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Online-Shops in der Cloud

Mehr und mehr Unternehmen verlagern ihr E-Commerce-Backend in die Cloud. Wir zeigen, welche Vorteile die Auslagerung mit sich bringt und worauf es dabei zu achten gilt.

05.01.2017 Ingrid Schutzmann

Hosting

Online-Shops Cloud
Wer seinen Online-Shop in die Cloud verlegt, kann flexibler auf Lastspitzen reagieren. (Foto: Plusserver)

Cloud-Computing wird in deutschen Unternehmen zunehmend populär. Das macht sich auch in den E-Commerce-Backends bemerkbar. Beispiele für einen verstärkten Einsatz der Public-Cloud-Infrastruktur im Online-Handel gibt es einige: So hat der Shop-Software-Anbieter Prestashop gerade angekündigt, dass seine E-Commerce-Lösung nun auch in der Microsoft-Cloud Azure verfügbar ist. Die vorkonfigurierte Infrastruktur, erhältlich über den Microsoft Azure Marketplace, installiert sich automatisch und ist sofort einsatzbereit. Das Angebot wendet sich an Unternehmen, die zu bestimmten Zeiten besonders viele Besucher im Shop haben und flexibel darauf reagieren möchten. "Eine der Hauptsorgen von Händlern, die ihr Online-Geschäft erweitern, ist die Performance ihres Shops", erklärt Corinne Lejbowicz, CEO von Prestashop.

Hagen Meischner, Country Manager Deutschland bei Prestashop, ergänzt, dass Kunden zum einen von der Flexibilität und der Verfügbarkeit der großen Cloud-Dienstleister wie Microsoft Azure profitieren wollen. Zum anderen können internationale Shops ihre Ladezeit verbessern, weil die IT-Infrastruktur, auf der der Shop läuft, näher bei den Verbrauchern in den jeweiligen Märkten ist. Meischner ist überzeugt, dass gerade im internationalen E-Commerce-Umfeld der Trend hin zur Cloud-Nutzung geht. Einer der ersten Kunden ist der französische Fußballverein Olympique Lyon, der seinen Online-Shop für Tickets und Merchandising mit Prestashop auf Microsoft Azure betreibt.

Ein weiteres Beispiel ist Magento. Das Unternehmen hat im April dieses Jahres die Magento Enterprise Cloud Edition gestartet. Sie läuft auf Amazon Web Services (AWS). Die Cloud-Infrastruktur von Amazon nutzt seit 2015 auch der Shop-Software-Anbieter Plentymarkets. Die Nachfrage kam von Kundenseite, berichtet Plentymarkets-Geschäftsführer Jan Griesel. Shops können mit Amazon Web Services flexi­bler auf Wachstum reagieren, argumentiert er. Plentymarkets-Kunden wählen, ob sie einen "klassischen" Hosting-Provider oder Amazon Web Services nutzen wollen. Beim Wechsel auf AWS unterstützt sie Plentymarkets mit einem automatisierten "Umzugsservice".

Die Cloud bietet viele Vorzüge

Warum das E-Commerce-Backend künftig stärker in die Cloud wandert, erklärt die Studie "E-Commerce-Hosting im Cloud-Zeitalter", die das Beratungsunternehmen Crisp Research im Auftrag der Plusserver GmbH durchgeführt hat. Kundenanforderungen und neue Technologietrends erfordern von Online-Händlern eine hohe Innovationsfrequenz. Die IT-Infrastruktur ist ein Grundbaustein für ein wachsendes Online-Geschäft. Für den Betrieb des Shops in der Cloud spricht, dass bei Lastspitzen neue Instanzen (Rechenleistung) hinzugeschaltet werden können. Die Ausfallsicherheit ist sehr hoch, Release-Zyklen sind kurz und die Abrechnung erfolgt nutzungsabhängig. Die Berater von Crisp Research sind der Ansicht, dass die heutige Reife der Cloud-Modelle als gute Grundlage für leistungsfähige E-Commerce-Szenarien angesehen werden könne. "Die E-Commerce-Unternehmen werden zunehmend auf Cloud-Computing und Managed Services setzen, um hinsichtlich Infrastruktur, Sicherheit und Applikationen wettbewerbsfähig zu bleiben", so die Studie.

Einer der Hauptgründe, warum Unternehmen bislang zögerten, Daten und Dienste auszulagern, waren Sicherheitsbedenken. Umfragen zeigen immer wieder, dass Unternehmen befürchten, keine Kontrolle darüber zu haben, wo ihre sensiblen Daten liegen und wer auf sie Zugriff hat. Diese Bedenken wurden mit dem Aufdecken des NSA-Skandals sicherlich weiter angefacht. Deutsche Rechenzentren betonten und betonen immer wieder ihren Standortvorteil gegenüber den großen US-amerikanischen Cloud-Anbietern: Als deutsche Unternehmen unterliegen sie den deutschen beziehungsweise europäischen Datenschutzgesetzen. Doch in den vergangenen Jahren haben auch die US-Anbieter reagiert.

Hiesige Rechenzentren

Im Oktober 2014 hat Amazon Web Services eine "Region" in Frankfurt am Main eröffnet. Die Amazon-Cloud ist weltweit in zwölf Regionen aufgeteilt. Jede AWS-Region besteht aus zwei bis fünf "Availability Zones" mit einem oder mehreren Rechenzentren. Die Frankfurter Zone ist die zweite europäische Region. Bereits seit 2007 betreibt AWS eine Region in Dublin, Irland. Eine dritte europäische Region soll noch in diesem Jahr in London eröffnet werden.

Amazon Web Services startete vor zehn Jahren als Speicherdienst. Heute bietet das Unternehmen mehr als 70 verschiedene Dienste wie Speicher, Datenbanken, Analysemöglichkeiten, Server für mobile Anwendungen und Unternehmenssoftware an.

Seit dem ersten Quartal 2015 weist Amazon.com Inc. das Geschäft von Amazon Web Services im Geschäftsbericht gesondert aus. Im ersten Quartal des laufenden Jahres erwirtschaftete AWS einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar. AWS ist laut der Studie "Die deutsche Internetwirtschaft 2015–2019" der führende Public-Cloud-Anbieter mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent in Deutschland.

Microsoft setzt auch auf lokale Rechenzentren

Auch Microsoft bietet seine Cloud-Dienste Azure, Office 365 und Dynamics CRM Online seit Anfang Oktober aus Rechenzentren in Biere bei Magdeburg und Frankfurt am Main an. Der Datenaustausch zwischen den beiden Rechenzen­tren läuft über ein privates, vom Internet getrenntes Netzwerk, damit der Verbleib der Daten in Deutschland gesichert ist. Microsoft Cloud Deutschland heißt dieses lokale Angebot, das sich an Organisationen und Unternehmen in datensensiblen Bereichen wie dem Finanz- oder dem Gesundheitssektor wendet. Die Telekom-Tochter T-Systems kontrolliert als Datentreuhänder den Zugang zu den Kundendaten.

Durchbruch für Cloud-Computing

Während deutsche Unternehmen bislang vor allem Private Clouds installierten, sprich: aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen ihre IT-Anwendungen selbst betrieben und ihren Mitarbeitern über ein unternehmensinternes Netz zugänglich gemacht haben, nimmt nun die Akzeptanz von Public-Cloud-Diensten zu. Die Studie "Cloud-Monitor 2016" von Bitkom Research und der Beratungsgesellschaft KPMG hat festgestellt, dass erstmals eine Mehrheit (54 Prozent) der Unternehmen Speicher, Rechenleistung oder Software aus der Cloud beziehen.

Nicht nur große Firmen verlagern ihre IT-Infrastruktur oder Teile davon in die Cloud und beziehen Software-Anwendungen aus ihr, auch kleine und mittelständische Unternehmen springen auf den Zug auf. Der starke Anstieg in der Nutzung ist laut Umfrage fast ausschließlich auf kleinere sowie mittelgroße Unternehmen zurückzuführen. "Der Mittelstand hat seine Zurückhaltung beim Cloud-Computing endgültig abgelegt", kommentiert Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research. "Das vergangene Jahr markiert den Durchbruch für Public-Cloud-Computing in der Wirtschaft", betont er. Unternehmen erkennen offenbar die Vorteile, die die Verlagerung der IT-Infrastruktur in die Cloud mit sich bringt.

Hosting-Dienste in der Cloud

Auf den Trend zum Cloud-Computing reagieren auch Hosting-Anbieter wie 1&1. Das Unternehmen arbeite daran, sämtliche Hosting-Dienste über eine cloudbasierte Plattform anbieten zu können, sagt Robert Hoffmann, CEO der 1&1 Internet SE. Die Herausforderung sei, die Kunden von den Vorteilen der Cloud zu überzeugen. "Realisieren lässt sich dies mit der Entwicklung von leistungsstarken, sicheren sowie einfach zu bedienenden Cloud-Lösungen", betont Hoffmann.

Er spricht einen Punkt an, auf den auch Carlo Velten, CEO von Crisp Research, hinweist: Aufgrund des "Self-Service-Prinzips" wird Cloud-Computing von vielen Unternehmen als komplex wahrgenommen. Crisp Research sieht deshalb den Trend zur "Managed Public Cloud". Dabei beauftragen Unternehmen externe Dienstleister, damit diese sich um ihre Infrastruktur und Applikationen in der Cloud kümmern. Künftig sei die intelligente Verzahnung von Private und Public Cloud sowie von unternehmensinternen und externen Diensten entscheidend, ist 1&1-Chef Robert Hoffmann überzeugt.

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