Artificial Intelligence

Sind Roboter die besseren Menschen?

Nicht nur, dass uns Roboter angeblich die Arbeitsplätze wegnehmen. Sie dringen in immer mehr Bereiche des täglichen Lebens ein. Aber ist das so schlimm?

26.02.2016

Die Roboter kommen – und zwar gewaltig. In immer mehr Tätigkeitsfeldern und Bereichen des täglichen Lebens übernehmen Maschinen nicht nur einfache Aufgaben, sondern durchaus komplexe Tätigkeiten, von denen sich bislang kaum jemand vorstellen mochte, dass sie einmal von Maschinen erledigt werden. Etwa Wärme und Zuwendung vermitteln, wie das Roboter-Robbenbaby „Paro“ , das in Japan zur Behandlung von Demenzpatienten eingesetzt wird.

Auto fahren , Operationen durchführen und sinnvolle Texte schreiben – all das ist mittlerweile längst maschinell möglich und entwickelt sich rasant weiter. Immer bessere, präzisere und vor allem menschlichere Automaten verändern zunehmend unsere Lebens- und Arbeitswelt. Fahrerlose Autos legen bereits heute Tausende von Kilometern zurück. Drohnen bevölkern den Himmel und kleine Roboter bauen mit einer Art elektronischem Termitengehirn so komplexe Gebäude wie ihre tierischen Vorbilder – ganz selbständig, ohne externe Steuerung und Programmierung. Basis für solche Innovationen ist vor allem das exponentielle Wachstum der Rechenkapazitäten. Hinzu kommen Technologien wie das mobile Internet. Lokale Netzwerke wie WLAN und Bluetooth sowie Sensoren, Minikameras, Navigationssysteme und Laser, gern auch alles miteinander kombiniert.

Zu viel Ähnlichkeit schadet nur
Das größte Abenteuer der Automatisierung bleibt jedoch die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Weil sie sich in Zukunft immer öfter im Alltag begegnen, beschäftigen sich längst auch Psychologen mit der Kommunikation zwischen beiden. Wie umgehen mit dem Partner Roboter? Besonders, wenn er uns auch emotional anspricht, wie die Roboter-Robbe Paro. Vor allem in Asien, weiß Medienpsychologin Martina Mara vom Ars Electronica Futurelab in Linz, gebe es viele Erfinder, die bereits an der Entwicklung möglichst menschenähnlicher Roboter arbeiten. Doch zu viel Ähnlichkeit, so verdeutlichen erste Experimente, ist dem Menschen gar nicht recht. Sie macht ihm sogar Angst.

Der Grund: Auch wenn die Gesichtszüge perfekt menschlich wirken, tut es die Mimik nicht. „Brüche zwischen Aussehen und Verhalten eines Roboters sind nicht leicht zu akzeptieren“, analysiert Martina Mara. „Wenn die Erwartungen, die wir aufgrund einer allzu menschlichen Optik hatten, durch einen verzögerten Wimpernschlag oder eine mechanische Ecke in der Bewegung zerschlagen werden, gruselt es uns oft geradezu.“ Auch deshalb haben viele Modelle überhaupt kein Gesicht. Der „Asimo“ von Honda, ein bekannter zweibeiniger Roboter, trägt eine Art Raumfahrerhelm mit dunklem Gesichtsfeld. Andere Modelle sehen aus wie Comic-Figuren mit stark vereinfachten Gesichtszügen.

Der Aus-Schalter als Herrschaftssymbol
Ein anderes Thema, das die Psychologen erforschen, ist die Angst vor Kontrollverlust. Wer beherrscht hier eigentlich wen? Diese Frage stellen sich manche Menschen schon bei ihrem Smartphone und sie potenziert sich mit dem Einsatz immer komplexerer Maschinen. Die Experten wissen: Um die Menschen zu beruhigen, ist es günstig, wenn Kollege Roboter den Kopf leicht geneigt hält und kleiner ist als sein menschliches Gegenüber. Hat er noch einen sichtbaren Aus-Schalter, ist die Machtfrage zumindest oberflächlich geklärt.

Damit eng verbunden ist das Thema Verantwortung: Wer trägt die Schuld, wenn unser Hausroboter beim Nachbarn die Scheiben einschmeißt? Oder wenn ein fahrerloses Auto einen Unfall verursacht? Tatsächlich ist, zumindest für den Straßenverkehr, die Rechtslage eindeutig. Sie geht allerdings davon aus, dass immer ein Fahrer anwesend ist. Danach liegt die Haftung grundsätzlich beim ihm, auch wenn das Navigationssystem Fehler macht. Die Zulassung von Fahrzeugen ohne Menschen an Bord dürfte folglich erst einmal eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Juristen werden.

Was, wenn Roboter tatsächlich besser sind?
Was aber, wenn sich herausstellen sollte, dass autonome Fahrzeuge weniger Unfälle verursachen als menschliche Fahrer? 3.340 Personen starben 2013 auf Deutschlands Straßen. Datenbanken und Simulationen der Hersteller zeigen schon heute, dass fast die Hälfte aller Unfälle durch automatische Systeme hätte vermieden werden können. Und in zehn Jahren? Tolerieren wir längerfristig, dass menschliche Fahrer mehr Unfalltote verantworten als maschinell gesteuerte Fahrzeuge? Und was würde der Einsatz solcher Techniken für die Arbeitswelt bedeuten? Werden dann 800.000 Lkw-Fahrer allein in Deutschland arbeitslos?

Doch so simpel solche Fragen klingen, die Antworten werden nicht einfach und geradlinig se in. Auch weiterhin, da sind sich die Experten einig, wird es einfache Tätigkeiten geben, für die Maschinen nicht geeignet sind. Dazu gehören Arbeiten wie Gräben ausheben oder Bettpfannen wechseln. Und dann ist da noch etwas, was uns die Maschinen nicht abnehmen können: das Konsumieren. Was auch immer mit Hilfe von Robotern schneller, billiger und effizienter hergestellt wird, muss irgendwann einmal verkauft werden. An Arbeitslose? Die ständig lächelnde Haushaltshilfe aus Blech jedenfalls kann nichts konsumieren. Sie braucht nur ab und zu eine neue Batterie.

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