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Microsoft: Aus Windows Phone wird Windows 10 – und das ist gut so

Mit der Einführung von Windows 10 nähern sich Microsofts Desktop-, Tablet und Smartphone-Betriebssysteme weiter an. Davon profitiert vor allem das bisher immer noch schwächelnde mobile OS Windows Phone. Wir geben einen Überblick über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Betriebssystems.

22.01.2015 Frank Feil
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Windows Mobile – die Anfänge

Es ist an der Zeit, mal wieder über Windows Mobile, äh, Windows Phone, äh, ich meine Windows 10 zu sprechen. Als im Jahr 2002 die ersten Geschäftsleuten mit ihren übergroßen und von HTC gefertigten XDAs mit Windows Mobile durch die Gegend liefen, war das Wort Smartphone vielen noch kein Begriff – ja sogar Handys waren bei weitem nicht so populär wie heute. Damals war Microsoft in der Entwicklung mobiler Betriebssysteme ganz vorne mit dabei, verfiel dann aber in einen Dornröschenschlaf, der mit der Veröffentlichung von Windows Phone 7 im Jahr 2010 erst viel zu spät beendet wurde.

Zu dieser Zeit hatte Apple seine marktbeherrschende Stellung mit dem iPhone und iPad bereits ausgebaut und Googles Android war im Begriff, diese anzugreifen. Für ein neues, noch unausgereiftes Betriebssystem, dessen App Store kaum Apps vorzuweisen hatte und dessen Smartphones allesamt im Premium-Segment (450 Euro und mehr) angesiedelt waren, gab es schlichtweg keinen Platz. Windows Phone 7 floppte und keine Smartphone-Hersteller wollte sich mehr die Finger an Microsofts mobilem Betriebssystem verbrennen.

Windows Phone 8 – der zweite Neustart

Als dann Anfang 2013 Windows Phone 8 erschien, gab es – bis auf Nokia – nur wenige Hersteller, die das Experiment erneut wagen wollten. Man konzentrierte sich lieber auf das weitaus Erfolg versprechendere Android-Betriebssystem. Bei Microsoft begann man nun endlich die Strategie zu überdenken, arbeitete mit Entwicklern zusammen am Ausbau des Windows Phone Stores und kaufte die Smartphone-Sparte von Nokia auf, die ohnehin bereits synonym für Windows Phone stand.

Ende 2014 konnte der Windows Phone Store nun etwas mehr als 340.000 Apps aufweisen, der Marktanteil von Microsofts mobilem Betriebssystem bewegt sich aber weiterhin im mittleren bis unteren einstelligen Bereich – abhängig von der jeweiligen Datenbasis . Zum Vergleich: sowohl Android als auch iOS haben jeweils mehr als eine Millionen Apps in ihren Stores. Beim Marktanteil liegt Android mit über 80 Prozent mit großem Abstand vorne, iOS folgt mit knapp 14 Prozent.

Fehlende Apps und Anwenderfreundlichkeit

Auf den ersten Blick sieht es also weiterhin düster aus für das mobile Betriebssystem mit den Kacheln, aber man sollte zwei Dinge nicht unterschätzen: die Finanzkraft und damit verbundene Ausdauer von Microsoft und die Anwenderfreundlichkeit von Windows Phone. Letztendlich ist es nämlich total egal, wie viele Apps es im Windows Phone Store gibt, entscheidend ist nur, dass die paar Apps, die so gut wie jeder nutzt, vorhanden sind. Mit Instagram (für die jüngeren Nutzer) und Dropbox (für die techaffinen Nutzer) ist man diesem Ziel nun einen Schritt näher gekommen.

Damit sind natürlich längst noch nicht alle von iOS und Android bekannten Apps auch für Windows Phone verfügbar, aber mit der Einführung von Windows 10 und den geplanten Universal-Apps, dürfte sich da in den kommenden Monaten noch so einiges tun. Und wenn dann irgendwann keiner mehr sagen kann "Windows Phone finde ich super, aber es gibt halt keine Apps!", fällt ein wichtiges Argument gegen Microsofts mobiles Betriebssystem weg.

Noch ein Wort zum Thema Anwenderfreundlichkeit: es gibt – aus meiner Sicht – kein mobiles Betriebssystem, das "out of the box" so intuitiv und benutzerfreundlich ist, wie Windows Phone. Man hat schon von Haus aus schon viele wichtige Apps an Bord, bekommt mit HERE ein hervorragendes, vollwertiges Navi mit Karten für die ganze Welt – und in der neuesten Version mit Cortana auch eine 1a Sprachassistentin. Und ja, es gibt viele Smartphone-Käufer, die ihr neues Gerät eben nicht erst zwei Tage lang einrichten und sich durch den App Store wühlen wollen.

Smartphones für Einsteiger und Profis

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Wenn man sich aktuell die Windows Phone-Modelle von Nokia respektive Microsoft bei Amazon anschaut, findet man Einsteigergeräte bereits für 70 Euro. Auch im mittleren Preissegment zwischen 200 Euro und 400 Euro ist die Auswahl groß. Und für Power-User stehen selbstverständlich High-End-Smartphones sowie Phablets für über 500 Euro zur Verfügung – in allen Formen, Farben und Größen.

In den kommenden Monaten muss Microsoft nun alles daran setzen, die Entwickler dazu zu bewegen, ihre Windows 10-Apps auch für Smartphones zu optimieren. Weiterhin macht es Sinn, zu analysieren, welche Apps den Power-Nutzern derzeit noch fehlenden und dann gezielt auf deren Entwickler zuzugehen. Wenn dann auch noch zusammen mit Windows 10 eine neue Smartphone-Generation auf den Markt kommt und Microsoft den Fokus auf das perfekte Zusammenspiel von Desktop und mobilen Endgeräten legt (siehe Apple), wird das US-Unternehmen auch im mobilen Bereich wieder Boden gut machen.

Das Potential ist da, es muss nur genutzt werden.

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