Industrie 4.0

Prozesse für Industrie 4.0

Europas Industrie muss sich jetzt den Herausforderungen von Industrie 4.0 und IoT stellen. Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen und Prozessen gilt es viele Aspekte zu beachten.

06.02.2017 Robert Strobl

Geschäftsprozesse & Enterprise Architecture

Prozesse Industrie 4.0
Industrie 4.0 und IoT stellen etablierte Geschäftsmodelle und Prozesse vor neue Hürden. (Foto: Montri Nipitvittaya / Shutterstock.com)

Die zunehmende Digitalisierung und die Vernetzung der realen mit der digitalen Welt bringen große Veränderungen mit sich – im Alltagsleben, aber auch im Business. Die nächste industrielle Revolution ermöglicht neue Geschäftsmodelle – und zwingt die Unternehmen erneut dazu, ihre Kern- und Support-Prozesse zu optimieren.

Geschäftsprozessanalysen und -entwürfe müssen in Zukunft über die internen Unternehmensgrenzen hinaus konzipiert werden. Da Plattformen einen Grundpfeiler von Industrie-4.0-Ökosystemen bilden werden, gilt es, die Unternehmensstrategien mit neuartigen Geschäftsmodellen und den daraus resultierenden End-to-End-Service­Prozessen in Einklang zu bringen.

Die gesamte Geschäftsarchitektur soll einen analytischen und ganzheitlichen Überblick über alle relevanten Kundenbeziehungen, Partner auf den Plattformen und Wertschöpfungsketten zur Verfügung stellen. Neu gestaltete Geschäftsprozesse müssen die Aspekte der Produktindividualisierung, der flexiblen und effizienten Produktion bis zur Losgröße 1 und der Kopplung von Produktion und hochwertigen Dienstleistungen (Stichwort Predictive Maintenance) beinhalten. Dadurch wachsen die Anforderungen an die Managementsysteme: Sie müssen die Unternehmen noch besser darin unterstützen, ein transparentes, bereichsübergreifendes Verständnis der Zusammenhänge zwischen der Aufbau- und Ablauforganisation (Prozesse) und der verwendeten IT-Infrastruktur zu entwickeln.

Ein erster Schritt für eine erfolgreiche Strategie ist ein Besuch der CeBIT in Hannover im kommenden März. Neben klassischer Unternehmens-IT steht in den Hallen, bei den CeBIT Global Conferences und auch auf der Startup-Plattform SCALE11 die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle im Mittelpunkt.

Digitales Prozessmanagement

Ähnlich wie in der realen Welt müssen auch das Prozessmanagement und die Business-Process-Management-Plattformen digital werden und dürfen sich in Zukunft nicht nur auf die Abläufe und Organisationsmodelle innerhalb eines Unternehmens beschränken. Unter den Vorzeichen von Digitalisierung und Industrie 4.0 sind für eine umfassende Analyse und Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle und deren Prozesse folgende Aspekte zu berücksichtigen:

Compliance: Auch neuartige Geschäftsmodelle und die daraus resultierenden Prozesse müssen den rechtlichen und branchenüblichen Vorschriften genügen. Durch die Erweiterung der Geschäftsmodelle in Richtung Service-Prozesse beziehungsweise Produktindividualisierung werden sogar noch mehr Compliance-relevante Vorschriften für die Unternehmen wichtig. Die Ordnung und Strukturierung der relevanten Compliance-Vorgaben, Auswirkungsanalysen auf Prozesse sowie die Gestaltung der Prozesse unter Einhaltung dieser Vorgaben müssen übersichtlich und kollaborativ möglich sein.

Risikomanagement und Interne Kontrollsysteme (IKS): Die Struktur und der Aufbau eines IKS werden durch die erhöhte Integration in der Wertschöpfungskette mit weiteren Partnern beziehungsweise bis zum Kunden noch komplexer.

Effektive Risikoaggregationsmechanismen und Auswertungen müssen den Unternehmen helfen, die wirklichen "weak points" identifizieren zu können und geeignete Gegenmaßnahmen zu treffen.

Messbarkeit: Gerade in der quantitativen Bewertung der Prozesse aus Sicht der Kunden muss eine Verbindung von der operativen Steuerung am "Shop Floor" mittels Sensoren und Feedback-Mechanismen in Richtung der taktisch-strategischen Ebene "Gesamtprozess und Wertschöpfungsnetzwerk" geschaffen werden.

Den relevanten Stakeholdern – von der Geschäftsführung bis zum Schichtleiter – müssen in den BPM-Plattformen die entscheidenden Kennzahlenauswertungen zielgruppengerecht zur Verfügung gestellt werden.

Projekt- und Maßnahmenmanagement: Die digitalen Technologien erlauben eine rasante und kontinuierliche Weiterentwicklung. Das heißt, auch nach einer initialen Umgestaltung der Geschäftsmodelle und Prozesse werden sich diese weiterentwickeln. Das hat eine Vielzahl gleichzeitiger Maßnahmen und Projekte zur Folge. Wenn diese wiederum nicht transparent mit den relevanten Assets und Artefakten verknüpft und den Verantwortlichen zugänglich sind, dann droht Chaos.

Verzahnte Enterprise-Architektur

Ähnlich anspruchsvolle Herausforderungen muss auch das verzahnte Enterprise Architecture Management (EAM) meistern: Cyber-physische Produktionssysteme (CPPS) werden das Herzstück der Industrie 4.0 sein. Technologische Enabler wie Ubiquitous- und Cloud-Computing sowie IoT müssen in die vorhandene IT-Architektur eingebunden werden. Wenn die durch Enterprise Architecture Management geschaffene Transparenz dazu genutzt wird, diese weiterzuentwickeln, zu steuern und zu überwachen, sollte eine Basis dafür gesetzt sein, in die IT-Architektur auch intelligente Produkte, Produktionsmittel und Produktionsanlagen miteinzubinden.

Durch das Internet der Dinge werden diese Objekte und Geräte in Zukunft in der Lage sein, selbstständig miteinander zu kommunizieren, ein- und ausgehende Daten zu analysieren sowie entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Gerade dadurch ergibt sich ein noch größerer Komplexitätszuwachs als bisher und die klassischen Teildisziplinen des Enterprise Architecture Managements müssen ein Fundament für eine erfolgreiche Einführung von Industrie-4.0-Komponenten bieten. Zentral ist dabei die Beantwortung folgender Fragen:

Business-IT Alignment:

  • Durch welche Applikationen werden die Geschäftsprozesse heute und zukünftig unterstützt?

Application Portfolio Management:

  • Welche Applikationen gibt es? Welche sind geplant? Wer ist dafür zuständig?
  • In welche Applikationen muss investiert werden?
  • Wie sieht der Anwendungslebenszyklus der Applikationen aus?
  • Welche Schnittstellen gibt es? Wer verwendet diese?

Master Data Management:

  • Über welche Schnittstellen fließen welche Datenobjekte?
  • Wo wird das "Golden-Source-Prinzip" (klare Datenhoheit) verletzt?

Technology Portfolio Management:

  • Was sind die empfohlenen Technologien und Plattformen?
  • Welche Applikationen betrifft ein Technologiewechsel?

Geschäftsprozessmanagement-Lösungen, die alle hier beschriebenen Anforderungen an Next Generation BPM und EAM erfüllen, helfen Unternehmen auf dem Weg zur Industrie 4.0.

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