Augmented & Virtual Reality

Mixed Reality: Vom Spielzeug zur Produktivitätshoffnung

Seit gut einem Jahr ist sie inzwischen auf dem Markt: die HoloLens von Microsoft. Ist aus dem holografischen, mobilen Display-System inzwischen mehr geworden als eine Spielerei für Gamer? Bei den Future Talks in Halle 6 wurde diese Frage beantwortet.

24.03.2017
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Die autarke Datenbrille sieht auf den ersten Blick aus wie die üblichen Verdächtigen im VR-Sektor. Doch die HoloLens ist auf Mixed Reality ausgerichtet – eine Art Mischform aus Virtual und Augmented Reality. Und gerade dieser Mix ist der Grund, warum jetzt nach und nach neue Anwendungsfälle entstehen – fernab von Videospielen.

Erweitern statt isolieren

Im Gegensatz einer VR-Brille wie Oculus Rift, HTC Vive und Co. versetzt die HoloLens ihren Träger nicht in eine abgeschottete Welt. Stattdessen blendet sie digitale Informationen in das Sichtfeld des Betrachters ein – die dieser dann manipulieren kann. Das soll die Wahrnehmung persönlicher machen. In einer Beispielanwendung schlüpft der Nutzer etwa in die Rolle eines Detektivs, der Spuren finden muss – und zwar in den eigenen vier Wänden. Es ist sein eigener Wohnzimmertisch, den er da von allen Seiten begutachtet, bis er den verräterischen Fingerabdruck findet. Ein Gefühl von Immersion, das sich mit VR kaum erreichen lässt.

Microsoft hat das letzte Jahr genutzt, um mit Unternehmen verschiedenster Branchen publikumswirksame Showcases zu erstellen. Vorgestellt hat sie heute Margeau Veenstra, bei Microsoft für die Geschäftsstrategie zur HoloLens verantwortlich.

Einfacher entwickeln und lernen

Mehrwert soll das Gerät unter anderem bei Produktentwicklung und -design liefern. Statt ein komplettes 3-D-Modell eines bereits physisch existierenden Motorrads zu begutachten, betrachtet der Designer einfach das tatsächliche Fahrzeug und passt beispielsweise die Gestaltung des Motors oder die Lackierung mithilfe von Gesten an. Auch bei der eigentlichen Montage von Produkten soll das handfeste Geschwindigkeitsvorteile bringen.

Großes Potenzial sieht Microsoft zudem im Bereich der Bildung. Gemeinsam mit der Case Western Reserve University in Cleveland will das Unternehmen etwa das Medizinstudium erheblich verbessern. "Die Studenten müssen die menschliche Anatomie nicht mehr an echten Leichen kennenlernen, sondern können sich beispielsweise detaillierte 3-D-Modelle von Organen anschauen und einzelne Gefäße betrachten", so Veenstra. "Und das eben nicht isoliert, sondern während sie sich im Hörsaal bewegen du mit Kommilitonen und Professoren austauschen."

(Außer-)Irdische Use Cases

Selbst auf die ISS hat es die HoloLens schon geschafft. Sie ermöglicht es dem Bodenteam, den Blickwinkel der Astronauten im All einzunehmen. "Dort oben stehen täglich zig Experimente an, aber auch Wartungsarbeiten. Kein Astronaut kann sich in allem auskennen, was er da oben tun muss", sagt Veenstra. Die NASA-Kollegen auf der Erde können sich nun ein präzises Bild von den tatsächlichen Gegebenheiten auf der Raumstation machen und beispielsweise Reparaturanweisungen ins Sichtfeld des Astronauten einblenden.

Einen irdischeren Anwendungsfall hat thyssenkrupp Elevator entwickelt. Mehr als 24.000 Servicetechniker sind hier ständig im Außeneinsatz, um Aufzüge und Rolltreppen weltweit zu warten. Und diese sind heute enorm komplex. Unterstützt mit holografischer Datenbrille können sie sich schon auf dem Weg zum Kunden alle Baupläne dreidimensional anzeigen lassen oder die Wartungshistorie eines Gerätes prüfen. Vor Ort haben sie dann die Hände frei, um Reparaturen durchzuführen und sich Hinweise zu einzelnen Baugruppen anzeigen zu lassen. Laut eigenen Angaben konnte das Unternehmen die Reparaturdauer von ein bis zwei Stunden auf zwanzig Minuten senken.

Mehr über Mixed, Virtual und Augmented Reality erfahren Sie auf der Serious Games Conference in Halle 6, Stand A54.

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