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OpenStack: Wie offen ist die Zukunft der Cloud-IT?

Wenn Unternehmen eine private oder hybride Cloud aufbauen wollen, führt kaum ein Weg an OpenStack vorbei. Dabei war das Cloud-Betriebssystem noch vor drei Jahren nur das Hobby einiger Wissenschaftler. Wie die Zukunft aussieht, diskutiert OpenStack-Mitgründer Cole Crawford auf der CeBIT.

09.12.2015

Ohne Cloud-Computing geht nichts mehr. Das dürfte mittlerweile bei allen Unternehmen angekommen sein, die auch nur ansatzweise mit IT zu tun haben. Die Frage, welche Cloud-Lösung zum Einsatz kommt, ist da schon schwieriger zu beantworten. Für Unternehmen, die auf eine Private Cloud oder eine Hybridlösung setzen, ist das „Betriebssystem“ OpenStack aktuell das Maß der Dinge. Dabei handelt es sich nicht um ein monolithisches Programm, sondern um einen ganzen Baukasten an Lösungen, die allesamt Open Source entwickelt wurden und demnach kostenlos zugänglich sind. Wer die Lösung produktiv einsetzt, kann entweder auf die frei verfügbare Variante oder auf erweiterte Umgebungen verschiedener Anbieter mit mehr Funktionen zurückgreifen, die auch Support bieten. Die große Variabilität ist vermutlich auch der Grund für die steile Karriere des Lösungsportfolio.

Noch vor wenigen Jahren führte OpenStack mehr oder weniger ein Schattendasein. Ins Leben gerufen von der NASA und dem Hosting-Anbieter Rackspace kümmerten sich zunächst nur wenige Spezialisten um die Entwicklung des Lösungspakets, das verschiedene Komponenten zur Verwaltung und Automatisierung von Cloud-Computing-Anwendungen beinhaltet. Doch innerhalb der vergangenen vier Jahre entwickelte sich der Baukasten zum führenden Instrument für Private-Cloud-Lösungen.

Offene Software, offene Hardware

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Die Gründe dafür sind vielfältig: Durch den offenen Quellcode sind die verschiedenen Anwendungen kostenlos und unabhängig von Herstellern, OpenStack unterstützt beliebige Hardware und verspricht volle Kontrolle über die Cloud-Infrastruktur im eigenen Datacenter. Kurz zusammengefasst gibt OpenStack Administratoren alle Werkzeuge an die Hand, die sie für den Betrieb einer Cloud-Computing-Umgebung benötigen – und das macht das Lösungspaket attraktiv für Unternehmen. So basiert etwa die Cloud-Infrastruktur des CERN, der europäischen Organisation für Kernforschung, und der Wikimedia Foundation, dem Betreiber des Online-Lexikons Wikipedia, auf OpenStack-Komponenten.

Auch Facebook setzte beim Aufbau skalierbarer Rechenzentren auf offene Cloud-Infrastrukturen . Um deren Entwicklung voranzutreiben, hat das Unternehmen zudem das Open Compute Project ins Leben gerufen. Daraus soll die technische Plattform werden, auf der künftig OpenStack-Architekturen laufen.

Doch weder OpenStack noch Open Compute sind für jedes Unternehmen die richtige Wahl. Tatsächlich entbrennt derzeit eine spannende Debatte über das Für und Wider offener Cloud-Strukturen. Einer der Befürworter ist Cole Crawford, Mitgründer von OpenStack. In einer Keynote auf der CeBIT 2016 will er erklären, warum die Zukunft des Cloud-Computing nicht auf proprietären

Kritiker führen ins Feld, dass OpenStack mittlerweile äußerst komplex geworden ist. „Wer sich nicht schon tiefgreifend mit Clouds beschäftigt hat, kann kaum nachvollziehen, worum es bei der inzwischen sehr populären und riesigen Softwaresammlung eigentlich geht“, sagt Martin Gerhard Loschwitz , Cloud Architect beim Hosting-Anbieter SysEleven. Zudem sind die einzelnen OpenStack-Komponenten unterschiedlich ausgereift. Unternehmen müssten daher immer wieder einzelne Komponenten durch andere, zum Teil auch kommerzielle, Lösungen ersetzen. In einer Untersuchung von Crisp Research vermissten außerdem 32 Prozent der Befragten, die Verfügbarkeit qualifizierter Dienstleister und Integratoren.

Ist die Zukunft der Rechenzentren und der Unternehmens-IT also offen oder geschlossen? Die Argumentation beider Seiten wird härter, klare Ansagen sind nötig. Auch aus diesem Grund widmet die CeBIT 2016 dem Thema Open Source eine eigene Bühne: die StackingIT-Stage im Rahmen der Konferenz DataCenterDynamics CONVERGED in Halle 12.

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