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Storytelling: Wie Musk & Co. ihre Reden vorbereiten

Gastautorin Miriam Rupp erklärt anhand einiger Beispiele, wie ein Vortrag zu einem Erlebnis für die Zuhörer wird.

02.05.2016 Miriam Rupp

"I want to tell you three stories from my life. No big deal. Just three stories". Mit diesen Worten leitete Steve Jobs seine berühmte Rede an der Stanford University ein. Zwei Dinge hat fast jeder nach dem Zuhören dieser Geschichten gemeinsam: Man fühlt sich inspiriert und wird sich noch lange daran erinnern. Ob nun vor Stanford-Absolventen, auf einer Konferenz oder vor den versammelten Mitarbeitern: Jede Führungsperson, die eine Rede halten soll und einen gefüllten Raum mit erwartungsvollen Gesichtern betritt, steht vor der Herausforderung, genau das bei ihrem Publikum zu erreichen. Doch die Realität sieht häufig anders aus. Geraschel und Getuschel sowie gelangweilte Blicke aufs Smartphone sind nur einige Indizien, dass Aufmerksamkeit und Interesse an dem Vortrag schon nach wenigen Minuten so gut wie verloren sind. Genau wie Steve Jobs und viele weitere erfolgreiche Redner es bewiesen haben, gibt es mit Storytelling-Lösungen eine gut gefüllte Werkzeugkiste, mit der jeder Vortrag länger im Gedächtnis bleibt.

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Die Moral von der Geschicht'

Wenn der Zuhörer alles andere vergessen dürfte, nur eine Aussage des Vortrages nicht, welche wäre diese? Was ist der Höhepunkt der Story? Welche Message soll am Ende beim Publikum hängen bleiben? Diese Fragen sollte sich jeder Redner von Anfang an stellen und seine eigene Version eines Claims à la "stay hungry, stay foolish" für seinen Vortrag vor Augen führen. Der Spannungsbogen der Rede und alle anderen Kapitel arbeiten auf diese Aussage hin, die selbst erst ganz zum Schluss als Auflösung klar formuliert wird. Doch selbst wenn wir nun wissen, mit welchen inspirierenden Worten wir unser Publikum verabschieden wollen, wie schaffen wir es, dieses im ersten Schritt überhaupt für die Rede zu gewinnen?

Muster durchbrechen

"Vielen Dank für die Einladung … Mein Name ist … und ich möchte heute über … sprechen." 20 wertvolle Sekunden, mit denen das Publikum genau das bekommt, was es von jedem anderen Redner hört. Alles andere als ein Neugier weckender Appetizer. Der Schlüssel zu Aufmerksamkeit heißt Überraschung. Jetzt muss kein Clown vom Trapez springen. Überraschen bedeutet vor allen Dingen, aus vorhersehbaren, gelernten Mustern - wie die Standard-Vorstellung - auszubrechen. Indem man gleich in die Geschichte einsteigt, hat man zum Beispiel schon den meisten anderen Rednern etwas voraus. Doch mit was für einer Geschichte?

Ein Schwank aus dem eigenen Leben

Jede Geschichte beginnt mit der Einführung eines Protagonisten, an dem sich der rote Faden entlangzieht. Als besonders erfolgreich hat es sich schon mehrfach bewiesen, die Ich-Perspektive zu erzählen, also den eigenen, persönlichen Bezug zu dem, was in den nächsten Minuten folgen wird. Persönliche Geschichten sind einzigartig, wodurch Klischees vermieden werden und der Überraschungsmoment eintritt.

Da man sich als Redner nicht mit den Standard-Floskeln vorgestellt hat, geben sie dem Publikum trotzdem einen ersten Einblick und Vertrauen bezüglich der Frage, wer ihnen eigentlich gegenüber steht. Ob Experte, Spezialist oder Koryphäe - Worüber wir am überzeugendsten berichten können und was uns als Redner besonders authentisch wirken lässt, sind unsere eigenen Erfahrungen und Erinnerungen. Gerade für den Einstieg, wo es auch darum geht, eine emotionale Verbindung zum Publikum aufzubauen und sich selbst als Vortragender "warmzureden", geben persönliche Geschichten einen wertvollen Beitrag.

Mit Liebe zum Detail

Um im weiteren Verlauf der Rede immer wieder Anker zu schaffen, die das Publikum mitdenken und assoziieren lassen, gilt es, möglichst greifbare Bilder in den Köpfen entstehen zu lassen. Statt eines Baumes kann es ruhig genauer sein, zum Beispiel ein von der Fülle der gelbleuchtenden, saftigen Zitronen sich beugender Baum. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto tiefer prägt sich das Bild ein, da Geruchs-, Geschmack-, Tastsinn usw. im Gehirn aktiviert werden, selbst wenn über die jeweiligen Eigenschaften nur gesprochen wird.

Aber auch bei den Hard Facts können sich Redner behelfen, wenn sie tiefer ins Detail gehen. Wer zum Beispiel "der 10. Oktober 2012" statt "vor ein paar Jahren" sagt, vermittelt einerseits mehr Glaubwürdigkeit. Auf der anderen Seite lösen diese Informationen bei vielen Einzelnen im Publikum wiederum "ihren eigenen Film" aus, da sie vielleicht selbst eine Assoziation zu dem Datum haben. Deren Erinnerungen werden also mit den Informationen aus der Rede verknüpft.

Geschichtenerzähler lösen Prediger ab

Leider nutzen viele Redner Vorträge noch wie eine Unterrichtsstunde. Es wird aufgelistet, was zu tun ist und was nicht zu tun ist. Schließlich sei man ja als Experte eingeladen worden, um eben diese Insights dem noch ahnungslosen Publikum zu vermitteln. Doch Autorität hat schon in der Schule und bei den Eltern früher eher Widerstand und Ignoranz ausgelöst, auch wenn sie vielleicht Recht hatten. Erfolgreiche Redner involvieren ihr Publikum auf Augenhöhe, inspirieren mit positiven Botschaften und erzählen statt zu belehren. Storytelling ist dabei ein wichtiges Fundament, um Inhalte mit Emotionen zu verknüpfen und die Zuhörer zu begeistern. Weitere spannende Videos zum Thema gibt es zum Beispiel auf ted.com .

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