Wearables

Mein Shirt, der Fitness-Coach

Kleidung, die Blutdruck und Temperatur misst, Lauftechnik bewertet und Trainingsfortschritte festhält, klingt für viele erst einmal utopisch – ist aber bereits Realität.

25.02.2016
32_CeBIT_Diconomy_Intelligente Kleidung

Für High-Tech-Fans ist der Modetrend des Sommers elektronisch: Nach Smartphones und Smart Watches folgt jetzt smarte Technologie, die sich anziehen lässt. T-Shirts, die unsere biometrischen Daten messen, BHs, die als persönlicher Fitness-Coach fungieren oder Strampler, die Vitalzeichen von Säuglingen überwachen. So genannte Smart Clothes, zu deutsch "intelligente Kleidung", integriert moderne Technologien ganz natürlich in unseren Alltag und ist vielseitig einsetzbar.

Fit dank intelligenter Kleidung

Der prominenteste Bereich ist wohl – wie auch bei Smart Watches – der Fitness- und Sportsektor. Hier bieten kluge Klamotten einen unschlagbaren Vorteil: Im Vergleich zu Fitness-Trackern oder Uhren vergisst man nur äußerst selten sein Shirt oder die Schuhe. Die Forschung arbeitet seit Jahren an der Vision von Smart Clothing – und ist ihr seither bereits um einige Schritte nähergekommen: Die ersten intelligenten Kleidungsstücke sind mittlerweile auf dem kommerziellen Markt erhältlich.

Smart Clothes bereits im Luxus-Sektor angekommen

Ein Beispiel ist das PoloTech smart shirt von Ralph Lauren, das im vergangenen Jahr zum Preis von umgerechnet rund 265 Euro auf den Markt kam. Das Luxusshirt misst Atmung, Herzschlag und Kalorienverbrauch und leitet die Informationen ans Smartphone weiter. Erfasst werden die Daten von biosensitiven Silberfasern, eine kleine Black Box leitet sie via Bluetooth weiter.

Ein anderes Beispiel bietet die amerikanische Firma Sensoria. Neben smarten Shirts bietet das Unternehmen auch "schlaue" Socken zum Kauf an: Die Sensoria Fitness-Socken ermitteln über textile Sensoren Schrittanzahl, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch, Höhenmeter und Distanz. Darüber hinaus erkennen sie Schrittfrequenz und Laufstil. So bieten sie Sportlern neue Möglichkeiten, ihre Performance gezielt und effektiv zu verbessern.

Der intelligente Sport-BH OMbra der kanadischen Firma OMsignal , der noch in diesem Frühjahr auf dem amerikanischen Markt erhältlich sein soll, liefert neben biometrischen Daten individuelle Trainings-Tipps auf Basis der ermittelten Parameter, mit denen sich angeblich die eigene Leistung steigern lässt.

Biometrische Daten per T-Shirt messen

Neben Sport und Fitness haben aber auch andere Bereiche die Chancen von Smart Clothes für sich entdeckt. Allen voran die Medizin. Die Vorteile liegen auf der Hand: die biometrischen Daten von Schwangeren, Neugeborenen oder älteren Menschen lassen sich durch Smart Clothes viel einfacher überwachen. Im Notfall – etwa bei einem Herzstillstand oder erhöhter Körpertemperatur – senden die schlauen Shirts ein Signal an bestimmte Empfänger.

Die Technologie der Firma Monbaby etwa besteht aus einem Button, der sich am Babystrampler anbringen lässt. Er zeichnet Atmung, Herzschlag sowie Position des Kleinen auf und sendet im Notfall Warnsignale über eine App. Auch in spezifischeren Fällen eignet sich der Einsatz von Smart Clothes: Das Fraunhofer Institut hat Socken für Diabetiker entwickelt , die über Sensoren erkennen, wenn der Fuß zu hohem Druck ausgesetzt ist und schlagen dann Alarm. Der iTBra der US-Firma Cyrcadia Health ist der Prototyp eines BHs, der anhand von Blutfluss und Brusttemperatur die Entstehung von Brustkrebs ermittelt und so eine Alternative zur Mammografie darstellt.

Kleidung, die viel verspricht

Smart Clothes stellen uns aber nicht nur vor neue Möglichkeiten, sondern die Entwickler auch vor neue Herausforderungen. Waschbarkeit und Stromversorgung sind dabei elementare Problemzonen. Leitende Materialien wie Metallfäden allein sind für bestimmte Funktionen nicht ausreichend. Batterie- und Solarzellenstoffe befinden sich derzeit allerdings noch in der Entwicklung . Bis dahin beziehen die schlauen Kleidungsstücke ihren Strom aus externen Akkus – worunter Optik und Tragbarkeit zwangsläufig leiden.

Die weitaus schwierigere Aufgabe liegt allerdings im Bereich Datenanalyse und -sicherheit. Denn mit dem Mehr an Daten steigen auch die Anforderungen an den Umgang damit. So liegen in den gewonnenen Informationen ungeahnte Möglichkeiten, um unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit zu optimieren, aber eben auch unbekannte Risiken, damit Schindluder zu treiben, wenn die nötige Absicherung fehlt. Daran sollte man denken, bevor man sich ein schlaues Shirt über den Kopf streift.

Die neuesten Entwicklungen der Wearables-Industrie entdecken Besucher der CeBIT in Hannover. Woran die Forschung gerade arbeitet , ist hier ebenso zu sehen, wie innovative Anwendungsfälle für das Internet der Dinge .

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