Augmented & Virtual Reality

Smartwatch gefällig? Vom Kritiker zum Fan

Luca Caracciolo war ein Smartwatch-Gegner. Bis er sich auf einen Selbstversuch einließ – und schließlich überzeugt wurde. Seine Geschichte.

10.01.2016 Luca Caracciolo

Voll daneben ist mein Metier

Wenn man über Trends und Entwicklungen in der Technologie-Branche schreibt, über die Zukunft und das nächste große Ding, zugegeben, dann irrt man auch oft. Die wenigsten schauen nach ein paar Monaten oder Jahren noch mal nach, was wer zu welchem Trend geschrieben hat – und ob es eingetroffen ist oder nicht. Das ist eben auch Teil des Spiels: Diejenigen, die am lautesten die streitbarsten Thesen vertreten, finden in der Regel am meisten Gehör.

Ich habe mich in der Vergangenheit oft sehr weit aus dem Fenster gelehnt – und oft daneben gelegen. Ich habe auch sehr lange geglaubt, dass niemand smarte Uhren braucht und mich sogar zu der Überschrift hinreißen lassen, dass Apple mit der Apple Watch "erstmals in diesem Jahrtausend irrt" – nur um jetzt festzustellen, dass ich daneben lag – wieder einmal.

Eine Woche mit der Smartwatch "Pebble Time"

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Die Pebble Time – ein Tag mit der smarten Uhr reichte mir, um die Vorteile einer Smartwatch einzusehen. (Foto: Luca Caracciolo)

Ich habe eine Woche lang die neue Pebble – die Pebble Time – getragen. Für mich war es nämlich höchste Zeit, eine smarte Uhr im Alltag zu testen, um mir eine fundierte Meinung über Smartwatches zu bilden.

Es genügte ein Tag, um mir der Vorteile einer Smartwatch bewusst zu werden. Die vielleicht banalste Einsicht: die Uhrzeit jederzeit ablesen zu können. Denn es ist wirklich lange her, dass ich eine Armbanduhr getragen habe. Natürlich braucht man keine Smartwatch, wenn es nur um das Ablesen der Uhrzeit geht. Es ist jedoch ein hinreichendes Feature, um eine smarte Uhr zu tragen. Aber bekanntlich kann eine Smartwatch viel mehr.

3 Funktionen, die mich von der Smartwatch überzeugt haben

  • Die vielleicht nützlichste Funktion an einer Smartwatch ist die Anzeige von Notifications. Wenn man diese granular genug einstellt, so dass nicht alle fünf Minuten die Uhr vibriert, ist die Anzeige ein echter Mehrwert. Die Befürchtung, dass Träger einer Smartwatch vor lauter Mitteilungen ständig abgelenkt sind, kann ich nicht bestätigen. Wer auf seinem Smartphone für jede App Push-Notifications zulässt, hat auch ohne Uhr einen ständigen Störfaktor.
  • Die Musiksteuerung per Smartwatch ist ungemein angenehm. Ich höre viele Podcasts, und Play/Pause zu drücken oder die Lautstärke mal eben mit der Armbanduhr zu regulieren, ist sehr praktisch.
  • Navigation auf einer Smartwatch. Zugegeben, ich habe nur kurz eine Navigations-App auf der Pebble Time getestet, aber es fühlte sich extrem hilfreich an. Vor allem für Routen, die man zu Fuß geht, ist das schon eine enorme Erleichterung gegenüber dem klobigeren Smartphone.
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Navigieren auf einer Smartwatch wie die Apple Watch ist vor allem für Fußgänger eine enorme Erleichterung. (Foto: Apple)

Vergesst die Offline-Online-Trennung – Die Welt ist digital!

Diese Erfahrungen mit der Smartwatch hat mir zwei Dinge klar gemacht.

Erstens: dass wir in einer digitalisierten Welt leben, in der es kein "Online" und kein "Offline" als separate Lebenswelten gibt. Wenn ich über digitale Technologien mit Menschen kommuniziere, dann ist das eine sehr reale Sache. Wenn ich in sozialen Netzwerken meine Meinung äußere, hat das auch außerhalb der sozialen Medien einen Effekt. Diese Einsicht mag nicht sonderlich neu sein, aber die langwährende Ablehnung der Smartwatch als Produktkategorie zeigt mir, dass ich bisher meinen Alltag und meine Denkmuster unbewusst doch im gewissen Sinne nach diesen Strukturen geordnet habe.

Zweitens: dass wir neue Technologien, auch wenn wir sie im Hier und Jetzt nicht verstehen und ihren Bedarf nicht nachvollziehen können, nicht voreilig ablehnen oder ihre Legitimation in ihrer Frühphase in Frage stellen sollten. Es gibt einfach zu viele Beispiele aus der kurzen Internet-Historie, die beweisen, dass anfangs lächerlich erscheinende Dienste und Produkte ihren vollen Impact erst Jahre später entfaltet haben. Auch das Smartphone gehört dazu.

Und vielleicht auch die Smartwatch.

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