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NFC: Durchbruch im Mobile Payment?

Mobile Bezahlsysteme gibt es schon seit Jahren auf dem Markt. Durchsetzen konnten sie sich bisher nicht. Die Funktechnologie NFC tritt an, um das zu ändern.

09.02.2016

Drahtlose Übertragungstechnologien revolutionieren unseren Alltag und werden zu Schlüsseltechnologien für das Internet der Dinge. Der Übertragungsstandard Near Field Communication (NFC) setzt sich nun auch in Deutschland immer stärker durch. Die Besonderheit der Technik steckt schon im Namen: Nahfeldkommunikation funktioniert nur über eine kurze Distanz, die in der Regel maximal vier Zentimeter beträgt. Sowohl Behörden (mit dem ePersonalausweis) als auch Banken (mit Kreditkarten) nutzen den neuen Standard bereits. Denn NFC ermöglicht eine unkomplizierte und vergleichsweise sichere Kommunikation zwischen verschiedenen Komponenten.

Anwendung findet NFC außerdem im Bereich des eTicketing, wo es das Smartphone in eine Eintritts- oder Fahrkarte verwandelt. Auch Automobilhersteller setzten die Technik bereits erfolgreich ein, um Prozesse zu automatisieren. Über eine drahtlose NFC-Schnittstelle kann das Handy schnell und einfach mit Fahrzeugsystemen gekoppelt werden und so beispielsweise die Multimedia-Zentrale steuern. Auch wenn verschiedene Branchen bereits auf NFC setzten, stehen die Nutzer der neuen Technologie im Hauptanwendungsbereich noch kritisch gegenüber: beim bargeldlosen Zahlen mit dem Handy.

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Dranhalten genügt: Warum NFC anders funktioniert als Bluetooth und WLAN

Im Gegensatz zu Bluetooth oder WLAN ist NFC auf eine einfache, gesicherte Kommunikation zweier Geräte spezialisiert. Eine Funkverbindung kann durch bloße Annäherung zweier NFC-Partner hergestellt werden. Der Nutzer muss die Verbindung nur noch bestätigen, um eine Datenübertragung zu starten oder zwei Geräte miteinander zu koppeln. Lästige Schritte wie Gerätesuche, Geräteauswahl oder die Eingabe eines Codes entfallen. Die geringe Reichweite verhindert, dass sich ein fremdes Gerät aus der Ferne einloggen kann. Wäre NFC damit nicht perfekt, um größere Datenmengen schnell und einfach zwischen zwei Geräten auszutauschen? Leider nein. Denn die Übertragungsrate von NFC ist mit maximal 424 kBit/s sehr gering – und damit erheblich langsamer als Bluetooth oder WLAN. Doch genau das ist Absicht.

NFC: Bezahlen wie von Geisterhand

Die geringe Reichweite und Übertragungsrate sind wichtige Sicherheitsaspekte im Mobile Payment, die ganz bewusst entwickelt wurden. Denn im mobilen Bezahlen liegt nicht nur der Ursprung, sondern auch einer der Wachstumsmärkte der NFC-Technologie. Discounter treiben das kontaktlose Bezahlen voran, indem sie Filialen flächendeckend mit NFC-Kassen ausstatten. Kunden können mit einer NFC-fähigen Kreditkarte oder Smartphone dann quasi im Vorbeigehen bezahlen. In der Praxis funktioniert das allerdings nur bei Beträgen unter 25 Euro. Ist die Rechnung höher, wird von Mobile Payment Anbietern aus Sicherheitsgründen weiterhin eine Authentifizierung mittels PIN, Unterschrift oder Fingerabdruck eingefordert. Die eigentlichen Zugpferde des NFC Payment sind Unternehmen aus der Finanz- und Telekommunikationsbranche. Viele Banken geben an ihre Kunden bereits Debit- und Kreditkarten mit NFC-Chip aus, die den kontaktlosen Zahlvorgang ermöglichen. In Deutschland sind vor allem die Prepaid-Kreditkarte "Girogo" der Sparkasse, „"PayPass" von Mastercard oder "payWave" von Visa verbreitet. Auch Kartenterminals werden nach und nach mit NFC ausgerüstet. Über den kontaktlosen Leser können Kunden der Bank dann nicht nur mit ihre Karten, sondern auch mit Mobilgeräten oder Wearables Geld abheben. Bis 2020 sollen alle Terminals in Deutschland NFC-fähig sein.

Doch kontaktlose Kreditkarten bekommen zunehmend Konkurrenz. Ein Smartphone mit eingebautem NFC-Chip könnte die sperrige Geldbörse komplett ersetzten. Der Eigentümer tätigt Zahlungen jederzeit bequem mit dem Smartphone und der dazugehörigen "Wallet App", ohne dafür Karten oder Scheine aus dem Portemonnaie zu kramen. Nach langer Zurückhaltung stieg 2015 auch Apple mit Apple Pay in den deutschen Mobile-Payment-Markt ein. Vorreiter soll die Apple Watch werden, mit der selbst der Griff in die Hosentasche zum Smartphone überflüssig wird. Ob dieser Anstoß das mobile Bezahlen auf dem deutschen Markt weiter ins Rollen bringt? Die Chancen stehen gut. Was dem Mobile-Payment-Markt bisher fehlte, um massentauglich zu sein, wächst nun langsam heran: eine Infrastruktur aus NFC-fähigen Smartphones und Kassensystemen und nicht zuletzt das Vertrauen der Nutzer. Natürlich gibt es auch bei NFC keinen hundertprozentigen Schutz vor Hackern und Co., doch zusätzliche Sicherheitsmechanismen wie Fingerscan oder PIN-Abfrage machen das Zahlen mit dem Handy immer sicherer. Experten rechnen damit, dass das Smartphone in zehn Jahren zum drittwichtigsten Zahlungsmittel nach Kredit- und Debitkarten wird. Schon jetzt ist kontaktloses Bezahlen über NFC an rund 60 000 Standorten in Deutschland möglich.

Mehr spannende Anwendungsbereiche und drahtlose Technologien finden Besucher auf der CeBIT 2016. In Halle 5 ist zu sehen, wie das Smartphone mit NFC zum Schlüssel für das Smart Home wird. Und im Fachforum Public Sector Parc diskutieren Experten über die Online-Ausweisfunktion eID und die Frage "Wie sicher ist NFC wirklich?"

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