Augmented & Virtual Reality

Research & Innovation: einfallsreiche Wissenschaft

Die Bandbreite der Exponate in Halle 6 reicht vom 3D-Smartphone über Konstruktionsroboter bis zum Steckdosen-Sharing.

09.03.2016
Research & Innovation

Nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell hat die CeBIT 2016 einiges zu bieten. Mit einigen besonders überraschenden Exponaten wartet naturgemäß der Bereich "Research & Innovation" auf.

So lässt sich in Halle 6 am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand ein kleines, pyramidenförmiges Accessoire beobachten, das Multimedia-Inhalte aus der Zweidimensionalität eines gewöhnlichen Bildschirms befreit und dreidiminensional erfahrbar macht. "JUWL erweitert jedes Touch-Device in eine 360° interaktive Hologramm-Illusion. So lassen sich digitale Welten ganz neu erleben", erklärt die Designerin Jacqueline Hen, die JUWL am Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) entwickelt hat.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gibt sich ebenfalls nicht mit Touch-Displays zufrieden. Mit der neuen KIT-Software Kinemic lassen sich PCs, Smartphones und Datenbrillen freihändig steuern - durch simple Gesten oder das einfache Schreiben der Wörter in die Luft. Dabei werden die Hand- oder Armbewegungen von einem Sensorarmband oder einer Smartwatch erfasst und automatisch in Kommandos und Texte übersetzt.

Auf Gesten und Sprachbefehle reagiert auch ein neuer Monitor, mit dem das Fraunhofer HHI (Heinrich-Hertz-Institut) die Abläufe in sensiblen Krankenhausbereichen optimieren soll. Der Bildschirm zeigt übersichtlich die Daten aller angeschlossenen medizinischen Geräte und lässt sich berührungslos steuern. Damit sinkt die Gefahr einer Übertragung von Krankheitserregern.

Was der Einsatz digitaler Technologien bei der Konstruktion von Gebäuden möglich macht, zeigt der "In situ Fabricator" der ETH Zürich aus dem CeBIT-Partnerland Schweiz: Das mobile Robotersystem transferiert die Leistungsfähigkeit und Flexibilität einer digitalen Fabrikation direkt auf die Baustelle. Auch den CeBIT-Stand der Hochschule hat der "In situ Fabricator" konstruiert.

Mit fliegenden Robotern beschäftigt sich die Technische Hochschule Wildau. In Halle 6 zeigen die Forscher ihr Konzept für eine Drohne, die mit modernster Technik zur Partikel- und Schadstoffmessung ausgestattet ist, um Einsätze unter extremen Umweltbedingungen zu fliegen. In einem weiteren Projekt wird ein Fluggerät für die Landwirtschaft entwickelt, das große Ackerflächen überwachen kann.

Im Rennen um den prestigeträchtigen CeBIT Innovation Award 2016 haben sich drei junge Forscherteams für das Finale qualifiziert. Die Preisträger werden im März in Hannover ausgezeichnet und stellen am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ihre Projekte vor. ActiWait von der Urban Invention GbR ist ein interaktiver Aufsatz für einen Signalanforderungstaster an Fußgängerampeln, der nicht nur die Verkehrssicherheit erhöht, sondern auch als WLAN-Hotspot genutzt werden kann. Mit climbtrack vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz können Klettersportler mit geringem Aufwand ihren Trainingsfortschritt analysieren und dokumentieren. Darüber hinaus ermöglichen Augmented-Reality-Lösungen eine spontane Definition von Kletterrouten. Der von zwei Bonner Informatikstudenten entwickelte Cryptomator ist die erste zuverlässige, clientseitige Open-Source-Verschlüsselung für den Cloud-Speicher, die plattformunabhängig einsetzbar ist und sich auch für technisch weniger erfahrene Nutzer eignet.

Wie die Produktion in einer smarten Fabrik aussehen kann, demonstriert das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Ein Lego-Showcase zeigt den Einsatz von Methoden des Geschäftsprozessmanagements im Kontext von Industrie 4.0. Zunächst wird ein flexibler Prozess für die Fertigung von Traktoren in mehr als 30 Varianten geplant. Davon ausgehend erfolgt die vollautomatisierte Steuerung und Überwachung der tatsächlichen Produktion in einem cyberphysischen System. Unter Berücksichtigung menschlicher Arbeitsschritte wird der Fertigungsprozess in Echtzeit am Modell visualisiert und analysiert, um unmittelbar auf mögliche Fehler reagieren zu können.

Mit der Cloud-Lösung Flutaro möchte die Universität Potsdam auf dem Innovationsmarkt Berlin-Brandenburg die Prozesse in der Logistik automatisieren. Wenn sich die Tourenplanung einfach und kontinuierlich an neue Ereignisse anpasst, lassen sich Leerkilometer verringern, Kosten sparen und Ressourcen schonen. Zusätzlich ermöglicht die Plattform die Vernetzung verschiedener Logistikunternehmen.

Ein automatisiertes Software-Tool, das Vertriebsmitarbeiter an potenzielle Kunden heranführt, haben die Wissenschaftler des Hasso-Plattner-Instituts entwickelt. Es identifiziert potenzielle Geschäftskunden anhand ihrer Beiträge in sozialen Netzwerken oder Foren. Die Social Media Suite sucht selbstständig nach verkaufsrelevanten Beiträgen und ordnet sie potenziellen Interessenten und Produkten zu.

Ein Problem der E-Mobilität geht das Projekt CrowdStrom am Gemeinschaftsstand der Hochschulen NRW an: die geringe Zahl an Ladesäulen. CrowdStrom entwickelt Technologien und Geschäftsmodelle, damit private Elektromobilisten ihre Steckdose in der Garage während ihrer Abwesenheit öffentlich zugänglich machen können.

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena hat ein Konzept für den Nutzverkehr mit Elektrofahrzeugen entwickelt. Die E-Telematik-Lösung besteht aus einer Kommunikationshardware, die fahrzeugspezifische Betriebsdaten bereitstellt, einer mobilen Anwendung, die den Fahrer über anstehende Aufgaben informiert, und einer Systemeinheit, die Betriebsdaten protokolliert, Abläufe definiert und Reichweitenprognosen bereitstellt. Das Projekt tritt gemeinsam mit wissenschaftlichen Einrichtungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unter dem Motto "Forschung für die Zukunft" in Halle 6 an.

Augmented & Virtual Reality Research & Innovation RSS Feed abonnieren