Artificial Intelligence

Übersetzungshilfen für die smarte Gesellschaft

Ohne semantische Technologien kein Internet der Dinge. Neue Beispiele aus dem Forschungsgebiet finden sich in Halle 9.

05.05.2015

Smart Factory, Smart Car, Smart Home – die Digitalisierung physischer Plattformen, aus denen das Internet der Dinge entstehen soll, schreitet rapide voran. "Dabei bringt eine Vernetzung auf der rein technischen Ebene zum Austausch von Bits und Bytes zwischen digital veredelten Gegenständen zunächst keinen Mehrwert", stellt Prof. Dr. Wolfgang Wahlster fest. "Nur wenn die vernetzten Dinge die ausgetauschten Nachrichten auch inhaltlich verstehen, findet wirkliche Kommunikation zwischen den Objekten statt", so der CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Semantische Technologien aus der künstlichen Intelligenz werden deshalb laut Wahlster "zum entscheidenden Erfolgsfaktor für das Internet der Dinge, weil nur so die ausgetauschten Daten im jeweiligen Kontext sinnvoll interpretiert werden können".

Was semantische Technologien sind, erläutert Wahlster in der jüngsten Ausgabe von mag_i, einem Innovations-Magazin von CeBIT und Euroforum: "Die Semantik beschäftigt sich mit der inneren Strukturierung einer Begriffswelt, den Relationen zwischen den Zeichen und der Konstruktion komplexer Bedeutungsstrukturen mithilfe eines Inventars an Verknüpfungsregeln für Elementarbedeutungen." Mit Relationen wie "Unterbegriff von", "Gegenteil von" oder "gleichbedeutend mit" werden schrittweise komplexe Begriffsnetze, sogenannte Ontologien aufgebaut. Wahlster: "Semantische Technologien überbrücken die Lücke zwischen der Fachsprache der Informatik und den Sprachen ihrer Anwender, weil sie es erlauben, verschiedene Begriffssysteme ohne Bedeutungsverlust ineinander zu übersetzen."

Damit sich die Dinge aus unterschiedlichen Lebensbereichen und von verschiedenen Herstellern besser verstehen, beteiligt sich Deutschland an großen Verbundprojekten wie SemProM (BMBF) und Theseus (BMWi). So hat sich das Land laut Prof. Wahlster "eine Pole-Position erarbeitet, die nun durch eine rasche Etablierung internationaler Standards bei ISO und W3C zu einem Start-Ziel-Sieg für das Internet der Dinge mit deutschen Unternehmen als Leitanbieter umgesetzt werden muss".

Zu den neuen Tools, Anwendungen und Prototypen, die das DFKI im CeBIT-Themenbereich "Research & Innovation" präsentiert, zählt der "Semantic Desktop" des EU-Projekts ForgetIT (Halle 9/F43). Darin geht es um gezieltes Vergessen und kontextuelles Erinnern in persönlichen Wissensräumen: Fotos, Dokumente, E-Mails, Aufgaben, Ereignisse – auf dem Desktop, auf dem Mobilgerät, in der Cloud. ForgetIT unterstützt Nutzer dabei, dem täglichen Informationsüberfluss Herr zu werden. Der Semantic Desktop spannt laut DFKI "einen persönlichen Wissensraum auf, der im Datei-Explorer, im Browser, im Text-Editor, in der E-Mail, im Cloud-Space oder in der Fotosammlung zur Verfügung steht" – zum Annotieren, Organisieren und zur semantischen Suche nach Ressourcen des Nutzers.

Am Bayern-Gemeinschaftsstand (Halle 9/A40) präsentiert gesinn.it eine semantische Lösung für das Prozess- und Qualitätsmanagement: "semantic::bpm" ist Teil der semantic::apps, einer umfassenden Suite integrierter Geschäftsanwendungen für Semantic MediaWiki. "Durch den Einsatz semantischer Technologien kombinieren semantic::apps die von Wikis gewohnte agile Dokumentation mit der von Datenbanken bekannten Verwaltung strukturierter Daten", so der Aussteller. semantic::apps beschreiben die Bedeutung von Informationen in einer maschinenlesbaren Form, integrieren verteilte Informationen, strukturieren Wissen und erfassen komplexe Zusammenhänge. Mit semantischen Wiki-Technologien will gesinn.it Kosten und Komplexität in der Smart Factory drastisch senken. wikiboxx, eine weitere gesinn.it-Entwicklung, ist ein Gerät auf Basis des Kleinrechners Raspberry Pi. Als semantisches Objektgedächtnis (SOM) speichert es in sich geschlossen und computerverstehbar alle mit einer Maschine in Beziehung stehenden Informationen. Das Gerät kann mit unterschiedlichen Informationsbussen und Datenformaten integriert werden. "Es kommuniziert mit Menschen, anderen wikiboxxes und Softwarelösungen und ermöglicht somit flexible, hochindividualisierte Produktionsprozesse", so der Hersteller. Daneben schaffe es einen umfassenden Überblick über kritische Informationen und Wissen aus der Produktion.

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