Job & Career

Ungestörtes Arbeiten im Großraumbüro

Tipps und Tricks, um die Produktivphase bestmöglich zu nutzen.

29.04.2015 Andreas Weck

Der Kaffeeautomat läuft durch. Die ersten Kollegen trudeln ein. Ein freundliches "Guten Morgen" tönt einem entgegnet und man unterhält sich über den schönen Sommerabend, der gestern die Stadt in ein lila-rotes Licht getaucht hat. Die Ruhe vor dem Sturm, könnte man vielerorts meinen. Denn sobald sich jeder eingefunden und die Aufgaben für den Tag geordnet hat, wird der gediegene Start schnell durch Hektik und Trubel beendet. So läuft das. Moderner Büroalltag eben.

Das Großraumbüro hat Konjunktur: Hektik und Trubel vs. Stärkung des Teamgefüges

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Ungestört arbeiten, ist im Großraumbüro fast unmöglich.

Wer ein Einzelbüro hat, wird dem Treiben weitestgehend entkommen können. Wer im Großraumbüro sitzt, wird sich auf anstrengende Stunden einstellen. Denn der aufkommende Lärm erhöht zwangsläufig den Stresspegel. Konzentriertes Arbeiten wird zur Herausforderung – und so wird es wohl den meisten Büroangestellten gehen, denn das Großraumbüro hat wieder Hochkonjunktur.

Das war nicht immer so.

„Das Großraumbüro wurde in der Geschichte des Büroarbeitsplatzes gleich zweimal als Innovation gefeiert“,

schrieb Melanie Petersen kürzlich auf t3n.de . Bei seiner Einführung in den 50er-Jahren zum Beispiel, ging es vor allem darum, einen guten Überblick über die Geschäftigkeit der Mitarbeiter zu bekommen. Jahre später, ab den 90er-Jahren, haben junge Unternehmen und Startups die Abteilungen räumlich erneut verschmelzen lassen, um den Teamgeist zu stärken. Dazwischen waren Einzelbüros gefragt. Oder wenigstens Räume, die nur durch zwei oder drei Kollegen besetzt waren.

Wie so oft, es gibt Vor- und Nachteile, was die Räumlichkeiten angeht. Hektik und Trubel eines Großraumbüros stehen der Stärkung des Teamgefüges gegenüber. Vorgesetzte stehen also vor einem Dilemma. Denn keiner möchte gestresste Arbeitnehmer und keiner möchte, dass Teammitglieder fremdeln, weil sie sich kaum kennen oder zu wenig Berührungspunkte im Unternehmen bestehen. Die Mitarbeiter wiederum haben kaum eine Wahl. Was Unternehmensphilosophie ist, wird akzeptiert. Und falls nicht, bleibt oft nur der Jobwechsel. Gelegentlich helfen aber auch Nebenabreden.

Ungestört arbeiten: Arbeitsorte und -zeiten den Bedürfnissen anpassen

So haben einige Arbeitgeber auch Homeoffice-Möglichkeiten eingerichtet, um auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Wer weiß, dass er eine Aufgabe zu erledigen hat, die besondere Konzentration verlangt, kann vielerorts auf Absprache einen Slot im heimischen Büro einplanen – XING aus Hamburg gewährt seinen Mitarbeitern beispielsweise diese Möglichkeit, wie wir erst kürzlich bei einem Hausbesuch erfahren haben . Und auch wir bei t3n lockern die Anwesenheitspflicht regelmäßig, wenn gute Gründe dafür sprechen. Etwa, wenn Redakteure an längeren Artikeln arbeiten, das Thema im Vorfeld klar definiert und besprochen wurde und es nur noch ans Schreiben geht. Hier ist Konzentration das A und O für einen guten Artikel.

Eine andere Möglichkeit, die viele Menschen in Erwägung ziehen, ist, etwas früher zur Arbeit zu kommen. Quasi die Ruhe vor dem Sturm produktiv zu nutzen. Wer nicht an Sprechzeiten gebunden ist oder wo es die Kernzeit und der Chef zulassen, kann man so dem regen Treiben entkommen.

Kleine Tools und Gadgets helfen den Kollegen auf Abstand zu halten

Als Klassiker, für alle, die dem Lärm nicht entkommen können, gilt jedoch der Kopfhörer. Zum einen können Mitarbeiter sich von der Geräuschkulisse im Büro abschotten. Zum anderen signalisiert er auch, dass man gerade nicht ansprechbar ist – zumindest wenn die Person ihren Kollegen erklärt hat, dass das Tragen des Kopfhörers den sogenannten "Tunnel" bedeutet. Sprich, man befindet sich im Konzentrationsmodus. Dass Musik am Arbeitsplatz einen ganz besonderen Einfluss auf die Produktivität hat, wie Google oder Siemens damit umgehen und wie das rechtlich zu bewerten ist, klärte Daniel Hüfner vor einigen Wochen auf t3n.de und gab an anderer Stelle auch direkt einen Überblick über nennenswerte Musiksoftware .

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Bitte nicht stören: Eine Lampe, die zeigt, wenn Sie in Ruhe arbeiten wollen. (Screenshot: Kickstarter)

Mit Signalen zu arbeiten, die bereits von weitem gesehen werden können, ist ein Ansatz, den man vor allem auch mit Licht erreichen kann. Anfang des Jahres hat ein Projekt auf Kickstarter geworben, das kleine LED-Lichter zum Anbringen am Bildschirm in Masse produzieren wollte. Luxafor hieß die Kampagne , die zwar für Interesse in der Medienlandschaft und einigen Spendenwilligen gesorgt, jedoch ihr Backing-Ziel leider nicht erreicht hat.

Ein Lichtwürfel sollte mit grünem oder rotem Licht signalisieren, ob ein Teammitglied sich gerade konzentrieren muss und ungestört bleiben will. Angeschlossen wurde das kleine Open-Source-Tool über den USB-Anschluss. Auch wenn Luxafor gescheitert ist, eine ähnliche Lampen-Vorrichtung lässt sich bereits mit der einfachen Tischlampe anlegen – beispielsweise mit einer hue-Glühbirne von Philips , die ihre Farbe per Smartphone-App einstellen lässt.

Ein anderer Ansatz, den unser t3n-Kollege Jochen Fuchs für sich kultiviert hat, ist das Warnschild auf dem zweiten Arbeitsbildschirm. Sobald er ungestört sein möchte, öffnet er eine eigens angefertigte Grafik auf seinem Mac-Bildschirm. " Produktivphase – Geh weg! " prangt dann in Sichtweite auf dem Screen. Was komisch aussieht und sich irgendwie absurd anhört, hilft jedoch tatsächlich. "Eigentlich war das erst als Spaß gedacht. Die Kollegen haben die Methode jedoch schnell respektiert. Grundlage ist aber, dass man nicht bei jedem kleinen Task direkt in den Stealth-Mode geht", lässt der Kollege wissen.

Rückzugsorte schaffen

Ungestört zu arbeiten im Trubel des Großraumbüros ist sicherlich nicht immer einfach. Aber wer es richtig angeht, kann sich mit Nebenabreden, einer cleveren Zeitplanung und einigen Tools und Gadgets seine eigenen Rückzugsorte schaffen. Wer es als Arbeitgeber richtig machen will, ist indes aber auch gut beraten, für kleine Ruheräume im Büro zu sorgen. Das Team wird es danken.

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