Artificial Intelligence

Robots, Cyborgs & Sensors – Highlights vom IoT Kitchen Talk in Berlin

Die Zukunft des Internets der Dinge, Cyborgs mit implantierten Antennen im Kopf und Verkehrsleitsysteme von morgen - die erste gemeinsame Veranstaltung der CeBIT Global Conferences und Telefónica in Berlin bot einen aufregenden Ausblick auf das, was uns alle an Technologie in Kürze erwartet.

07.07.2016
IoT-Kitchen-Talk-17

Deutschland im Jahr 2025: In Fabriken kommunizieren Maschinen mit Maschinen, E-Mobile rollen auf App-Anforderung autonom zum gewünschten Ziel, und vernetzte Metropolen setzen ihre Infrastruktur so effizient und nachhaltig ein wie nie – dank Sensoren, die nicht nur die Verkehrslage überwachen, sondern sogar erkennen können, wenn im Stadtpark die Rosenbeete austrocknen. Das "Internet der Dinge", das alles mit allem verbindet, ist Wirklichkeit.

Nur der Mensch muss weiter mit fünf Sinnen auskommen – es sei denn, er entwickelt sich zum Cyborg wie Neil Harbisson. Der Ire, der seit seiner Geburt keine Farben sehen, sondern nur Grautöne wahrnehmen kann, war der Star beim "IoT Kitchen Talk" in Berlin, der von Telefónica und den CeBIT Global Conferences präsentiert wurde. Mit implantierter Antenne und Sensor kann er nun doch Farben wahrnehmen, konkret. Er hört sie.

Brisante Fragen am Küchentisch

Wo Mensch und Maschine immer näher zusammenrücken, bietet der Kitchen Talk ein vielversprechendes neues Format in zwangloser Atmosphäre – schließlich finden auch im privaten Umfeld besonders gute Gespräche oft in der Küche statt. Drei brisante Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung mit interessanten IoT-Showcases: "Wie funktioniert Kommunikation, wenn Mensch und Maschine interagieren?", "Bedeuten mehr Maschinen weniger Abgase?" und "Wie programmierbar wird unsere Gesundheit?"

null null

Verschmelzung mit der Technologie

IoT-Kitchen-Talk-20

Dabei ist das Internet schon weiter vorgedrungen, als viele ahnen. So trägt Neil Harbisson eine implantierte Antenne am Hinterkopf, der Sensor an der Spitze die Wellenlänge der Farben aufnimmt und sie als Töne über die Schädelknochen zum Innenohr überträgt. In seiner Keynote demonstrierte der Maschinen-Mensch eindrucksvoll, wie er mit dem "Eyeborg" Farben hört, die Normalsterblichen verborgen bleiben, weil sie zum nicht sichtbaren Spektrum gehören.

So hört Harbisson beispielsweise wie viel ultraviolette Strahlung bei starkem Sonnenlicht auf die Haut brennt – und ob er Sonnencreme nutzen sollte. Sogar Anrufe von fünf Freunden empfängt Harbisson direkt in seinem Gehirn. Und was kommt als nächstes, wenn man dank der Vernetzung in Kalifornien den Sonnenaufgang im australischen Melburn in seinem Kopf hören kann?

Harbisson arbeitet aktuell daran, mit einer weiteren Installation Zeit körperlich fühlbar machen – getreu seinem beim Kitchen Talk verkündeten Motto: "Die gesündeste Art, sich mit Technologie zu befassen, ist die Verschmelzung mit ihr!" Dabei soll eine Art Wärmepunkt um den Kopf laufen – einmal in die Runde dauert dann 24 Stunden.

Cyborg Live-Chipping

IoT-Kitchen-Talk-08

Den ersten Schritt konnten die zahlreichen Zuhörer im Telefónica Basecamp bei Digiwell wagen: Der Hamburger Biohacking- und Wearables-Spezialist pflanzte Interessierten im Rahmen eines "Cyborg Live-Chippings" einen NFC-Chip von der Größe eines Reiskorns zwischen Daumen und Zeigefinger ein.

"Unser Implantat eignet sich als Türöffner oder Passwortspeicher", erklärte Digiwell-Geschäftsführer Dr. Patrick Kramer. Für die Zukunft sieht er aber noch ganz andere Einsatzmöglichkeiten, etwa das Boarding im Flugzeug oder die Speicherung von Notfallinfos.

Smarte Innovationen

Eine riesige Chance bietet das "Internet der Dinge" für Städte und Gemeinden. Häuserfassaden, die den Smog fressen oder Sensoren, die freie Parkplätze melden, sind keine Utopie mehr. Ein aktuelles Projekt der South Pole Group mit Telefónica geht aber noch weiter: Mit einer smarten Auswertung der Verkehrsströme lässt sich die Schadstoffbelastung der Luft berechnen – und zwar wesentlich schneller, detaillierter und kostengünstiger als bisher. Die Basisdaten liefern Smartphones, die beim Telefonieren, Chatten oder Surfen mit den Mobilfunkzellen kommunizieren: "Wir testen die Smart Data-Technik in einem Pilotprojekt in Nürnberg", erklärte Chris Schröder, Solution Consultant M2M bei Telefónica.

Die South Pole Group zeigte zudem ihren intelligenten Thermostat tado, der die Standortinformationen von Smartphones, lokale Wettervorhersagen und intelligente Algorithmen nutzt, um Heizkosten zu sparen.

Weniger Abgase kann es aber nur mit weniger Verkehr geben – und mit wachsender Elektromobilität. Hier setzt das Berliner Start-up unu mit einem Elektroroller an. Das Besondere daran: Die Lithium-Ionen-Batterie ist mit einem Griff aus dem Fahrzeug entnehmbar und kann an jeder normalen Steckdose aufgeladen werden. Die Reichweite beträgt rund 50 Kilometer. Unter den Sitz passt noch ein zweiter Akku, sodass man mit dem coolen Roller bis zu 100 Kilometer emissionsfrei fahren kann. Unu-Mitbegründer Pascal Leonard Blum und sein Team arbeiten schon an weiteren Ideen: "Ich könnte mir beispielsweise gut ein Sharing-Konzept vorstellen."

Dass das IoT sämtliche Bereiche der Wirtschaft durchdringen wird, ist unter Experten unbestritten. Eine wichtige Rolle werden Anwendungen mit Augmented- und Virtual-Reality-Bezug spielen – sei es in der Logistik, im Bildungsbereich oder in der Entertainmentbranche. Die VRTX Labs aus Hannover stellten in Berlin eine Virtual Reality-Anwendung vor, mit der sich komplexe Internet-Daten in Echtzeit als Hologramm darstellen lassen – zum Beispiel in einem Konferenzraum. Ursprünglich für Computerspiele entwickelt, soll die intelligente Technik Führungskräften bei der Entscheidungsfindung helfen.

Bereits auf der CeBIT im Frühjahr war der Raubsaurier Tristan aus dem Berliner Naturkundemuseum als Augmented Reality-Showcase zu erleben. Auch beim Kitchen Talk hatte das Reptil von shoutr Labs einen vielbeachteten Auftritt. Das Unternehmen arbeitet bereits an weiteren vielversprechenden AR-Anwendungen für Smartphones und Tablets – etwa der Einspiegelung virtueller Informationen in Konstruktionszeichnungen oder antiken Gemälden.

Einen etwas anderen Blick auf die Kunst offenbart ArtGuardian: Das Unternehmen will wertvolle Bilder, die auf stabile mikroklimatische Bedingungen angewiesen sind, mit M2M-Technologie schützen, damit bei einer Ausstellung, während des Transports oder im Depot keine Schäden entstehen können. Das Sensorsystem erfasst permanent alle vorab festgelegten Größen wie Temperatur, relative Luftfeuchte, Beleuchtungsstärke und Erschütterungen. Kommt es zu Abweichungen, wird eine Meldung ausgegeben.

Dass eine amerikanische Firma Schuhsohlen mit dem Internet verbindet, mutet zunächst wie ein Scherz an. Die GPS SmartSole der GTX Corp. ist aber alles andere als ein Fitness-Gadget: Das intelligente Ortungssystem mit Mobilfunkchip soll Schutzbedürftige wie verirrte Demenz-Patienten wiederfinden, bevor ihnen etwas zustößt – ein überaus sinnvolles IoT-Wearable für den Gesundheitssektor. Der live aus den USA zum Kitchen Talk zugeschaltete CEO der GTX Corp., Patrick Bertagna, weiß als Vordenker im Wearables-Markt aber auch, worauf es den meisten Kunden ankommt: "Sie wollen, dass man das Produkt diskret tragen kann – und sie wollen es nicht ständig aufladen müssen."

Mit dem allzeit verfügbaren Highspeed-Netz wird die Kommunikation zweifellos noch schneller. Die OpenTok Plattform von TokBox ermöglicht Unternehmen, in Echtzeit aktuelle Audio- oder Videoinhalte in ihre Websites oder Mobile-Apps einzubinden. Allerdings möchte längst nicht jeder "always online" sein. Auch das ist eine Erkenntnis dieses herausragenden Events. So hat das deutsche Start-up Offtime eine App zum Abschalten entwickelt, mit der sich die Smartphonenutzung überprüfen lässt, um sie bei Bedarf auf wenige Kontakte oder Anwendungen zu reduzieren. Und Prof. Fabian Hemmert vom Design Research Lab der Berliner Universität der Künste, der die Smartphones der Zukunft "lebendiger" machen will, indem sie ihre Form verändern können, meinte: "Wir haben heute eine geradezu innige Beziehung zu unseren Handys. Wir sollten auch mal loslassen können, sonst werden wir wie Darth Vader."

Artificial Intelligence Internet of ThingsAugmented & Virtual Reality RSS Feed abonnieren