Digitale Transformation

Reißt die digitalen Mauern ein

Die Digitalisierung der Logistik soll Unternehmen Zeit und Lagerkosten sparen – und ihnen dadurch einen Vorteil im globalen Wettbewerb verschaffen. Wie das funktionieren kann, zeigt das Forschungsinstitut für Rationalisierung der RWTH Aachen mit seinem Logistik-Demonstrator auf der CeBIT.

12.03.2015
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Im Bereich Logistik sehen Unternehmen durch die Digitalisierung großes Entwicklungspotenzial. Die Stichworte lauten "Smart Factory" und "Connected Supply Chain": Physische und digitale Welt verschmelzen, indem beispielsweise Bauteile mit Computerchips ausgestattet werden. Die gespeicherten Informationen machen das Bauteil zum "intelligenten Werkstück", das seinen Bearbeitungszustand kennt und weiß wo es sich gerade befindet: Es kann sich mit Maschinen darüber abstimmen, wann es welchen Fertigungsprozess durchläuft.

Dadurch werden Produktions- und Transportabläufe zeitlich optimiert, der Lagerbedarf sinkt und die Kosten reduzieren sich. Das wiederum macht es möglich, auf individuelle Kundenwünsche einzugehen, weil sich fortan auch kleinere Produktionsmengen bis hin zur Losgröße 1 rechnen sollen. Unternehmen, die so dem Kosten- und Termindruck des globalen Wettbewerbs begegnen, scheinen zukunftsfähig.

EDI-Standards als Voraussetzung

80 Prozent der Industrieunternehmen wollen bis 2020 ihre Wertschöpfungsketten digitalisiert haben. Das ergab eine Befragung von 235 deutschen Industrieunternehmen durch PricewaterhouseCoopers und Strategy&. Bisher ist lediglich ein Viertel so weit. Doch in vielen Fällen könnten die Unternehmen sogar noch einen Schritt weiter gehen, als nur die internen Abläufe digital zu optimieren. Das zeigt ein Blick auf die Automobilbranche: 250 Systemlieferanten wirken beispielsweise an der Produktion eines BMW der 7er-Baureihe mit, hat das Magazin CIO nachgerechnet. 78 Prozent der Wertschöpfung an Pkw leisten angeblich bereits Zulieferer, nur 22 Prozent der Hersteller selbst. Um das Potenzial der Digitalisierung in solchen Fällen optimal zu nutzen, muss auch der Informations- und Materialfluss zwischen Händlern, Produzenten und Zulieferern digital optimiert werden

Der nächste Schritt wäre folglich, die digitalisierten Wertschöpfungsketten unternehmensübergreifend zu verbinden. Bedingung dafür: der direkte Austausch aller Informationen zwischen den IT-Systemen der Beteiligten. Aber dafür müssten alle Schnittstellen über dieselben Standards verfügen und miteinander kommunizieren können. Und das ist eine Herausforderung.

Der Logistik-Demonstrator 2.0

Wie der optimale Informationsfluss aussehen könnte, zeigte das Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) der RWTH Aachen bereits 2012 auf der CeBIT. In diesem Jahr ist das FIR mit dem Nachfolger, dem Logistik-Demonstrator 2.0, in der Messehalle 5 vertreten. Das Nachfolgemodell konzentriert sich statt auf den Informations- auf den Materialfluss: Bei dem Logistik-Demonstrator 2.0 handelt es sich um eine Kugelbahn, mit der Produktionsabläufe veranschaulicht werden, die mithilfe moderner IT und Sensorik automatisiert wurden. Schnittstellenprobleme gibt es hier keine mehr.

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