schon seit Beginn seiner Selbstständigkeit eng mit einem Steuerberater zusammen: "Er stellt mir unangenehme Fragen und kostet Geld, doch ohne ihn wäre ich mit deutlich mehr administrativen Dingen beschäftigt." Und auch Sina Gritzuhn rät: "Sucht Euch einen guten Steuerberater! Es kommen viele Verpflichtungen auf Gründer zu, die man als Privatperson nicht auf dem Zettel hat. Da ist es hilfreich einen aufmerksamen Partner an seiner Seite zu wissen, damit man nicht plötzlich böse Briefe von Behörden bekommt."

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