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So machen Sie Aktiengeschäfte mobil

Geldanlage und Aktienhandel mit dem Smartphone boomen. Kein Wunder bei den stark schwankenden Aktienmärkten, kommt es doch oft auf Minuten an. Hier die besten Apps.

02.09.2015 Sébastien Bonset
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Trading leicht gemacht: Apps wie Simply Wall St. erleichtern durch anschauliche Visualisierungen den Einstieg. (Screenshot: Simply Wall St.)

Gerade in den jüngsten Tagen geht es an den internationalen Börsen mal wieder hoch und runter. Wer zu spät handelt, weil er gerade keinen Computer vor der Nase hat, kann schnell eine Menge Geld verlieren. Nicht zuletzt deshalb sind Trading-Apps durchaus verlockend für so manchen Anleger. Immerhin versprechen die mobilen Anwendungen, jederzeit Investments auch unterwegs tätigen zu können. Beim Warten auf die U-Bahn schnell ein paar Aktien kaufen oder beim Gassigehen einen ETF verkaufen – alles kein Problem? Eigentlich nicht, auch wenn ein kleines Smartphone-Display nicht gerade wie gemacht für das Trading ist.

Fest steht, dass mobiles Trading und entsprechende Apps einen regelrechten Boom erfahren. Das hat durchaus Auswirkungen auf den herkömmlichen Wertpapierhandel, Anlagestrategien und etablierte Broker und Dienstleister. Der Marktzugang wird demokratisiert, Gebühren sinken in manchen Bereichen, aber es tun sich auch neue Risiken und Gefahren auf. Wir haben uns die drei Bereiche Börseninformationen, herkömmliches Trading und Social-Investment näher angesehen und ein paar empfehlenswerte Apps heraus gesucht.

Vor dem Trading informieren

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Die App von Stocktwits gibt einen Überblick dazu, was institutionelle Anleger twittern. (Screenshot: Stocktwits)

Wer sein Geld anlegen will, sollte sich vorher gut informieren und sein Investment auch nach dem Kauf im Blick behalten. Das gilt auch und besonders für Aktien, Investmentfonds und ähnliche Anlageklassen. Diese Kategorie reicht von Apps, die dem Nutzer die aktuellen Kurse aufbereiten, über Anwendungen mit Börsennachrichten bis hin zu mobilen Helfern für die Erfassung des eigenen Depots – ein buntes Potpourri. Während die reinen Nachrichten-Apps auf dem Bildschirm eines mobilen Geräts wenig Probleme machen, können mobile Anwendungen, die auch eine Chartanalyse bieten, nur eine Ergänzung zur Software auf einem vollwertigen Rechner bleiben.

Wer sich für den mobilen Zugriff auf Marktanalysen, Finanzmarkt-Nachrichten und Börsenkurse interessiert, hat die Qual der Wahl. Apps von Bloomberg und Dow Jones konkurrieren mit "Intelligent Investing" von Forbes und vielen weiteren um die Gunst der Anwender. Zu den etablierten Anbietern gesellen sich außerdem auch andere Angebote, die sich besonders an Börsenneulinge richten. So wandelt zum Beispiel die australische App Simply Wall St komplexe Informationen zu den Märkten in leicht verständliche und anschauliche Grafiken um. Ebenfalls empfehlenswert ist Stocktwits inklusive der zugehörigen App. Es handelt sich bei dem Angebot um eine Art soziales Netzwerk für Börsianer, das unter anderem Tweets von Investoren bietet.

Empfehlenswert unter den klassischen Informations-Apps sind in jedem Fall die Anwendungen von Finanzen.net, der Frankfurter Börse und OnVista. Während Finanzen.net die meisten Analysen und Nachrichten bietet, glänzt die App der Frankfurter Börse mit einem umfassenden Datenangebot – beschränkt sich jedoch– wie der Name verrät – auf die Frankfurter Börse. Interessiert man sich zusätzlich für andere Börsen, fährt man mit OnVista gut.

Frankfurter Börse

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Die App der Frankfurter Börse bietet Informationen zu am Standort gehandelten Wertpapieren. (Screenshot: Frankfurter Börse)

Die App der Frankfurter Börse im App Store
Die App der Frankfurter Börse bei Google Play

Die App der Frankfurter Börse legt den Fokus auf Aktien, die auch in Frankfurt gehandelt werden. Das heißt aber nicht, dass man nur Kurse zu Aktien aus dem Dax, MDax und Co. erhält, denn auch ausländische Unternehmen werden in Frankfurt gehandelt.

In Sachen Datenangebot ist die App der Frankfurter Börse vorbildlich: Neben dem reinen Kurs werden auch Nachrichten, historische Daten, Fundamentalkennzahlen, Informationen zum Unternehmen und mehr angeboten. Die App ist für iOS und Android erhältlich. Wer mit einem anderen mobilen OS unterwegs ist, kann die mobile Website der Frankfurter Börse nutzen.

OnVista

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Screenshot: App Store

Das Webangebot von OnVista gehört zu den Urgesteinen des deutschen Web. Das Finanzportal und die zugehörige App zeichnen sich besonders durch die Fülle an angebotenen Kursen aus. Nutzer können die Kurse eines Wertpapiers an verschiedenen Börsen der Welt miteinander vergleichen, einen Chart zu jedem Wertpapier einsehen und auch zugehörige Nachrichten, Unternehmensinformationen sowie Pflichtveröffentlichungen abrufen.

Die App ist für iOS und Android erhältlich. Wer mit einem anderen mobilen OS unterwegs ist, kann die mobile Website nutzen.

Die OnVista-App im App Store
Die OnVista-App bei Google Play

App von Finanzen.net

Finanzen.net ist eines der größten Portale Deutschlands und gehört zu Axel Springer. Die App bietet umfassende Analysen, Hintergrundinformationen und Agenturnachrichten. Zusätzlich lassen sich Kurse durchsuchen und abrufen. Neben einer mobilen Website bietet Finanzen.net Apps für iOS, Android und Blackberry

Die App von Finanzen.net im App Store
Die App von Finanzen.net bei Google Play

Mobiles Trading

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eTrade ermöglicht vollwertiges Trading mit dem Smartphone. (Screenshot: eTrade)

Anwender nutzen ihr Smartphone schon lange, um Börsenkurse in Echtzeit abzurufen. Will man sich unterwegs aber nicht nur informieren oder das eigene Depot immer dabei haben, braucht man eine App für das mobile Trading – ein Bereich, der in den vergangenen Jahren ein steiles Wachstum hingelegt hat. Die wachsende Popularität des mobilen Börsenhandels lässt sich teilweise mit technologischen Verbesserungen erklären. Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit mobiler Geräte sind Desktop-Rechnern mittlerweile ebenbürtig. Auch die Verfügbarkeit von Tablets dürfte dazu beigetragen haben.

Eine größere Rolle dürfte hingegen spielen, dass viele Nutzer zwischen 20 und 35 es gewohnt sind, alle digitalen Lebensbereiche auch mobil managen zu können – eben auch ihre Geldanlagen. Trading-Apps ersetzen zwar nicht den Handel am Desktop-Rechner, aber sie ermöglichen ein schnelles Reagieren auf Marktveränderungen.

Darin liegt allerdings auch eine Gefahr, denn Fehlentscheidungen oder überhastete Käufe und Verkäufe können für den unbedarften Kleinanleger schnell teuer werden. Wer seine Anlagestrategie zudem darauf ausgelegt hat, dass er jederzeit kaufen und verkaufen kann, dürfte in Panik geraten, wenn er genau dann kein Netz hat, wenn er gerade eine Order tätigen will.

Die meisten Trading-Apps stammen von Online-Brokern und sind damit auch auf den Handel bei ihnen beschränkt – exemplarisch nennen wir mit eTrad, Ameritrade, TradeKing und MyFidelity vier entsprechende Apps. Die mobilen Helfer ermöglichen es dem Nutzer, sein Depot unterwegs einzusehen, eine Watchlist zu führen und mit verschiedenen Produkten wie Fonds, Aktien oder Anleihen zu handeln. Manche App will sogar vollwertiges Trading auf mobilen Plattformen abbilden – inklusive Cloud-Synchronisation, komplexen Optionen, detaillierten Charts und anderen Features. Viele der Trading-Apps können kostenlos runtergeladen und zu einem gewissen Grad auch kostenlos genutzt werden. Sobald es allerdings über den Wertpapiervergleich, das Einsehen des Depots und ähnliche Funktionen hinaus geht, fallen Kosten an. Sobald Orders platziert werden, kostet das Gebühren.

eTrade

Die App von eTrade im App Store
Die App von eTrade bei Google Play

Ameritrade

Die App von Ameritrade im App Store
Die App von Ameritrade bei Google Play

TradeKing

Die App von TradeKing im App Store
Die App von TradeKing bei Google Play

MyFidelity

Die App von MyFidelity im App Store
Die App von MyFidelity bei Google Play

Social Trading als Alternative

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Bei Gurufocus können Anleger Börsen-Profis wie Warren Buffet und anderen folgen. (Screenshot: Gurufocus)

Ein recht junger Ansatz in der Börsenwelt ist das Social Trading. Dabei wird herkömmliches Trading mit Funktionen verbunden, die man aus sozialen Netzwerken kennt. Recht bekannt ist beispielsweise die Social-Trading-Plattform Wikifolio , auf der Anwender den Anlage-Entscheidungen anderer Nutzer folgen können. Man kann auch sein eigenes Portfolio veröffentlichen und ein Gefolge aufbauen. Die Plattform bietet zwar keine eigene App, aber die Daten stehen zum Beispiel in der Finanzen100-App zur Verfügung. Die Nutzung von Wikifolio ist kostenlos, aber wie bei den herkömmlichen Trading-Apps fallen Gebühren für den Handel – und eine zusätzliche Performance-Gebühr – an.

Ähnlich funktioniert auch die Plattform eToro, die im Gegensatz zu Wikifolio allerdings auch eine eigene App anbietet. Es versteht sich von selbst, dass man nicht blind den Anlagestrategien anderer Nutzer folgen sollte – zu groß ist die Gefahr von Verlusten. Auch wenn ein Nutzer in der Vergangenheit ein gutes Gespür bewiesen hat, ist das entsprechende Portfolio kein Selbstläufer. Das gilt auch für Social-Trading-Portale wie GuruFocus oder iBillionaire, bei denen Nutzer den Portfolios von Profis wie Carl Icahn oder Warren Buffet folgen können.

Wikifolio und Finanzen100

Die App von Finanzen100 im App Store
Die App von Finanzen100 bei Google Play

eToro

Die App eToro im App Store
Die App eToro bei Google Play

iBillionaire

Die App iBillionaire im App Store
Die App iBillionaire bei Google Play

GuruFocus

Die App GuruFocus im App Store

Fazit

Smartphones und mobile Trading-Apps sorgen bei klassischen Dienstleistern rund um die Geldanlage für ordentlich Wirbel. Kleinanleger, die auf den Schwarm statt auf Fondsmanager oder Finanzberater setzen wollen, finden im Social Investment ein neuartiges Werkzeug für ganz neue Strategien. Wer sich nur zu den Märkten informieren und sein Portfolio in einer mobilen Variante immer dabei haben will, kann aus einer wahren Fülle an Apps auswählen.

Darüber hinaus bietet fast jeder größere Online-Broker mittlerweile auch eine App für vollwertiges Trading an. Wie bei jeder Geldanlage sollte man sich allerdings der Risiken bewusst sein. Selbst gut informierte Nutzer sind nicht vor Verlusten sicher.

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