Mobile Solutions

Licht ins Werbedunkel

Personalisierte Werbung mit Mehrwert – davon träumen nicht nur Unternehmen seit Jahren. Auch Verbraucher stehen relevanten Informationen über Produkte, die sie tatsächlich brauchen, aufgeschlossen gegenüber.

20.03.2015
Mobile-Payment

Stellen Sie sich vor, Sie sehen in Ihrem Facebook-Newsstream die Meldung über neue Sneaker ihrer Lieblingsmarke. Das Bild "gefällt" Ihnen. Drei Tage später vibriert beim Spaziergang durch die Stadt ihr Telefon und weist sie darauf hin, dass eben diese Schuhe im Geschäft um die Ecke gerade besonders günstig zu haben sind. Und nicht nur das: Eine App leitet Sie sogar Schritt für Schritt bis direkt vor das Regal mit der Ware. Diese Vision könnte schon bald Wirklichkeit werden. Schuld daran ist mal wieder: Apple. Ein kleines Feature der Version 7 seines mobilen Betriebssystems iOS namens iBeacon (etwa: "Leuchtfeuer") löste eine wahre Euphorie unter Entwicklern von Apps, Softwarelösungen und mobile Bezahlsysteme aus.

Denn im Gegensatz zu der längst existierenden Technik der "Near Field Communication" (NFC) lassen sich mit der Bluetooth-basierenden Technik der Beacons ganze Flächen kostengünstig abdecken. Die resultierenden Möglichkeiten sind vielfältig: Angefangen bei einer simplen Indoor-Navigation mit Hilfe von Orientierungspunkten, über standort-abhängige Hinweise – etwa auf Sonderangebote im Laden oder Exponate in Museen – bis hin zu Kundenbindungsprogrammen, Eingangskontrollen, Besucherstrom-Management und sogar Bezahlvorgängen ist praktisch alles möglich.

Revolution für den Handel

iBeacons könnten nicht weniger als "den stationären Handel umkrempeln", behauptet etwa Achim Himmelreich, Partner bei der Strategieberatung Mücke, Sturm & Company. So verspricht das belgische Startup "Proxible" mit seiner App und der Beacon-Hardware beispielsweise

"Die effektivste Möglichkeit, Kunden zu binden und erneut in ein Geschäft zu locken."

Möglich sei dies beispielsweise durch selbst generierte Belohnungssysteme, unabhängig von großen Loyalty-Programmen. Mit Hilfe des Proxible-Baukastens bestehend aus der App, der Beacon-Technologie und einem Entwickler-Kit können auch kleine Einzelhändler Anreize für wiederholte Besuche schafften. Denkbar ist beispielsweise, dem Kunden für jeden Besuch im Laden einen digitalen Stempel in ein App-Bonusheft zu drücken, der nach einer bestimmten Wiederholrate einen Rabattcode generiert.

Oder verschiedene Anbieter schließen sich zusammen und erhöhen so den Anreiz für Kunden, lokale Geschäfte zu besuchen: Wer beim Metzger den Schinken im Angebot ersteht, bekommt in der Buchhandlung ums Eck einen Rabatt, beim Einkauf im Schreibwarenladen sammeln Besucher Bonuspunkte für das Programmkino oder den Spielzeugladen. Wer mag, kann an der Kasse sogar seine Geldbörse stecken lassen und direkt mit dem Smartphone bezahlen. In den USA sind die ersten Ergebnisse des angeschlossenen Bezahldienstes "Appel Pay" durchaus positiv: Bei McDonald's soll angeblich bereits fast jede zweite Zahlung per Telefon erfolgen. In Deutschland testet die Supermarktkette Rewe diese Option bereits, eine Fortführung ist allerdings noch offen.

Win-Win für Kunden und Anbieter

Aber nicht nur den Handel könnte die Beacon-Technologie revolutionieren. Auch für Veranstaltungsorte wie Erlebnisparks, Zoos, Museen, Theater oder Stadien bietet sich das Verfahren an. "Leisure in a Box" nennt Proxible etwa sein Produkt, mit dem sich beispielsweise Besucherströme leiten oder Informationen an Besucher verteilen lassen. Eine ähnliche Produktkombination bietet das Berliner Startup Sensorberg.

Für die Betreiber lohnt sich das doppelt: Sie erhöhen zum einen die Zufriedenheit der Kunden mit Hilfe kürzerer Wartezeiten und einem umfangreicheren Besuchserlebnis und erhalten zum anderen detaillierte Informationen zum Besucherverhalten: Welche Attraktionen waren besonders beliebt? Wo halten sich Zuschauer besonders lange auf? Wann und wo machen sie Pause? Dadurch lässt sich das Angebot weiter verbessern und auch individualisieren. Wird beispielsweise ein Restaurant von besonders vielen Gästen aufgesucht, lässt sich mit der Beacon-Technologie ein Angebot für einen vergünstigten Imbiss in einer weniger besuchten Location versenden.

Hilfe im Notfall

Selbst im privaten Umfeld verspricht iBeacon elementare Veränderungen. Das deutsche Startup Airfy etwa koppelt das Smartphone mit Hilfe von Beacons an verschiedene Geräte im Haushalt. So aktiviert sich womöglich das Radio selbst, sobald man einen Raum betritt, das Licht erlischt, wenn man ein Zimmer verlässt und auf dem Weg zur Haustüre erinnert das Smartphone an das Portemonnaie, das noch im Badezimmer liegt.

Weniger auf Komfort als auf Sicherheit bedacht sind die Lösungen des Startups Asandoo aus Kaiserslautern: Mittels verschiedener kabelloser Sensoren überwacht das System Bewegungen, beispielsweise innerhalb der Wohnung von gebrechlichen Menschen. Ähnlich wie bei einem Hausnotrufsystem informiert ein Alarm definierte Ansprechpartner, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind – allerdings ohne, dass die Person dazu aktiv werden muss. Findet beispielsweise längere Zeit keine Bewegung statt oder konzentriert sich die Bewegung auf einen Raum, lässt das Rückschlüsse auf eine ungewöhnliche Situation zu, etwa einen Sturz. Mit geringem Aufwand kann so die Sicherheit erhöht werden.

Einige der Startups im Beacon-Umfeld sind auch auf der CeBIT vertreten.

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