5G

Mittelstand: Erfolgsfaktor Gigabit-Netze?

Bei allem Bemühen um die Digitalisierung der Industrie: Viele Lösungen richten sich nach wie vor eher an Konzerne. Der Mittelstand jedenfalls ist oft noch mit ganz anderen Fragen beschäftigt. Zum Beispiel: Habe ich überhaupt Netz?

21.03.2017
Marktplatz Kommune Gigabit-Netze Mittelstand
Netzausbau als Erfolgsfaktor für mittelständische Digitalisierung?

Wie lässt sich der Mittelstand bei der digitalen Transformation unterstützen? Diese Frage beschäftigt Politik, Lösungsanbieter und nicht zuletzt: den Mittelstand selbst. Topmanager von Mobilfunkunternehmen diskutierten im CeBIT Forum "Marktplatz Kommune" heute, worauf es beim Breitbandausbau für die Wirtschaft ankommt – und ob es Alternativen gibt.

Glasfaser vs. 5G

Ohne Glasfaser geht gar nichts, da waren sich Telekom-Mann Wolfgang Kopf, Leiter Politik und Regulierung von der Deutschen Telekom und die Vorsitzenden von Ericsson, Huawei Deutschland und Nokia einig. Zwar solle der Glasfaserausbau in Deutschland in den nächsten Jahren voranschreiten – eine Flächenverfügbarkeit, also die umfassende Abdeckung auch ländlicher Regionen, wird es aber nicht geben. Das lohne sich einfach nicht, so Telekom-Experte Kopf. Unter anderem, weil 80 bis 90 Prozent der Ausbaukosten in den Tiefbau fließen, der nur schleppend durch neue Methoden günstiger wird. Zum anderen, weil sich die Anforderungen im Mittelstand erheblich unterscheiden. Das typische KMU gibt es einfach nicht. Kopf zufolge würden vor allem die kleinsten Firmen überwiegend nach Lösungen suchen, die sich schnell aufbauen lassen – Geschwindigkeit sei weniger wichtig. Andere suchten händeringend nach einer schnellen Anbindung, wie Dr. Jürgen Hernichel, Vizepräsident des Verbands Breitbandkommunikation e.V., einwirft.

Geringe Latenzzeit, symmetrische Netze, umfassende Abdeckung: Diese Kriterien muss das Netz erfüllen. An der Seite der Glasfaser wird daher der Mobilfunkstandard der fünften Generation stehen: 5G. Denn im IoT-Zeitalter werden eben nicht nur Unternehmen vernetzt – sondern vor allem ihre Produkte und Maschinen. "Die ersten autonomen Fahrzeuge werden Traktoren sein", beschreibt es Nokia-Sprecher Wilhelm Dresselhaus. "Und da bringt die Glasfaser gar nichts. Es müssen Mobilfunkmasten her." Ericsson-Chef Koetz sieht einen 5G-Aufbau in großem Stil optimistisch bis zum Jahr 2019 entgegen. Hernichel geht eher von 2021 aus.

Es muss nicht immer Breitband sein

Doch egal, wann 5G flächendeckend verfügbar sein und Glasfaser in weitere Regionen vorgedrungen sein wird: Es braucht im IoT-Zeitalter nicht ausschließlich hohe Bandbreiten. "Wir treiben deshalb Narrowband voran", sagt Walther Haas, Mitglied der Geschäftsleitung von Huawei Deutschland. "Vernetzte Objekte, beispielsweise Frachtcontainer, können Sie ohne großen Aufwand tracken. Use Cases wie dieses aus der Logistik oder auch aus der Produktion sind typisch für Industrie 4.0. Und Narrowband ist die Wegbereiter-Technologie für das IoT." Beim Ausbau müsse Deutschland aber schnell sein: "Die Welt wartet nicht auf uns."

Es braucht eine Strategie, nicht nur ein Netz

Fakt ist: Den Mittelstand bei der digitalen Transformation zu unterstützen, ist nicht allein eine Frage der Technologie. Wie steht es um die Priorisierung von Firmen- versus privaten Daten, Stichwort Netzneutralität? Wie kommt digitales Know-how in die Unternehmen, damit sie die Chancen der neuen technologischen Möglichkeiten überhaupt nutzen können? Neben dem Netz- müsse auch ein Kompetenzausbau her. "Netze allein bringen nichts." Interessant, das dieser Satz von Ericsson-Mann Koetz kommt.

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