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Südosteuropa: Team Play statt Brain Drain

Die Donauregion und andere Nationen nutzen auf der IBA die Chance, sich als Kooperationspartner vorzustellen.

25.11.2015

Rumänien ist ein Hardware-Land: Computer, TK-Geräte, Unterhaltungselektronik und Halbleiter sind die wichtigsten Industrieprodukte des EU-Mitglieds. Doch auch der Softwaremarkt wächst. Das Marktforschungsunternehmen IDC sagt dem rumänischen Softwaresektor eine Steigerung von jährlich fast zehn Prozent bis 2016 voraus. Der IT-Branche insgesamt prophezeien die Analysten ein knapp sechsprozentiges Wachstum pro Jahr.

Die Kräfte dafür sind vorhanden: Jährlich verlassen rund 40.000 gut ausgebildete Ingenieure Rumäniens Hochschulen – bislang meist, um im Ausland Karriere zu machen. "Viele Absolventen würden aber lieber im Inland bleiben und tun das auch zunehmend", sagt Hans Gäng, Geschäftsführer der Consultingfirma local global. Das Arbeitsplatzangebot nämlich steigt. "Um die Hochschulen in Bukarest, Iasi oder Cluj herum haben sich Bangalore-ähnliche Strukturen entwickelt", berichtet Hans Gäng. "Viele internationale Firmen lassen Software in Rumänien entwickeln, immer mehr bilden auch eigene Ableger im Land. Oracle, Microsoft, Google und andere beschäftigen ihre Leute inzwischen vor Ort."

Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg ist Mehrsprachigkeit: "Mitarbeiter zu finden, die fließend Englisch, Deutsch, Französisch oder Italienisch können, ist in Rumänien kein Problem", sagt Mircea Popa von Pentalog. Der Spezialist für Nearshore- und Offshore-Software-Entwicklung unterhält seit 2007 ein "Delivery Center" in Rumäniens zweitgrößter Universitätsstadt Iasi. Mehr als 110 Ingenieure – vom Junior-PHP- bis zum Senior-Java-Entwickler – arbeiten dort für vornehmlich westeuropäische Pentalog-Kunden. "Wir lösen Aufgaben in den Bereichen Anwendungsentwicklung, Embedded und Mobile Computing und Infrastrukturmanagement und sparen unseren Kunden so bis zu 30 Prozent der Projektkosten", erklärt Mircea Popa.

Auf der CeBIT 2015 offeriert Pentalog seine Dienste in der International Business Area (IBA) in Halle 6. Zahlreiche Regionen stellen sich im "Global Village der CeBIT" mit Gemeinschaftsständen als Handels- und Kooperationspartner vor, als Investitions- und Outsorcing-Standort oder eben als Ziel für Off- und Nearshoring.

Eine Bühne bietet den IBA-Ausstellern die CeBIT IBA Conference in Halle 6. "Entdecken Sie die Möglichkeiten neuer internationaler Märkte und Kooperationen" lautet das Motto der insgesamt viertägigen Veranstaltung. Am Dienstag, dem "China Day", präsentiert sich hier das Partnerland der CeBIT 2015. Am Donnerstag demonstrieren v.a. Indonesien und Bangladesch ihre Stärken. Am Freitag erhalten ausländische Firmen, die in Deutschland aktiv werden wollen, Tipps für erfolgreiche Kooperationen und Hinweise auf entsprechende Initiativen.

Europäische Förderprogramme in Ost-, Mittel- und Südeuropa stehen am Mittwoch, den 18. März, im Fokus der Konferenz. Unter dem Titel "European Innovation Strategy – Resources for Regional Growth" werden von 10 bis 12 Uhr die Baltikregion und von 12 bis 14 Uhr Projekte in Mittel- und Südeuropa beleuchtet. Von 14 bis 17 Uhr schließlich stellt sich die Donauregion vor.

"Team Play statt Brain Drain lautet das Motto der neuen EU-Strategie", erläutert Forumsorganisator Hans Gäng. Die EU wolle nicht mehr das Wettrennen um Ingenieure fördern, sondern den Aufbau von Softwareindustrien in den Regionen. Gäng: "Statt in Ungarn, Bulgarien, Rumänien oder den baltischen Staaten die Talente abzusaugen, sollen Westeuropas Firmen erkennen, dass es auch die Möglichkeit der Kooperation und des Nearshorings gibt."

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