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So wird der neue Internet-Grundbesitz verteilt

Im Geschäft mit den neuen Top-Level-Domains (TLD) sind vor allem große US-Firmen aktiv. Selbst bei wichtigen deutschsprachigen Endungen mischen sie mit. Verschlafen die deutschen Unternehmen das Thema?

19.08.2015 Stefan Mey

Neue Top-Level-Domains

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Zu den bekannten TLDs kommen immer mehr neue hinzu. (Foto: Shutterstock/niroworld)

Wir schreiben das Jahr 2008. Auf einem Kongress der Internetverwaltung ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) tritt ein Berliner Unternehmer ans Mikrofon. Er beschwert sich, dass das Top-Level­Domain-Programm (TLD) immer wieder verschoben wird, und beendet seine Ansprache mit einem eindringlichen Appell: „Bitte helfen Sie uns, die neuen Top-Level-Domains endlich zur Welt zu bringen.“ Auf diese Weise trieb ein Deutscher, Dirk Krischenowski von Dotberlin, das digitale Mammutprojekt an.

Sieben Jahre später ist wenig davon zu erkennen, dass deutsche Akteure bei den neuen generischen TLDs zu den Vorreitern gehören. Ganz im Gegenteil: Deutsche Unternehmen scheinen das TLD-Thema regelrecht zu verschlafen. Von den knapp 2000 Anträgen auf eine neue TLD, die 2012 bei der ICANN eintrafen, stammten gerade einmal 3,5 Prozent aus Deutschland. Die meisten kamen von Unternehmen aus den USA, etliche weitere wurden zudem noch über deren Töchter in Steuerparadiesen wie Luxemburg oder den Cayman Islands gestellt. Global ist das US-Startup Donuts Spitzenreiter mit rund 300 Bewerbungen. Google hat 101 Anträge eingereicht.

Auch bei wichtigen deutschsprachigen Endungen mischen die US-Firmen mit. Sie haben den Handel mit den neuen Endungen als Geschäftsfeld entdeckt – und besetzt. So gehören zum Imperium von Donuts beispielsweise auch .reisen und .schule. Das amerikanische Unternehmen Rightside Group betreibt die Endungen .kaufen, .haus und .immobilien.

Genau 70 Einreichungen bei der ICANN stammten aus Deutschland. Rechnet man Markenendungen wie .bmw heraus, bleiben etwa 30 Bewerbungen für allgemeine Top-Level-Domains übrig. Beispiele: Der Berliner Taxi-Unternehmer Hermann Waldner, Geschäftsführer des App-Anbieters Taxi.eu, interessiert sich für .taxi. Der gemeinnützige Berliner Verein Dothiv ­betreibt die Endung .hiv. Hinter der regionalen Endung .ruhr steht der Sutter Verzeichnisverlag in Essen und hinter .koeln und .cologne der Telekommunikationsanbieter Netcologne.

Gut vernetzte Szene beherrscht das TLD-Geschäft

Von besonderer Bedeutung für die deutsche Szene ist ein gut vernetztes Berliner Trio: Dirk Krischenowski, Johannes Lenz-Hawliczek und Katrin Ohlmer betreiben die schon gestarteten Endungen .berlin und .hamburg. Über Joint Ventures bewerben sie sich auch um die Endung .hotel. Darüber hinaus haben sie über ihre gemeinsame Beratungsfirma Dotzon an knapp 25 weiteren TLD-Projekten mitgewirkt.

Um das Firmenkürzel .gmbh konkurrierten ein Joint Venture von Krischenowski, Lenz-Hawliczek, Ohlmer und Internetx sowie die Münchner Internetwire Communications und drei US-Interessenten, darunter auch Google und Donuts. Gemeinsam mit der United-Internet-Tochter Internetx wollte das Trio die Endung .gmbh betreiben.

TLDs in der Versteigerung

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Fast jede zweite Bewerbung für eine der neuen TLDs stammt aus den USA. (Quelle: Icannwiki.com, Illustration: com! professional)

Bei mehreren Interessenten für eine Endung gibt es standardmäßig eine offizielle ICANN-Auktion – oder alternativ eine Privatauktion, bei der der Betrag unter den unterlegenen Bietern aufgeteilt wird. Google hatte sich beispielsweise Ende Februar die Endung .app in einer offiziellen Auktion für 25 Millionen US-Dollar gesichert. Das ist der bisher höchste Betrag, der bei einer Versteigerung für eine TLD gezahlt wurde.

Die Domain .gmbh wurde ebenfalls an ein noch ungenanntes US-Unternehmen versteigert. Internetx hatte die Vermarktung der Firmenendung .gmbh als Teil eines kleinen Universums bestehend aus sieben Firmenkürzeln geplant. Der Start erfolgte mit der brasilianischen Endung .ltda – für .llc, .llp und .srl stehen noch Auktionen an.

Die Entscheidung für Unternehmensendungen war naheliegend, meint Hakan Ali, Internetx-Gründer und Leiter der Abteilungen Marketing und Vertrieb. Eine Analyse der 3,8 Millionen von Internetx verwalteten Domains zeige, dass viele Firmen ihre Unternehmensform bereits in der Internetadresse mitführen. Ali ist zuversichtlich, dass die Firmenkürzelendungen von den Nutzern angenommen werden. Generell ist er optimistisch: "Der Markt für die neuen TLDs ist da."

Bei mehreren Interessenten für eine Endung gibt es standardmäßig eine offizielle ICANN-Auktion – oder alternativ eine Privatauktion, bei der der Betrag unter den unterlegenen Bietern aufgeteilt wird. Google hatte sich beispielsweise Ende Februar die Endung .app in einer offiziellen Auktion für 25 Millionen US-Dollar gesichert. Das ist der bisher höchste Betrag, der bei einer Versteigerung für eine TLD gezahlt wurde.

Die Domain .gmbh wurde ebenfalls an ein noch ungenanntes US-Unternehmen versteigert. Internetx hatte die Vermarktung der Firmenendung .gmbh als Teil eines kleinen Universums bestehend aus sieben Firmenkürzeln geplant. Der Start erfolgte mit der brasilianischen Endung .ltda – für .llc, .llp und .srl stehen noch Auktionen an.

Die Entscheidung für Unternehmensendungen war naheliegend, meint Hakan Ali, Internetx-Gründer und Leiter der Abteilungen Marketing und Vertrieb. Eine Analyse der 3,8 Millionen von Internetx verwalteten Domains zeige, dass viele Firmen ihre Unternehmensform bereits in der Internetadresse mitführen. Ali ist zuversichtlich, dass die Firmenkürzelendungen von den Nutzern angenommen werden. Generell ist er optimistisch: "Der Markt für die neuen TLDs ist da."

Unternehmen scheuen hohe ICANN-Gebühren

Ansonsten haben die großen deutschen Medien- und Internetkonzerne das TLD-Geschäft an sich vorbeiziehen lassen. Bei Springer, Burda, Bertelsmann, Unister und Rocket Internet ist zu dem Thema wenig in Erfahrung zu bringen. Meist heißt es, dass der Betrieb von TLDs nicht zum Kerngeschäft gehöre oder die Thematik nicht zentral gesteuert werde. Allgemeine Aussagen sind also nicht möglich.

Beim Telekom-Registrar Strato in Berlin waren eigene Endungen anfangs im Gespräch, beispielsweise .mail, .web, .webhosting und .hosting. Man habe sich aber bewusst dagegen entschieden, berichtet Strato-Vorstand Christian Böing: "Wir hatten Zweifel, ob die neuen TLDs vom Markt so angenommen werden, dass sich die hohen Kosten der Einführung wirtschaftlich rechnen. Diese beginnen mit den hohen Gebühren an die ICANN und enden beim erforderlichen Marketing." Im Rückblick hält er die Entscheidung für richtig: "Genaugenommen ist die Situation für viele der neuen Top-Level-Domains sogar dramatischer, als wir angenommen hatten. Wir erwarten eine Marktbereinigung – und sie hat bereits begonnen."

Die deutsche Holding IS-Inter-Services GmbH mischt über diverse Töchter im TLD-Geschäft mit. So hat sich die Tochter Brandshelter auf Dienstleistungen für Markenendungen spezialisiert. Ihre Schwester Domaindiscount24 ist einer der großen deutschen Registrare. Eigene Endungen hat der deutsche Konzern nicht ins Rennen geschickt. Einzige Ausnahme ist die Endung .saarland, hinter der die Tochter Key-Systems steht.

Warum ist das Unternehmen nicht in das Geschäft mit neuen TLDs eingestiegen? "Dies liegt im Wesentlichen daran, dass wir nicht in Wettbewerb mit unseren Kunden, den Registries, treten möchten", erklärt Alexander Siffrin, Geschäftsführer von Key-Systems und IS-Inter-Services. Man sehe die eigene Stärke im Bereitstellen technischer Infrastruktur für andere.

Auch Siffrin glaubt, dass nicht alle TLDs funktionieren und einige langfristig verschwinden werden. Trotzdem macht er darauf aufmerksam, dass sich das Engagement für einige Unternehmer schon jetzt ausgezahlt habe: "Viele der Bewerber haben ihre Investitionen durch den Verkauf ihrer Rechte an Mitbewerber doppelt oder dreifach wieder eingefahren."

Meist bewegen sich die Erlöse solcher Auktionen vor dem eigentlichen Start einer Endung im einstelligen Millionenbereich. Auch einige deutsche Firmen haben sich bei Privatauktionen auszahlen lassen, unter anderem Internetx bei .ltd und .sar und Axel Schwiersch bei .immo. Auch von seiner mit viel Optimismus gestarteten Endung .reise, die seit August 2014 am Markt ist, hat Schwiersch sich getrennt. Ende Februar hat er sie an das US-Unternehmen Donuts verkauft. Die Amerikaner betreiben schon die ähnliche Branchenendung .reisen. Das war die weltweit erste Versteigerung einer schon gestarteten Top-Level-Domain. Der Startschuss für die Marktbereinigung fiel somit in Deutschland. Schwiersch glaubt, dass das nur der Anfang war: "Ich würde mich wundern, wenn wir 2015 die einzige TLD blieben, die verkauft oder versteigert wird." Auch der TLD-Pionier Krischenowski rechnet mit einer Konsolidierungswelle in absehbarer Zeit. Während diese Welle gerade einsetzt, diskutiert die ICANN schon über die nächste Bewerbungsrunde für neue Internetendungen.

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