E-Commerce

Paket im Anflug

Das Wettrüsten hat begonnen: Logistikriesen wollen Sendungen künftig per Drohne an ihre Kunden liefern. Doch haben die fliegenden Helfer eine reelle Chance, sich am Markt zu etablieren?

23.02.2016
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Gerade eben bestellt und nur wenige Stunden später ist die Lieferung schon da. Das Angebot von Same-Day-Delivery, also der Lieferung am Bestelltag, wächst. Das Beratungsunternehmen McKinsey erwartet bis 2020 in Westeuropa einen Marktanteil von drei Milliarden Euro und rund 15 Prozent des Umsatzes mit Standardpäckchen – heute sind es weniger als ein Prozent. Doch um den Trend in der Branche auch umzusetzen, sind neue Lieferwege notwendig. Eine vielversprechende Lösung ist die Drohne – doch kann diese ihr Versprechen auch halten?

Drohnenlieferung ab 2017?

Sicher scheint, dass die großen Onlinehändler längst auf den Zug aufgesprungen sind und künftig Lieferungen innerhalb kürzester Zeit per Drohne anbieten wollen. Der Online-Riese Amazon etwa plant den Lieferservice "Prime Air" . Es soll Päckchen mit bis zu 2,5 Kilogramm Gewicht über den Luftweg innerhalb von 30 Minuten zum Kunden bringen. Die Reichweite der Drohnen soll laut Amazon-Manager Paul Misener etwa 15 Kilometer betragen. Die zweite Generation der Amazon-Drohne wurde Ende des vergangenen Jahres vorgestellt .

Auch Google bzw. Alphabet verfolgt mit seinem Projekt "Wing" ähnliche Ziele. Im kommenden Jahr will der Konzern mit der kommerziellen Drohnenlieferung beginnen. Die Entwicklung der kleinen Fluggeräte liegt derzeit bei Google X, dem Forschungslabor, in dem auch Google Glass entworfen wurde.

Der Paketkopter bleibt am Boden

In Deutschland stellte die Deutsche Post erst Ende Januar die dritte Generation des "DHL Paketkopters" vor. Mit einer Geschwindigkeit zwischen 70 und 130 Kilometern pro Stunde soll die Post-Drohne 3.0 in sechs bis neun Minuten acht Kilometer zurücklegen. Auf eine Vorführung wurde bei der Vorstellung aus wettertechnischen Gründen jedoch verzichtet. Wie weit die Technik also fortgeschritten ist, bleibt damit vorerst unklar. Die Entwicklung ist offenbar auf einem guten Weg. Im Vergleich: Das Vorgängermodell Paketkopter 2.0 flog 40 Mal zwischen der deutschen Nordseeküste und der Nordseeinsel Juist hin und her. Für die 12 Kilometer benötigte die Drohne je nach Wetterlage rund 16 Minuten.

Wann die erste Lieferung per Drohne jedoch tatsächlich zugestellt wird, steht noch in den Sternen. Das hat mehrere Gründe: Einerseits ist die Technik noch nicht vollends ausgereift – besonders die Entwicklung von Drohnen, die Gegenständen automatisiert ausweichen, steckt noch in den Kinderschuhen. Doch besonders auch am Gesetz scheitert der kommerzielle Einsatz. Denn das haben sämtliche Drohnen-Visionen gemein: Noch widersprechen sie den Vorstellungen der zuständigen Flugbehörden.

Eine Herausforderung für das Gesetz

Während in Deutschland die private Nutzung einer Drohne bis fünf Kilogramm noch ohne Lizenz möglich ist, benötigt man für die kommerzielle Nutzung eine Sondergenehmigung der zuständigen Landesbehörde. Persönlichkeitsrecht, aber auch Haftpflicht sind nur einige Schlagworte, die im Zusammenhang mit Drohnen erst neu bewertet werden müssen – immerhin sind die fliegenden Paketzusteller mit Kameras ausgerüstet und verursachen beim Absturz möglicherweise schwere Schäden. Daher herrscht in manchen Städten bereits Flugverbot. Eine große Herausforderung ist insbesondere das Thema Steuerung: Bewegt sich eine Drohne außerhalb des Sichtfelds des Piloten, ist nicht sichergestellt, dass das Gerät standardmäßig und gesetzeskonform ausweicht.

Eng verbunden mit der rechtlichen Frage ist auch die Straßenverkehrsordnung: Wo soll sich der Drohnenverkehr abspielen? Dafür hat Amazon bereits im vergangenen Jahr eine Lösung vorgeschlagen: Lieferdrohnen fliegen in einem festgelegten Korridor mit Sicherheitsabstand zum regulären Luftraum. Nur Drohnen, die gewisse Standards erfüllen, dürften diesen auch nutzen. Für eine mögliche Überwachung arbeiten Amazon und Google bereits mit der NASA zusammen. Diese könnte beispielsweise über Mobilfunkmasten laufen.

Zukunftsvision oder schon bald Wirklichkeit?

Sind Drohnen also die neuen, fliegenden Päckchenboten? Geht es nach den Versandriesen, ist die Vorstellung nicht mehr allzu weit von der Realität entfernt. Dennoch ist die Technik noch unausgereift. Auch in Hinblick auf die aufkommenden Gesetzesfragen zeichnet sich noch kein eindeutiger Kurs bei den zuständigen Behörden ab. Und last but not least stellt die Technologie nicht nur die Unternehmen, sondern auch Konsumenten vor eine enorme Kostenfrage. Wie viel ist der Kunde bereit, für einen solchen Service zu bezahlen – und steht das wiederum im Verhältnis zu Nutzen und Aufwand? Damit die Online-Bestellung eines Tages innerhalb von 30 Minuten per Drohne zugestellt wird, per GPS-Ortung auch unterwegs, ist also noch einiges zu tun.

Die Technik jedoch wird jetzt entwickelt – und hat einen wahren Kreativitätsrausch in den Forschungsabteilungen ausgelöst. Die Ergebnisse und vielversprechende Prototypen entdecken Besucher des Dronemasters Summit im Rahmen der CeBIT 2016 . Der Event verbindet Fachausstellung, Konferenz, Flugshows und Drone-Racing und bringt Hersteller, Dienstleister und Investoren zusammen.

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